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Prolaktin: das Milchhormon

Prolaktin ist das Hormon, das bei der Frau die Milchbildung in der Brust anregt

Was ist Prolaktin?

Prolaktin ist ein Hormon aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Wort für Milch (lac) ab. Es wird vermehrt in der Schwangerschaft und Stillzeit produziert. Das Hormon fördert das Wachstum und die Reifung der Brust. In der Stillzeit sorgt Prolaktin für die Milchbildung. Die Stimulation der Brustwarzen, besonders das Saugen des Babys, steigert die Ausschüttung des Milchhormons. Der Reiz ist auch außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit wirksam (zum Beispiel bei Brustwarzenpiercing). Zwei Hormone des übergeordneten Hypothalamus steuern die Prolaktinbildung: Prolactoliberin (PRH, Prolactin Releasing Hormon) fördert die Bildung. Prolaktostatin (PIH, Prolactin Inhibiting Hormon, entspricht Dopamin) hemmt sie.


Welcher Wert ist normal?

Frauen weisen im Blut eine Prolaktinkonzentration von 5,2 bis 26,5 µg/l auf.

Gelegentlich bildet der Körper bestimmte Stoffe gegen Prolaktin, sogenannte Autoantikörper, die sich mit Prolaktin zum sogenannten Makroprolaktin verbinden. Das ist in der Regel harmlos. Ist Makroprolaktin im Blut vorhanden, wird im Labor zur Prolaktinbestimmung die PEG-Fällung angewendet. Mit Hilfe von Polyethylenglykol werden die Immunkomplexe vom freien Prolaktin getrennt. Der Normwert nach PEG-Fällung beträgt bis 12,6 µg/l.

Der normale Prolaktinwert des Mannes liegt bei 3,5 bis 19,4 µg/l (nach PEG-Fällung bis 12,3 µg/l).

Wann steigt der Wert?

Stress, Schwangerschaft und Stillzeit sind typische Faktoren, die den Prolaktinwert ansteigen lassen (Hyperprolaktinämie). Autoantikörper, die sich im Blut an das Prolaktin heften und somit sogenanntes Makroprolaktin bilden, können eine Erhöhung vortäuschen (siehe oben). Erhöhte Werte sind auch Begleiter einer Funktionseinschränkung der Niere (Niereninsuffizienz).

Daneben können Tumoren hinter einer Erhöhung des Prolaktins stecken. Ein überwiegend gutartiger Tumor des Hypophysenvorderlappens, das Prolaktinom, lässt den Prolaktinwert auf mehr als 200 µg/l ansteigen. Hypophysentumoren können aber auch zu einem Mangel an Dopamin (es hemmt die Ausschüttung von Prolaktin) führen, sodass die Prolaktinkonzentration im Blut ungebremst zunehmen kann. Auch Medikamente, die Dopamin hemmen (zum Beispiel Metoclopramid, Blutdruckmedikamente, Neuroleptika oder Antidepressiva), verursachen mitunter erhöhte Prolaktinwerte.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) setzt der Hypothalamus vermehrt ein bestimmtes Hormon (TRH = Thyreoliberin, wahrscheinlich identisch mit PRH = Prolactoliberin) frei, das auf die Hypophyse wirkt, damit mehr schilddrüsenaktivierendes Hormon freigesetzt wird (TSH = Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Doch wird dadurch gleichzeitig die Freisetzung von Prolaktin aus der Hypophyse angeregt. Daher kommt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion unter Umständen zu einer erhöhten Prolaktinkonzentration im Blut. Manchmal tritt dabei sogar Milch aus der Brust aus (Galaktorrhö).

Wann ist der Wert zu niedrig?

Bei einer Unterfunktion der Hypophyse (Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz) ist der Prolaktin-Wert zu niedrig. Auch Medikamente wie Dopamin-Agonisten (werden zur Therapie der Parkinson-Krankheit eingesetzt, aber auch bei Hyperprolaktinämie), Serotonin-Antagonisten (wirken gegen akutes Erbrechen) oder Glukokortikoide (Kortison zur innerlichen Behandlung) nehmen in dieser Richtung Einfluss.

Kurz gesagt:

Prolaktin ist ein Hormon, das hauptsächlich für die Milchproduktion in der Brust verantwortlich ist. Es wird in der Hypophyse gebildet. Das Saugen des Babys an der Brust ist ein natürlicher Reiz, der den Prolaktinwert im Blut steigen lässt. Hormone des Hypothalamus fördern oder hemmen die Prolaktinbildung.


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Sie müssen im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.



Dr. med. Dunja Voos / www.apotheken-umschau.de; 02.12.2011, aktualisiert am 14.12.2011

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