Was ist Vitamin B12?
Vitamin B12 (Cobalamin) benötigt der Körper unter anderem, um die DNA herzustellen, das menschliche Erbgut. Ohne ausreichende DNA-Produktion können Zellen sich nicht teilen, Blutzellen beispielsweise nicht gebildet werden. Die Nervenscheiden benötigen Cobalamin, um den Transport von Nervensignalen im Körper sicherzustellen.
Fehlt Vitamin B12, kommt es zu einer bestimmten Form von Blutarmut, der sogenannten megaloblastären Anämie. Außerdem treten neurologische und psychiatrische Probleme auf, wenn es dem Organismus an Vitamin B12 mangelt.
Besonders reich an Vitamin B12 sind tierische Lebensmittel: Leber, Muskelfleisch, Fisch, Milch, Käse und Eier. Vegetarier und Veganer müssen aufpassen, dass sie ausreichend Vitamin B12-haltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Stillende Mütter, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sollten darauf achten, bei ihren Kindern ebenfalls eine ausreichende Vitamin B12-Zufuhr sicherzustellen. Ein Cobalamin-Mangel kann bei Kindern zu Entwicklungsverzögerungen führen.
Magenkranke oder darmkranke Patienten können Vitamin B12 oft nicht mehr in ausreichenden Mengen über den Darm aufnehmen. Auch einige Medikamente gegen Sodbrennen, saures Aufstoßen (gastro-ösophagealer Reflux) können dazu führen, dass Cobalamin schlechter aus der Nahrung in den Organismus gelangt. Daneben gibt es weitere Gründe für einen Vitamin B12-Mangel.
Weil der Körper eines Erwachsenen über große Vitamin B12-Speicher verfügt, fällt ein Cobalamin-Mangel meist erst nach Jahren auf. Erstes wahrnehmbares Zeichen eines Vitamin B12-Mangels ist typischerweise die Blutarmut (Anämie).
Welcher Vitamin B12-Wert ist normal?
Je nach Alter und Geschlecht gelten unterschiedliche Normwerte für Vitamin B12 im Blut. Bei Säuglingen unter einem Jahr gelten für Mädchen 228 - 1.515 ng/l (168 - 1.115 pmol/l) als normal, für Jungen 293 - 1.210 ng/l (216 - 891 pmol/l). Bei sieben- bis neunjährigen Schulkindern liegt der Normbereich für Mädchen bei 247 - 1.175 ng/l (182 - 866 pmol/l), für Jungen bei 271 - 1.170 ng/l (200 - 863 pmol/l). Bei Erwachsenen schließlich sind für Frauen und Männer 211 - 911 ng/l (156 - 672 pmol/l) normal (nach "Labor und Diagnose" von Lothar Thomas).
Wann ist der Vitamin B12-Wert zu niedrig?
Der Cobalamin-Wert sinkt, wenn weniger Vitamin B12 aus der Nahrung aufgenommen wird, als der Körper verbraucht. Das kann daran liegen, dass bei einseitiger oder Mangelernährung breits zu wenig Vitamin B12 in den Darm gelangt. Selbst bei einer ausgewogenen vegetarischen Kost ist die Vitamin B12-Aufnahme aber normalerweise sichergestellt, insbesondere falls Milchprodukte oder Eier gegessen werden.
Anders verhält es sich vor allem bei chronischen Magen-Darm-Krankheiten wie zum Beispiel einer chronischen Gastritis oder Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmkrankheit). Patienten, denen wegen einer Magenerkrankung ein Teil des Magens entfernt wurde, müssen oft ihr Leben lang Vitamin B12 per Spritze erhalten. Besonders gefährdet für einen Vitamin-B12-Mangel sind außerdem Alkoholkranke. Sie nehmen das Vitamin oft schlechter über den Darm auf. Betroffen sein können auch Patienten mit einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse (exokrine Pankreasinsuffizienz). Seltene Ursache einer Cobalamin-Unterversorgung sind Bandwurmerkrankungen.
Unter den Medikamenten können vor allem sogenannte Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptor-Antagonisten die Cobalamin-Aufnahme behindern. Diese Wirkstoffe empfiehlt der Arzt zum Beispiel bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Nierenkranke Patienten sind gefährdet, wegen ihrer Nierenerkrankung im Körper vorhandenes Vitamin B12 nicht mehr nutzen zu können.
Es gibt außerdem sehr seltene erbliche Defekte, bei denen zu wenig Vitamin B12 aus der Nahrung in den Körper gelangt. Meist fällt der Cobalamin-Mangel dabei schon im Kindesalter durch eine verzögerte Entwicklung auf. Vitamin B12 kann den Patienten bei diesen Erkrankungen gespritzt werden.
Wann ist der Vitamin B12-Wert zu hoch?
Ein Vitamin-Spiegel über der Norm kann zum Beispiel durch Lebererkrankungen oder manche Blutkrankheiten wie Leukämie verursacht sein.
Kurz zusammengefasst:
Vitamin B 12 (Cobalamin) ist entscheidend für das gesunde Wachstum von Kindern. Eine Mangelernährung führt zu Entwicklungsverzögerungen. Später im Leben sind vor allem chronisch Magen-Darm-Kranke von einem Vitamin B12-Mangel betroffen. Sie müssen das Vitamin teilweise lebenslang spritzen. Auch Alkoholkranke nehmen häufig zu wenig Cobalamin auf. Die Folgen werden meist erst Jahre nach dem Einsetzen des Mangels offensichtlich, wenn die körpereigenen Speicher leer sind. Cobalamin benötigt der Körper vor allem für die Zellteilung, die Blutbildung und das Nervensystem. Das erste offensichtliche Zeichen des Vitamin B12-Mangels ist fast immer die Blutarmut (Anämie).
Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Sie müssen im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.
Dennis Ballwieser / www.apotheken-umschau.de; 27.11.2011, aktualisiert am 02.12.2011
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