Atemnot gehört neben Husten (mit oder ohne Auswurf), Bluthusten und Brustschmerz zu den vier Hauptsymptomen bei Erkrankungen der Atemwege und der Lungen. Außerdem ist sie ein typisches Symptom bei Herzschwäche. Hier entwickelt sich eine für den Arzt in kennzeichnender Weise hörbare Veränderung der Atmung. Manchmal ergibt sich eine keuchende Ausatmung, ähnlich wie bei Bronchialasthma. Daher heißen diese Beschwerden auch Herzasthma („Asthma cardiale").
Frei strömende Atemluft gibt uns Zug um Zug Frische und Energie. Zwar funktioniert die Atmung normalerweise ganz von alleine. Doch wir können die Luft auch ganz bewusst in einem weit gespannten Bogen in uns aufnehmen und sie gezielt einsetzen – etwa um uns selbst stärker zu spüren. Oder beim Singen und Tanzen. Und wer dabei über perfekte Atemtechniken verfügt, hat schon mal ganz gute Voraussetzungen, um es zu großer stimmlicher und körperlicher Ausdruckskraft zu bringen.
Atemnot ist beängstigend
Luftnot dagegen engt uns ein und schwächt den Körper. Manchmal legt sie sich wie ein Panzer um die Brust und macht Angst, im Extremfall Panik, Erstickungsangst, Todesangst. Angst allein genügt manchmal, um uns die Kehle zuzuschnüren. Bei Atemnot kann sich dadurch alles noch verschlimmern.
Patienten mit bestimmten Herzerkrankungen empfinden oft Luftnot. Andere spüren vor allem einen Widerstand beim Atmen, insbesondere beim Durch- oder Ausatmen. Letzteres ist gerade für Bronchialasthma sehr typisch. Hier kann das Ausatmen hörbar erschwert (pfeifendes Atemgeräusch) und verlängert sein.
Ein ziehendes oder pfeifendes Geräusch beim Einatmen weist auf eine Verlegung der großen Atemwege, etwa der Luftröhre hin. Eine solche Obstruktion kann innen oder außen liegen. Brodelndes Atmen signalisiert „Wasser in der Lunge", zum Beispiel bei einem Lungenödem durch Herzversagen. Beides sind Notfälle.
Kurzer Atem bei Belastungen
Menschen mit großer Körperfülle und schwangere Frauen sind häufig etwas luftknapp und kurzatmig; sie atmen schneller und flacher.
Auch starker Stress macht atemlos. Das liegt an den Eigenarten der in unseren Genen verankerten „Bereitschaftsreaktion", die Puls und Atemfrequenz ansteigen lässt. Die gefühlte Atemlosigkeit ist hier einerseits der Ausdruck des Getriebenseins. Sie hat aber auch eine körperliche Entsprechung, denn die meisten nehmen sich bei Stress buchstäblich keine Zeit mehr zum Atmen. Sie atmen oberflächlich und dazu oft in schlechter Haltung. Den Atemfluss beschwingt das nicht gerade. Insgesamt funktioniert das Atemsystem hier aber normal.
Normal oder physiologisch ist auch das Hecheln nach Luft nach einer großen körperlichen Anstrengung. Viele kennen das: Bei Trainingsmangel reicht die Puste gerade mal für einen kurzen Sprint. Athleten dagegen haben nach einer Höchstleistung sogar oft noch etwas Luft für ein flottes Interview.
Was alles verursacht Atemnot?
Atemnot ergibt sich aus jedweder Verschiebung im Gefüge der Atemregulation (siehe Kapitel „Wie es uns atmet" und „Ursachen"). Zahlreiche Krankheiten können eine Rolle spielen. An erster Stelle stehen solche der Atemwege und der Lungen, des Brustfells, des Herzens und des Kreislaufs. Es folgen Störungen auf der Ebene des Gehirns, der Nerven und Muskeln bzw. Atemmuskeln. Überall hier können im Übrigen sogenannte Immun- und Systemerkrankungen oder Infektionen Einfluss nehmen. Auch Probleme mit den Stimmbändern spielen eine Rolle.
Stoffwechselstörungen oder Krankheiten des Blutes und Skelettsystems können die Atmung ebenfalls beeinträchtigen. Dasselbe gilt für Infektionen, allergische Reaktionen, Schmerzen, Verletzungen, Vergiftungen, Medikamente, die Höhenkrankheit und psychische Ursachen. Kennzeichnend für das Krankheitsbild der Fibromyalgie sind chronische Schmerzen und vielfältige andere, allgemeine Symptome, darunter Atemnot.
Damit ist die Liste aber noch keineswegs zu Ende. Hier eine Übersicht:
Atemnot: die wichtigsten Ursachen
Obere Atemwege
Kehlkopf:
– Pseudokrupp (subglottische Laryngitis); Epiglottitis
– Diphtherie („echter Krupp")
– Akute Ödeme: Angioödem (Quincke-Ödem) und Urtikaria
– Krampf der Stimmbandmuskeln (Stimmritzenkrampf)
– Stimmbandstörung (Vocal Cord Dysfunction)
– Stimmbandlähmung; phonatorische Dyspnoe
Untere Atemwege
Luftröhre:
– Verengung (Trachealstenose)
– Verlegung (zum Beispiel durch einen Fremdkörper)
Bronchien:
– Asthma
– Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD)
– Bronchiektasen
– Bronchiolitis
Lungen (1)
– Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
– Atelektase
– Emphysem (Lungenüberblähung)
– Lungenentzündungen (Pneumonie)
– Lungenfibrose, Staublunge, BOOP-Syndrom
– Akutes Lungenversagen (ARDS)
Lungen (2)
– Lungenhochdruck und „Lungenherz" (Cor pulmonale)
– Lungenödem
Rippenfell
– Rippenfellerguss
– Pneumothorax
– Tumoren (Mesotheliom, Tochtergeschwülste bei anderen Krebserkrankungen)
Herz
– Herzschwäche (siehe auch Lungenödem)
– „Lungenherz": Cor pulmonale
Muskeln, Nerven, Skelett
– Muskelerkrankungen (Myopathien)
– Zwerchfellerkrankungen
– Verformung oder Versteifung des Brustkorbs (zum Beispiel Skoliose, Trichterbrust, Bechterew-Krankheit)
– Verletzungen des Brustkorbs (zum Beispiel Rippenbrüche)
– Hyperventilation (hier: psychisch)
Blut & Co.
– Höhenlungenödem
– Gesteigerter Sauerstoffverbrauch: Überfunktion der Schilddrüse, Schwangerschaft, Anstrengung
Diese Ursachenliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mehr zu den gelisteten Erkrankungen und Störungsbildern in den einzelnen Kapiteln (siehe Textkasten oben).
Was tun?
Bei Luftnot sollte man unverzüglich einen Arzt hinzuziehen. Bei akut bedrohlichem Zustand muss man den Notarzt rufen. Atemnot kann chronische Erkrankungen wie Asthma, obstruktive Bronchitis oder Herzschwäche mehr oder weniger ständig begleiten, sie kann sich dabei aber jederzeit akut verschlechtern. Dann ist erneut ein Arzt gefragt.
Er wird die Behandlung eventuell umstellen oder auf eine Klinikbehandlung dringen. Oft kann die Atemnot durch eine intensivierte Behandlung und begleitende Therapien wieder behoben werden. Im Einzelnen hängen die Maßnahmen natürlich immer von der Grunderkrankung ab.
Einiges kann man auch selbst dazu beitragen, um die Atemwege möglichst frei zu halten. Nahe liegend: Rauchverzicht. Aber auch Gewichtskontrolle, Einnahme von Medikamenten nach Plan statt nach „Gefühl", was insbesondere für Asthmamittel gilt.
Und wenn der Arzt Asthmakranken empfiehlt, ihre Atemfunktion regelmäßig selbst zu messen, sollten sie das tatsächlich auch umsetzen. Mit einem kleinen, handlichen Gerät namens Peakflowmeter wird das Ausatmungsvolumen oder der Peakflow, der maximale Atemfluss beim Ausatmen bestimmt und protokolliert. Es hilft betroffenen Kindern und ihren Eltern wie Erwachsenen sehr gut, den Therapieverlauf selbst besser nachzuvollziehen, eine sich verschlechternde Atemnot frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zum Arzt zu gehen. Der wiederum kann sich ein genaueres Gesamtbild machen und gegebenenfalls die Therapie anpassen.
Auch eine Atemtherapie, bei der bestimmte Atemtechniken trainiert werden, wirkt sich oft positiv auf die Atemtätigkeit und das Befinden aus. Die Übergänge zu meditativen Übungen und Entspannungsverfahren sind hier manchmal fließend. Das richtige Maß an Bewegung im Freien trägt ebenfalls dazu bei, den Atemfluss anzuregen und die Atmung zu stärken. Das gilt selbst bei deutlichen Einschränkungen, wie sie beispielsweise eine Herz- oder Lungenkrankheit mit sich bringen kann. Allergiker oder Menschen, die auf einen Stoff in der Atemluft überempfindlich reagieren, wissen, dass sie die Auslöser – das Allergen oder Antigen – am besten meiden.
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de ;
08.08.2010, aktualisiert am 09.02.2012
Bildnachweis: W&B/Bernhard Huber
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