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Bauchschmerzen

Bauchschmerzen sind oft harmlos und vergehen wieder, können aber auch mehr Probleme machen – akut wie chronisch. Ein akuter Bauch ist ein Notfall


Bei Bauchschmerzen kann die Lokalisation, also der schmerzende Bereich, auf mögliche Ursachen hinweisen

Ermittlungen“ nach allen Richtungen

Bauchschmerzen sind ein Allgemeinsymptom. Ursächlich kommt ein großer Teil dessen infrage, woran der Mensch erkranken kann, denn Bauchschmerzen gehören bei unzähligen Krankheiten zu den möglichen Beschwerden. Meistens sind die Auslöser harmlos und bald gefunden: eine üppige Mahlzeit, ein Gläschen zu viel am Abend, die Menstruation. Manchmal war es eine verdorbene Speise oder die „Magen-Darm-Grippe“, worauf nicht zuletzt ein begleitender Durchfall hinweisen kann. Mitunter ist die Diagnose jedoch komplizierter. Denn viele Krankheiten, die sich in Organen nahezu der gesamten oberen Körperhälfte – vom Kopf bis zur Leistengegend – abspielen, können unter anderem auch für Bauchschmerzen verantwortlich sein. Nicht einfacher wird es dadurch, dass bei drohender Lebensgefahr schnell und gezielt gehandelt werden muss. Das kann – muss aber nicht immer – auch eine (Not-)Operation bedeuten.

Mit am häufigsten entstehen Bauchschmerzen in den Verdauungsorganen – Magen, Darm, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse. Mitunter meldet sich die Leber. Im Bauchraum befinden sich aber noch weitere Organe: die Milz, die Nieren (allerdings mehr zum Rücken hin), Blutgefäße und Nerven, die Lymphknoten und das Bauchfell. Die Harnwege verlaufen bis zum Unterbauch beziehungsweise sogenannten kleinen Becken. Hier liegen auch die Blase, die inneren weiblichen Geschlechtsorgane, die Prostata, Samenblasen und Samenleiter (akzessorische, also zusätzliche Fortpflanzungsorgane des Mannes), sodann der Enddarm. Sie alle kommen als Schmerzauslöser in unterschiedlicher Häufigkeit infrage. Seltener gehen Bauchschmerzen direkt von Muskeln oder Sehnen der Bauchwand aus.


Weitere Quellen für Bauchschmerzen befinden sich außerhalb des Bauchraumes – vom Herz über die Wirbelsäule bis hin zum Gehirn und zur Psyche. Dann sind die Bauchschmerzen eher so etwas wie eine Ausstrahlung, also ein fortgeleiteter Schmerz, und andere Symptome vorrangig.

Schließlich können „systemhafte“ Erkrankungen, etwa des Blutes, Stoffwechsels oder Bindegewebes (zum Beispiel Lupus erythematodes), hormonelle Störungen, Infektionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Vergiftungen den Bauch mit einbeziehen und dort Schmerzen verursachen.

In der Schwangerschaft sind darüber hinaus besondere, wenn auch seltene Komplikationen möglich (siehe unten).

Die Schmerzen können örtlich begrenzt sein, zum Beispiel auf den Ober- oder Unterbauch. Sie können auch wandern, sich im gesamten Bauch ausbreiten oder dort von vornherein überall dort wahrgenommen werden. Manchmal können sie in die Flanke (zum Beispiel Nierenkolik), in die Schulter (zum Beispiel Gallenkolik, Zwerchfellreizung), in den Genital- und Leistenbereich (bei Männern etwa infolge Entzündungen von Prostata oder Samenblase, bei beiden Geschlechtern aufgrund einer Harnleiterkolik – hier auch Schmerzen bis in den Oberschenkel möglich – ausstrahlen. In der Leistengegend kann auch ein Leistenbruch Beschwerden machen.
Ein atemabhängiger Schmerz deutet in Richtung Lungenfell oder Herzbeutel, ein Nüchternschmerz auf den Zwölffingerdarm hin.

Bei Kindern sind Bauchschmerzen oft schwierig einzuschätzen – entweder, weil die Kleinen vieles auf den Bauch beziehen und den Schmerz nicht anders beschreiben können, oder weil es tatsächlich zu einer Schmerzausstrahlung in die „Körpermitte“ kommt. So können Bauchschmerzen eine Erkrankung ankündigen, die gar nichts mit dem Bauch zu tun hat, etwa eine eitrige Mittelohrentzündung, eine Mandelentzündung oder eine andere Kinderkrankheit. Auch bei einer beginnenden Lungenentzündung klagen Kinder häufig über Schmerzen im Bauch. Außerdem können Bauchschmerzen eine Reaktion auf verschiedene Störfaktoren sein, etwa Angst und Stress. Das gilt im Übrigen für Kinder wie Erwachsene.

Schon die Kleinsten müssen erfahren, was es heißt, wenn der Bauch rebelliert. Viele Säuglinge, kleine Jungen häufiger als Mädchen, werden bekanntlich von den leidigen Dreimonatskoliken geplagt. Die Babys schreien mindestens drei Stunden an mindestens drei Wochentagen, sehr zur eigenen Verzweiflung wie auch der ihrer Eltern. Meistens beginnt das Problem im ersten Lebensmonat. Dass es drei Monate lang dauert, bis sich das Ganze legt, ist eine ziemlich verlässliche Regel. Das Drama setzt meistens am Spätnachmittag oder Abend nach einer Mahlzeit ein. Es betrifft mit dem Fläschchen gefütterte Babys, aber auch gestillte. Genaues weiß man noch nicht über die Auslöser, offenbar spielen viele Faktoren eine Rolle (siehe auch Beitrag „Dreimonatskoliken“). So werden Unverträglichkeiten von Milchzucker oder Kuhmilcheiweiß bis hin zu Stress in der Familie verdächtigt. Die Diagnose Dreimonatskoliken ist eine Ausschlussdiagnose, das heißt, dass der Kinderarzt keine andere Ursache festgestellt hat.

Wann zum Arzt?

Immer dann, wenn man den Eindruck hat, dass über das mutmaßlich harmlose Symptom hinaus „etwas nicht stimmt“. Kurzfristig bei ungewöhnlichem Unwohlsein, wenn dieses, wie der Bauchschmerz selbst, nach ein bis zwei Tagen immer noch nicht weichen will. Sofort, wenn Schmerzen rasant zunehmen oder halbwegs passable Körperhaltungen unerträgliche Schmerzen kaum lindern helfen (akuter Bauch, siehe unten). Und bei weiteren Warn- beziehungsweise Notfallsymptomen: wiederholtes starkes Erbrechen oder blutiger Durchfall. Blut im Stuhl. Stuhl, der schwarz wie Teer ist. Aufgetriebener Bauch. Stuhl- oder Urinverhalt. Erbrechen von Blut, von schwarz Gefärbtem („Kaffeesatz“) oder gar von Stuhl. Begleitende heftige Brustschmerzen oder Rückenschmerzen. Atemnot. Plötzliche Blutung aus der Scheide. Kreislaufschwäche oder Ohnmacht. Kaltschweißige, aschfahle oder bläulich-violette Haut. Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen...

Diagnose

Zu allererst ist zu entscheiden, ob ein Notfall vorliegt. Dies ergibt sich aus der Prüfung der Vitalzeichen – Kreislauf, Atmung, Bewusstein –, dem Ausmaß der Schmerzen und weiterer möglicher Symptome, etwa starkes Erbrechen.

Bei Bauchschmerzen steht natürlich zunächst der Bauch im Mittelpunkt. Mit dem Stethoskop lässt sich die Darmtätigkeit (Darmgeräusche) abhören. Falls der Betroffene es toleriert, also keine unüberwindliche Abwehrspannung zeigt, beurteilt der Arzt den Bauch im Hinblick auf Bauchwasser, eine Überblähung oder tastbare Veränderungen. Er schaut nach Narben und nach Schwellungen, etwa in der Leiste. Falls bei der Tastuntersuchung ein Schmerz auslösbar ist, lässt dies auf bestimmte Ursachen schließen. So ist für eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) der Druck- und Loslass-Schmerz als Zeichen der Bauchfellreizung im rechten, manchmal auch im linken Unterbauch typisch, aber nicht obligatorisch.

Demgegenüber können bei komplikationsbehafteter Divertikelkrankheit des Darmes (siehe unten: Divertikulitis) dieselben Phänomene vor allem im linken Unterbauch auslösbar sein. Außerdem untersucht der Arzt Herz und Lungen, nicht zuletzt als mögliche Schmerzursachen im Brustbereich, ferner das Augenweiß, die Haut (Gelbverfärbung?), die Zunge (Austrocknung der Schleimhäute?) und die Körperhaltung. Angaben über die Krankengeschichte sowie über den Schmerzverlauf und -charakter können die vorläufige „Arbeitsdiagnose“ stützen. Diesbezügliche Fragen: War der Schmerzbeginn plötzlich oder allmählich? Bestehen die Schmerzen schon länger? Sind es wiederkehrende, eher gleichförmige oder attackenartige Schmerzen? Hängen sie mit der Nahrungsaufnahme zusammen? Wie ist der Schmerzcharakter: stechend, schneidend, bohrend, dumpf? Ist der Darm auffallend träge oder hat sich eine schon bestehende Tendenz zur Verstopfung verstärkt? Besteht Appetitlosigkeit? Und bei Frauen im gebärfähigen Alter: Liegt eine Schwangerschaft vor?

Weiteres ergibt sich aus Laboruntersuchungen und Verfahren wie EKG (Aufzeichnung der Herzstromkurve, Elektrokardiogramm) oder bildgebenden Techniken, etwa Ultraschall (Sonografie). Die bei maßgeblichen Erkrankungen notwendige klinische Erstversorgung kann in einem Eingriff, intensivmedizinischer Behandlung oder stationärer Überwachung bestehen. Zusätzliche Untersuchungen – vom  Röntgenbild oder einem Computertomogramm über die Endoskopie, beispielsweise eine Magenspiegelung, bis zum Herzkatheter und anderes mehr – können vor- oder nachgeschaltet werden, auch ambulant. Möglicherweise übernimmt ein Urologe, Gynäkologe, Neurologe oder Psychiater die weitere Betreuung.

Mögliche Ursachen und Schmerzlokalisationen

Gesamter Bauch

Für die wenigsten Erkrankungen der Bauchorgane gibt es nur eine einzige typische Schmerzlokalisation. Daher können die meisten der nachfolgend genannten Krankheitsbilder hier und da oder überall im Bauch Beschwerden machen. Ein Beispiel ist die Blinddarmentzündung, bei der der Schmerz gerade anfangs gerne auf Wanderschaft geht. Bei einer Magen-Darminfektion (Gastroenteritis) oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa treten zwar oft im mittleren und unteren Bauch Schmerzen auf, doch letztlich kennen sie, was den Bauch betrifft, keine Grenzen. Hierbei kann es auch zu Durchfällen kommen, die sogar blutig sein können.

Schmerzzustände infolge einer Divertikulitis (entzündete Divertikel; das sind Schleimhautausstülpungen in Muskellücken der Darmwand), bei Verengung oder Verlegung des Darmes, beim Reizdramsyndrom oder bei akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse betreffen ebenfalls oft den gesamten Bauch.

Von der Hauptschlagader (Aorta) ausgehende, meist abrupte, heftige Schmerzen können außer im Brustraum und Rücken gemäß Gefäßverlauf von oben bis unten im Bauch auftreten.

Eine Bauchfellentzündung oder -reizung und Stoffwechselkrisen wie zum Beispiel ein entgleister Diabetes können an bestimmten Stellen oder überall im Bauch Schmerzen verursachen. Auch die akuten Bauchschmerzen in Verbindung mit Nierenversagen oder bei Sichelzellanämie und familiärem Mittelmeerfieber betreffen oft den Bauch insgesamt.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien können im Zuge verschiedener Körperreaktionen deutliche Bauchschmerzen, eventuell auch Erbrechen und Durchfall verursachen. Relativ typisch: Beschwerden bei einer Nahrungsmittelallergie beginnen oftmals schon beim Kontakt des verantwortlichen Auslösers mit den Lippen und der Mundschleimhaut: Schwellungen im Mund, pelzige und geschwollene Lippen, Hautveränderungen wie bei Nesselsucht, Juckreiz, eventuell sogar Asthmaanfälle oder Schockreaktionen (bei Allergien!) verweisen auf ein mögliches allergisches Geschehen.

Oberbauch

Obwohl typische Erkrankungen des Brustraums, können Lungenentzündungen und / oder Rippenfellentzündungen manchmal auch zu Oberbauchschmerzen führen. Das gilt ebenso für einen Pneumothorax – ein Lungenkollaps bei Eintritt von Luft in den Lungenfellspalt –, und eine Lungenembolie mit Lungeninfarkt.

Schmerzen bei Herzkranzgefäßerkrankungen – Angina pectoris bei einer Koronaren Herzkrankheit bis hin zum Herzinfarkt –, außerdem bei Herzbeutelentzündungen können in den Oberbauch ausstrahlen oder hauptsächlich dort in Erscheinung treten.

Die Refluxkrankheit der Speiseröhre macht sich zwar hauptsächlich im Brustraum unter dem Brustbein, vorzugsweise beim Liegen, bemerkbar, kann mit ihren Beschwerden aber auch den Oberbauch erreichen. Leitsymptom ist Sodbrennen.

Häufig stecken Magenerkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, Reizmagen oder ein Magengeschwür hinter Schmerzen in dieser Körpergegend. Nicht von ungefähr wird sie ja auch „Magengrube“ genannt. Schmerzen im Oberbauch sofort nach dem Essen oder unabhängig davon können für ein Magengeschwür sprechen. Gelegentlich diagnostiziert der Arzt aus Anlass der Oberbauchschmerzen eine „Riesenfalten-Erkrankung“ (Morbus Ménétrier) des Magens. Sie kommt jedoch eher selten vor.

Infrage kommen bei der Schmerzlokalisation Oberbauch natürlich auch Krankheiten des Zwölffingerdarms (Zwölffingerdarmgeschwür, Entzündung). Auf ein Zwölffingerdarmgeschwür können zum Beispiel Beschwerden bei nüchternem Magen (spät abends, nachts) hinweisen, die sich nach Nahrungsaufnahme bessern.

Eine weitere mögliche Ursache für akute, möglicherweise auch wiederkehrende Oberbauchschmerzen sind Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder -zysten.

Ein akut gedehnter Gallengang kann Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken auslösen.

Tumoren der Oberbauchorgane und benachbarter Strukturen wie Zwerchfell oder Lungenfell kommen ebenfalls als Ursachen in Betracht.

Sogar die Hauptschlagader ist gelegentlich Quelle von Oberbauchschmerzen. Sie kann sich ausweiten (Aneurysma) und /oder einreißen. Ein Wandeinriss (Dissektion, auch ohne Aneurysma möglich) kann unterschiedliche, oftmals dramatische Beschwerden nach sich ziehen und tödlich verlaufen. Leit- bzw. Notfallsymptom kann ein starker Brust-, Rücken- oder Oberbauchschmerz sein, der manchmal Anlass zur Verwechslung mit einem Herzinfarkt gibt, wobei ein Herz- oder Darminfarkt zu den möglichen Komplikationen eines Aneurysmas gehören können.

Nicht zuletzt können Durchblutungsstörungen der Bauchorgane oder eine Verengung bzw. Verlegung des Darmes sowie Erkrankungen des Lymphsystems Beschwerden im Oberbauch verursachen.

Der linke Oberbauch beherbergt die Milz. Erkrankungen dieses Organs spielen sich also primär in diesem Winkel des Körpers ab; diesbezügliche Schmerzen können in die linke Schulter ausstrahlen.

Letzteres gilt auch für Erkrankungen der Nieren, die natürlich auf beiden Seiten Schmerzsignale in den Oberbauch entsenden können. Häufig strahlen sie auch in den Rücken aus.

Bei Krankheiten der Bauchspeicheldrüse – Achtung: machen nicht selten ebenfalls Rückenschmerzen! – und des Magens reichen die Oberbauchschmerzen oft weit nach links oder rechts. Genauso kann im (linken) Oberbauch ein direkt neben den Speiseröhrenausgang hochgerutschter Teil des Magens (Hiatushernie) für Schmerzempfindungen sorgen.

Hinter Schmerzen auf beiden Seiten oben im Bauch können durchaus auch mal entzündete Divertikel stecken (Divertikulitis; zum Beispiel am Dünndarm, bei Erwachsenen kommt sie dort aber eher selten vor).

Außerdem ist auch der Oberbauch eine mögliche Lokalisation der Gürtelrose (Herpes zoster). Die einem bestimmten Hautareal zugeordneten, oft extrem unangenehmen Nervenschmerzen können den typischen Hautbläschen zwei bis drei Tage vorausgehen.

Beschwerden rechts im Oberbauch lassen unter anderem Lebererkrankungen, zum Beispiel eine Leberentzündung (Hepatitis), Gallenwegserkrankungen – etwa eine Gallenblasenentzündung oder eine Kolik bei Gallensteinen – vermuten. Der Schmerz bei Gallenkolik ist anhaltend, kann mehrere Stunden dauern und bis ins rechte Schulterblatt, manchmal auch bis in die Herzgegend, ausstrahlen. Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen, Schweißausbrüche, eventuell auch eine Gelbsucht sind gängige Begleitsymptome. Nach einer Gallenblasen-Operation können Beschwerden hier fortbestehen oder wiederauftreten. Da Blinddarmentzündungen ausgesprochen gerne Versteck spielen, können entsprechende Schmerzen auch mal rechts im Oberbauch liegen (unter anderem bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft).

Mittelbauch

Beim Reizdarmsyndrom und bei der intestinalen Pseudoobstruktion finden sich die Schmerzen oft im mitteren Bauch, können aber in wechselnde Richtungen gehen.

„Verwachsungen“ am Dünndarm können einige Stunden nach der Nahrungsaufnahme zu krampfartigen Beschwerden führen, ebenso eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz).

Erkrankungen der Bauchschlagader, eine Blinddarmentzündung – oftmals im Frühstadium –, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und eine Verlegung oder Verengung des Darmes machen sich manchmal in der Nabelgegend schmerzhaft bemerkbar. Dies gilt auch für bestimmte, aber insgesamt eher seltene Durchblutungsstörungen des Darmes (Mesenterialinfarkte durch Verschlüssen von Darmarterien oder -venen) und akute Bauchschmerzen (Pseudoperitonitis) bei entgleistem Diabetes oder infolge Vergiftung des Körpers bei Nierenversagen (Urämie).

Unterbauch

Im Unterbauch spielen sich typischerweise Blinddarmentzündungen (rechts, manchmal auch links) und Divertikelentzündungen (links, manchmal auch rechts) ab beziehungsweise sie machen hauptsächlich dort Schmerzen (zur Divertikelkrankheit / Divertikulitis siehe weiter oben).

Außerdem sind die Harnwege und inneren Fortpflanzungsorgane nicht weit entfernt. Kein Wunder also, dass beispielsweise Blasenentzündungen oder der Mittelschmerz hier verspürt werden (Frauen). Der Mittelschmerz ist nicht krankhaft, sondern entsteht beim Eisprung, der normalerweise in der Mitte des weiblichen Zyklus stattfindet. Dabei ist eine leichte Blut- und Schleimabsonderung aus der Scheide möglich.

Schmerzen im Zusammenhang mit der Menstruation bereiten in der Regel keine Probleme bei der Zuordnung. Eine weitere mögliche Ursache von Unterleibbeschwerden sind Myome der Gebärmutter und eher chronische als akute Eileiter- und Eierstockentzündungen (Oberbegriff: Adnexitis). Oft damit verbunden sind schmerzhafte und unregelmäßige Monatsblutungen. Zyklische Schmerzen können auch von Endometriose-Gewebe im Unterbauch verursacht werden. Eine Gebärmutterentzündung ist erst dann wirklich schmerzhaft, wenn sie sich bis in die Wandmuskulatur ausgedehnt hat (mögliche Ursachen: zum Beispiel sexuell übertragene Infektionen, Eingriffe wie eine Kürettage; Spirale).

Beim Mann kann eine Samenblasenentzündung Unterbauchschmerzen auslösen.

Mit Schmerzen eher seitlich im Unterbauch können sich eine Beckenvenenthrombose oder ein Leistenbruch (Hernie) bemerkbar machen. Dieselbe Lokalisation kommt häufig auch für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) infrage. Weitere mögliche Schmerzphänomene sind rechtsseitig Ausstrahlungen von der Gallenblase und vom Magen, linksseitig ein Volvulus (siehe unten), rechts oder links Schmerzen bei Erkrankungen der Nieren oder Harnwege.



Akuter Bauch: Häufig ist eine Operation nötig

Akuter Bauch

Ein akuter Bauch ist lebensbedrohlich. Kennzeichen sind Bauchschmerzen in Verbindung mit beim Tasten druckschmerzhafter, angespannter, sich hart anfühlender Bauchdecke. Die „Abwehrspannung“ weist auf eine Bauchfellreizung oder -entzündung hin, medizinisch Peritonismus oder Peritonitis. Der Bauch kann auch aufgetrieben sein. Weitere Symptome sind anhaltende Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen, Kreislaufschwäche, Schock.
Die Betroffenen müssen notfallmäßig in einer Klinik behandelt werden.

Mögliche Ursachen:

Verdauungsorgane

In diesem Bereich gibt es eine Vielzahl von Ursachen. Auf der Liste unter anderem: durchbrechendes beziehungsweise durchgebrochenes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, bakterielle, eitrige Gastritis (selten, bei Immunschwäche); schwere Entzündung oder Vereiterung der Gallenblase; Entzündung oder Zyste der Bauchspeicheldrüse; akute Stauung, Entzündung, Abszess (zum Beispiel durch Amöben) oder Platzen = Ruptur der Leber; akute Milzerkrankungen (Infarkt, Abszess, Ruptur); akute Blinddarmentzündung mit Durchbruch-(tendenz).

Dass ein Darmverschluss, medizinisch mechanischer Ileus, zum akuten Bauch führt, ist einleuchtend. Im Bereich des Dünndarms kann ein Darmverschluss durch Narbengewebe (sogenannte Briden), einen durchgebrochenen Gallenstein oder einen Dünndarmstein (seltene Folge von Entzündungen oder „Verwachsungen“) entstehen. Ein innerer Eingeweidebruch (Hernie) mit Einklemmung und Abschnürung des Dünndarms ist ebenfalls eine seltene Möglichkeit.

Häufiger kommen Verschlüsse des Dickdarms vor. Ursachen sind Verengungen, Durchbruch und Abszess bei Entzündungen, etwa infolge eines Morbus Crohn oder einer Divertikelkrankheit. Auch ein Tumor, Kotsteine, ein Gallenstein oder Verdrehung von Darmteilen (Volvulus, bei Erwachsenen wiederum eher selten) können den Darm blockieren.

Ein toxisches Megakolon droht bei entgleisenden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dabei bläht sich der geschädigte Darm massiv auf. Das Risiko eines Darmdurchbruchs mit Bauchfellentzündung und Schock ist hoch.
Nach Operationen an den Verdauungsorganen sind Komplikationen bis hin zur Bauchfellentzündung und Darmlähmung möglich. Ob einer Darmlähmung – als solche definitionsgemäß nicht mit Bauchschmerzen verbunden – Schmerzen vorausgehen, hängt vom Auslöser ab. Ein Darmverschluss kann in eine Darmlähmung übergehen.

Blutgefäße und Lymphsystem

Zum akuten Bauch führen manchmal auch Entzündungen der Eingeweide-Arterien, beispielsweise im Rahmen bestimmter immunologischer Erkrankungen, oder Verschlüsse durch Blutgerinnsel, zum Beispiel infolge von Herzerkrankungen. Seltener kommt es zu Venenverschlüssen. Der Fachbegriff lautet Mesenterialarterien- oder -venenverschluss. Abfluss-Störungen des Venenblutes innerhalb oder außerhalb der Leber (Budd-Chiari-Syndrom) oder ein Gefäßwandriss der Bauchschlagader beziehungsweise ihrer Abzweigungen verursachen ebenfalls akute Krankheitsbilder des Bauches. Seltener können Erkrankungen des Lymphsystems zu Symptomen des akuten Bauches führen.

Harn- und (innere) Geschlechtsorgane

Hier kommen Nierenbeckenentzündungen oder -abszesse, ein akuter Stau der Niere durch Steine oder andere Ursachen („Kolik“), Niereninfarkte, Harnleiterkoliken oder eine akute Überdehnung der Blase bei Harnverhalt infolge eines Abflusshindernisses oder einer akuten Blasenlähmung infrage. Bei Männern kann manchmal eine stark vergrößerte Prostata die Entleerung der Blase blockieren und ihre äußerst schmerzhafte Überdehnung verursachen.

Bei Frauen muss an eine Endometriose (ortsfremde Gewebeinseln mit Gebärmutterschleimhaut, können sich hormonell-zyklisch stark vergrößern), eine Stiehldrehung des Eierstocks (kommt häufiger bei größeren Zysten oder einem Tumor des Eierstocks vor), Platzen einer Eierstockzyste und Blutung im Bauchraum oder an eine Komplikation bei einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter, zum Beispiel bei einer Eileiterschwangerschaft (siehe unten), gedacht werden. Bei Jungen, männlichen Jugendlichen, manchmal auch, wenn sie schon erwachsen sind, kann eine Hodentorsion, also eine Drehung von Hoden und Samenstrang, einen akuten Bauch verursachen.

Bauchdecke

Eine Blutung in der Sehnenhülle der Bauchwandmuskulatur kann insbesondere einen extrem starken Druckschmerz an der Bauchdecke auslösen, der an einen Notfall denken lässt. Im Falle von äußeren Eingeweidebrüchen (Hernien; bei Leistenhernien häufiger als bei Schenkelhernien) können Darmschlingen miteingeklemmt und geschädigt werden. Ein Darmverschluss ist möglich.

Ursachen außerhalb des Bauches

Brustraum

Die nachfolgend genannten Erkrankungen treten nicht nur mit akuten Brustschmerzen und Kreislaufbeschwerden in Erscheinung, sondern auch oder manchmal hauptsächlich mit Zeichen des akuten Bauches. Das sind: Herzinfarkt, akute schwere Herzschwäche (kann zu akuten Bauchschmerzen durch Kapselspannung infolge Leberstauung führen), Lungenembolie, Pneumothorax (Lungenkollaps bei Luft im Lungenfellspalt), Lungenentzündungen, Lungenfell- und Mittelfellentzündungen sowie akute Komplikationen bei Lungentumoren und Speiseröhrenerkrankungen und bei einer Aussackung (Aneurysma) der Hauptschlagader oder deren Einriss.

Wirbelsäule, Nerven, Psyche

Bandscheibenvorfälle im Brustwirbelsäulenbereich (sie sind auf dieser Etage der Wirbelsäule aber eher ungewöhnlich) mit sogenannten Wurzelkompressionen – dabei werden aus dem Rückenmark austretende Nervenwurzeln zusammengedrückt –, und Wirbelbrüche (eventuell auch mit Blutungen hinter dem Bauchfell) können Schmerzfortleitungen im Sinne des akuten Bauches erzeugen. Migräne („Bauchkoliken“) und Psychosen sind weitere mögliche, wenn auch seltene Ursachen für akute Bauchsymptome.

Stoffwechsel und Hormone

Bereits erwähnt wurde die Pseudoperitonitis bei entgleistem Diabetes (Ketoazidose) mit Brechreiz und (Ober-)Bauchschmerzen („chemische Peritonitis“). Ausgeprägte Fettstoffwechselstörungen können Ähnliches bewirken. Hier kann zudem eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung Teil des akuten Krankheitsgeschehens sein.

Eine andere mögliche Ursache verbirgt sich in den Nebennieren (Nebenierenschwäche beziehungsweise -insuffizienz oder Addison-Krankheit), die sich zu einer akuten Krise mit Brechreiz, starken Bauch- oder Flankenschmerzen und Schocksymptomatik zuspitzen kann. Die Therapie besteht unter anderem im Ersatz der fehlenden Hormone.

Auch eine massive Überfunktion der Schilddrüse (thyreotoxische Krise) oder ein dramatisch erhöhtes Kalzium im Blut (hyperkalzämische Krise) können neben anderen bedrohlichen Störungen einen akuten Bauch hervorrufen. Bei einer bestimmten erblichen Form der Porphyrie (akute intermittierende hepatische Form der Häm-Stoffwechselstörung; das Häm, ein Eisenporphyrin, gibt dem Blut seine Farbe) kommt es zu schweren akuten Bauchschmerzen und neurologischen Störungen. Schließlich kann auch ein entgleisendes Nierenversagen auf den Bauch schlagen, schädigt aber nahezu alle Organe.

Bluterkankungen, Infektionskrankheiten

Zerfall der roten Blutkörperchen (Hämolyse, unter anderem bei Sichelzellanämie oder Malaria) können zu Blutarmut mit allgemeiner Schwäche führen, außerdem zu akuten, krisenartigen Bauchschmerzen. Das Augenweiß kann eine leicht gelbliche Färbung aufweisen, was als Zeichen einer beginnenden Gelbsucht infolge erhöhten Anfalls des „Gallenfarbstoffs“ Bilirubin, ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin, gedeutet werden kann. Andere Blutkrankheiten können Milzinfarkte verursachen.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft treten akute Bauchsymptome, beispielsweise als Folge einer Blinddarmentzündung (trotz Operation kann die Schwangerschaft in der Regel erhalten werden), Gallen- oder Nierenkolik nicht häufiger oder seltener auf als sonst.

Eine schwangerschaftsbezogene Besonderheit ist dagegen das sogenannte HELLP-Syndrom. Die aus dem Englischen abgeleitete Abkürzung setzt sich aus den Buchstaben für die Begriffe Hämolyse (Blutzerfall; (H)), erhöhte Leberwerte (EL) und niedrige Zahl der Blutplättchen (LP) zusammen. Das Krankeitsbild gehört zu den Gestosen – Erkrankungen, die nur in der Schwangerschaft auftreten. Oft entwickelt sich ein Bluthochdruck (er kann aber auch schon vor der Schwangerschaft bestehen und sich in der Schwangerschaft zuspitzen). Beim Übergang der Gestose in ein HELLP-Syndrom kommt es zum Zerfall roter Blutkörperchen, Blutgerinnungsstörungen, Erbrechen, akuten Leberstörungen und massiven Schmerzen im rechten Oberbauch durch einen Leberkapselschmerz. Es drohen Nierenversagen, ein Riss der Leber und Ablösung der Plazenta. Einzige „ursachenbezogene“ Therapie ist die vorzeitige Entbindung per Kaiserschnitt.

Weitere schwangerschaftsbedingte Ursachen des akuten Bauches sind Fehlgeburten, schwere Entzündungen der Gebärmutter, eventuell auch der Eierstöcke durch aufsteigende Entzündungen nach Entbindung / Kaiserschnitt. Eine Eileiterschwangerschaft mit Platzen des Eileiters führt zu starken, auf einer Seite oder im gesamten Unterbauch empfundenden Schmerzen.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Beim akuten Bauch kommt es insbesondere auf die ärztliche Entscheidung an, ob eine notfallmäßige Operation angezeigt ist. Achtung: Keine Schmerzmittel auf eigene Faust einnehmen, lieber vorübergehend nichts mehr essen und trinken, bis der Arzt entschieden hat, was zu tun ist.


Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.



Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 03.03.2009, aktualisiert am 02.01.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Hemera, W&B/ Martin Ley

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