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Testosteron: das Hormon des Mannes

Testosteron ist das wichtigste der männlichen Geschlechtshormone. Diese werden auch als Androgene bezeichnet

Was ist Testosteron?

Testosteron kommt in geringen Mengen zwar auch bei der Frau vor. Aber es ist mit Abstand das wichtigste Geschlechtshormon des Mannes. Testosteron entsteht in den sogenannten Leydig-Zellen des Hodens. Bei beiden Geschlechtern produzieren zudem die Nebennieren in begrenztem Maße Testosteron. Die Hoden werden von der Hirnanhangdrüse und dem Hypothalamus im Zwischenhirn gesteuert. Die Hirnanhangdrüse gibt das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) und das Interstitielle Zell-stimulierende Hormon (ICSH) ins Blut ab. Letzteres ist vor allem für die Testosteronproduktion zuständig, während Ersteres die Bildung der Spermien steuert – mithilfe von Testosteron.


Welcher Wert ist normal?

Bei erwachsenen Männern liegt die Gesamt-Testosteronkonzentration im Blut bei 2,8 bis 11 µg/l. Diese Werte gelten für eine Blutentnahme zwischen acht und zehn Uhr morgens. Am Abend fällt der Testosteronwert um etwa 20 Prozent ab.
Bei Frauen liegt der Testosteronspiegel zwischen dem dritten und fünften Zyklustag bei etwa 0,15 bis 0,7 µg/l.

Ein sehr kleiner Prozentsatz des Testosterons kreist frei im Blut. Nur dieses freie Testosteron ist im Körper wirksam. Der Rest ist an Eiweiß gebunden, darunter das sogenannte sexualhormonbindende Globulin (SHBG). Manchmal zieht der Arzt zusätzlich zum Testosterongesamtwert auch den Testosteron/SHBG-Quotienten, der das biologisch wirksame, freie Testosteron abbildet, zur Beurteilung heran.

Der Testosteron/SHBG-Quotient liegt bei Männern bei 0,06 bis 0,234 µg/nmol und bei Frauen zwischen 0,001 und 0,023 µg/nmol.

Wann steigt der Wert?

Erkrankungen oder bestimmte Störungen der Nebennieren können durch größere Mengen Testosteron im Blut gekennzeichnet sein. Die Auswirkungen sind bei Frauen und Männern beziehungsweise Mädchen und Jungen natürlich unterschiedlich. Bei Jungen / Männern und Mädchen / Frauen kommt es zu Störungen der Sexualentwicklung und -funktionen. Bei Frauen treten im Zuge dessen auch Vermännlichungserscheinungen auf. Beide Geschlechter können außerdem unter Wachstumsstörungen leiden.

So führt das erblich bedingte Adrenogenitale Syndrom (AGS) zum Beispiel dazu, dass die Produktion von Aldosteron und Cortisol in den Nebennieren gestört ist. Stattdessen fällt mehr Testosteron an. Bei Mädchen lässt sich dann unter anderem eine verstärkte Behaarung und eine fehlende Brustentwicklung feststellen. Die Menstruation bleibt von Anfang an aus. Bei Jungen deutet eine verstärkte, vorzeitige Entwicklung von Geschlechtsmerkmalen wie Achsel- und Schambehaarung sowie Bartwuchs auf eine vorgezogene Pubertät hin. Die Keimdrüsen in den Hoden sind aber unreif.

Mithin gibt es beim AGS verschiedene Formen und Ausprägungen.

Äußerst selten bilden bösartige Tumoren der Nebennierenrinde, die beide Geschlechter betreffen können, Testosteron.

Jüngere Frauen mit Adipositas entwickeln mitunter zystische Veränderungen an den Eierstöcken (Stein-Leventhal-Syndrom). Es finden sich erhöhte Testosteronwerte, die  Vermännlichungserscheinungen und weitere Störungen verursachen. An den seltenen, überwiegend gutartigen Keimdrüsentumoren der Eierstöcke (Sertoli-Leydig-Zelltumoren) erkranken ebenfalls meist junge Frauen. Auch diese Tumoren können zu erhöhten Testosteronspiegeln mit den entsprechenden körperlichen Veränderungen führen.

Wann ist der Wert zu niedrig?

Der Testosteronwert kann nach körperlicher Arbeit niedriger als gewöhnlich sein. Auch Stress, schwere Erkrankungen, erbliche Störungen, höheres Alter, eine Narkose, Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente können den Testosteronwert senken.
Tumoren des Hodens, ein Funktionsverlust des Hypophysenvorderlappens sowie erhöhte Prolaktinwerte im Blut können ebenfalls erniedrigte Testosteronspiegel zur Folge haben.
Auch beim Klinefelter-Syndrom sind die Testosteronwerte niedriger. Hierbei handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei welcher der Junge meist mit zwei weiblichen und einem männlichen Geschlechtschromosomen zur Welt kommt (47 XXY).

Ein erniedrigter Testosteronwert kann zu einer Feminisierung des Mannes führen. Er entwickelt dann weibliche Züge. Zum Beispiel vergrößert sich aufgrund eines vermehrten Wachstums der Brustdrüsen (Gynäkomastie) das Brustgewebe. Das ist unter anderem typisch für das zuvor genannte Klinefelter-Syndrom.

Kurz gesagt:
Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Es wird hauptsächlich in den Hoden gebildet. Störungen des Stoffwechsels, die Testosteron und andere Hormone mit einbeziehen, können nicht nur Männer, sondern auch Frauen betreffen.

Zusatz: Testosteron-Normwerte bei Kindern

bis 12 Jahre: 0,01 - 1,77 μg/l bei Jungen; 0,01 - 0,2 μg/l bei Mädchen
13-18 Jahre: 0,02 - 8,0   μg/l bei Jungen; 0,02 - 0,4 μg/l bei Mädchen


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Sie müssen im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.



Dr. med. Dunja Voos / www.apotheken-umschau.de; 02.12.2011, aktualisiert am 14.12.2011

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