Virginische Zaubernuss – das klingt nach einem verwunschenen Kraut. Und tatsächlich kann der Strauch ein wenig zaubern: Die Früchte bilden sich vor den Blüten. In den Früchten entwickelt sich eine Kapsel, die mit einem Knall zerplatzt und zwei schwarze Samen herausschleudert. Als Heilpflanze schätzten die Ureinwohner Nordamerikas die Zaubernuss. Sie setzten sie als Heilmittel gegen Wunden ein. Heutzutage verarbeiten große Konzerne Teile des Strauches, und zwar zu Rasier- und Gesichtswasser, zu Deodorants und pflegenden Cremes.
Wie sieht die Heilpflanze aus und wo kommt sie vor?
Die virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) ist ein Strauch, der der Haselnuss ähnlich sieht und bis zu sieben Meter in die Höhe wächst. Während des Sommers entwickeln sich die Früchte, die eine eiförmige holzige Kapsel bilden. Im Herbst blühen dann kleine gelbe Blüten auf, die sich in den Blattachseln befinden. Die Blätter sind wechselständig angeordnet, die Kronblätter sehen gelblich und lang aus. Die Zaubernuss gehört zu den Zaubernussgewächsen (Hamamelidaceae) und ist im Osten Nordamerikas beheimatet.
Info: Die „spätblühende Zaubernuss“ ist in Europa ein beliebter Zierstrauch. Diese Verwandte blüht im frühen Frühjahr und bildet keine reifen Früchte aus.
Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe werden verwendet?
Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in der Rinde, ebenso wie in den Blättern. Die Rinde enthält vor allem Gerbstoffe vom sogenannten Tannin-Typ – zum Beispiel die Substanz Hamamelitannin – und etwas ätherisches Öl. In den Blättern kommen ebenfalls reichlich Gerbstoffe vor, jedoch vom sogenannten Catechin-Typ. Außerdem findet sich bis zu 0,5 Prozent ätherisches Öl.
Was bewirken die Inhaltsstoffe? Wogegen hilft die Heilpflanze?
Hamamelis lindert – in Form von Salben und Cremes – leichten Juckreiz auf der Haut. Zugleich dämmen Zubereitungen aus der Heilpflanze Entzündungen ein. Durch diese Effekte kann Hamamelis Beschwerden abmildern, die unter anderem Hämorriden hervorrufen.
Darüber hinaus stoppt die Zaubernuss leichte Blutungen, die zum Beispiel durch eine kleine Schnittwunde ausgelöst werden, und regt die Wundheilung an. Verantwortlich für diese Wirkungen sind die Gerbstoffe. Sie reagieren auf Haut und Schleimhaut mit körpereigenen Eiweißen und verändern deren Struktur. Dadurch ziehen sich die oberen Haut- und Schleimhautschichten zusammen und werden undurchlässiger. Der juckreizstillende Effekt beruht vermutlich darauf, dass Nervenenden in der Haut – bedingt durch die Gerbstoffe – weniger auf Reizsignale reagieren.
Als Gurgellösung kann Hamamelis helfen, wenn die Mundschleimhaut leicht entzündet ist.
Bekannt ist die virginische Zaubernuss als Kosmetikprodukt – zum Beispiel als „Aqua hamamelidis“, zu deutsch: Hamameliswasser. Diese Zubereitung enthält das ätherische Öl, die Gerbstoffe wurden weitgehend entfernt. Es erfrischt die Haut nach dem Rasieren und wirkt klärend.
Wichtige Hinweise:
Wer einen empfindlichen Magen hat, kann auf Zaubernuss mit Übelkeit reagieren, wenn er das Heilkraut innerlich anwendet.
Tipp: Lassen Sie sich zu Dosierung und Anwendung in der Apotheke beraten.
www.apotheken-umschau.de;
23.01.2008, aktualisiert am 18.11.2011
Bildnachweis: Fotolia/SchneiderStockImages/2010
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