Beerdigungen sind traurig. Aber sie sind auch wichtig, um von einem geliebten Menschen gebührend Abschied zu nehmen
Dass der Tod mitnichten umsonst ist, weiß jeder, der schon mal einen Angehörigen bestatten musste: Sarg, Grab, Anzeigen, amtliche Gebühren – da kommt einiges zusammen. „Im Schnitt etwa 5000 Euro – ohne Grabpflege“, weiß Professor Frank Daumann von der Universität Jena.
Der Ökonom hat im vergangenen Jahr das Bestattungsgeschäft in Deutschland unter die Lupe genommen und ist dabei zu einem unerfreulichen Ergebnis gekommen: „Häufig zahlen Angehörige viel zu hohe Preise.“
Zwei Umstände, sagt Daumann, treiben die Kosten nach oben. Zum einen empfinden es die meisten Menschen als pietätlos, beim „letzten Gang“ des Verstorbenen allzu penibel auf das Geld zu achten. Zum anderen haben sie auch gar nicht genug Zeit, um Preise zu vergleichen und Alternativen zu prüfen – der Leichnam muss binnen weniger Tage bestattet werden. Die emotionale Lage kommt hinzu: Von Trauer, Schmerz und Fassungslosigkeit betäubt, nickt man alles ab – gut, dass sich jemand darum kümmert.
Die Bestatter wissen um die Gunst der dunklen Stunden und machen daher nur zurückhaltend Werbung für ihren Service. Das führt dazu, dass über Preise und Leistungen wenig bekannt ist. Wenn überhaupt, dann werben die Unternehmen bei Kliniken und Altenheimen, wie Daumann herausfand: „Manche Bestatter zahlen Geld an Krankenhäuser, damit diese sie bei Sterbefällen vermitteln.“
In der Provinz mangelt es häufig ohnehin an Konkurrenz. „Im Bestattungsgeschäft besteht meist eine angebotsinduzierte Nachfrage“, erläutert Daumann. „Der Anbieter hat mehr Informationen als der Kunde. Das führt vielfach dazu, dass mehr verkauft wird, als nötig wäre.“ Vor allem aufwendige Särge oder verschwiegene Zusatzkosten würden die Preise hochtreiben.
„Am besten regelt man alles schon zu Lebzeiten selbst“, rät Dr. Kerstin Gernig vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. So sei es möglich, Angebote in Ruhe zu vergleichen und sich einen vollständigen Überblick zu verschaffen. „Auch durchlaufende Kosten wie Überführung und Friedhofsgebühr muss der Bestatter nennen“, betont Gernig.
Doch eine solche Vorsorge trifft nur jeder fünfte Bürger, ergab eine GfK-Umfrage im Auftrag der Apotheken Umschau. Zwei Drittel wollen gar nicht ans Sterben denken. „In der modernen, westlich geprägten Zivilisation wird der Tod verdrängt“, sagt Gernig. In anderen Kulturen sei dies vielfach anders. „Dort wird zeitlebens auf die Hochzeit und auch den Todesfall gespart.“
Mangelndes „Memento mori“ erleichtert Bestattern aber nicht nur eine undurchschaubare Preisgestaltung, es verändert auch die Trauerkultur. 37 Prozent der Bundesbürger, so zeigte die GfK-Umfrage ebenfalls, halten eine Trauerfeier für bloße Geschäftemacherei. Diese Haltung bewirkt offenbar, dass immer mehr Deutsche ganz auf eine Beerdigung verzichten und stattdessen die Asche ihrer Verstorbenen anonym auf einem Grabfeld beisetzen lassen.
Diesen Trend beklagen die Bestatter, aber auch Theologen wie Professor Thomas Klie aus Rostock: „Das Gedenken braucht einen Ort, der Abschied einen Ritus.“ Kerstin Gernig pflichtet ihm bei: „Zeremonien helfen, die Trauer zu verarbeiten. Das wirkt befreiend.“ Überteuerte Spektakel müssten nicht sein, aber ein allzu sang- und klangloser Abschied könne eine vertane Chance sein, den Verlust zu verarbeiten.
Kosten im Trauerfall
Der Bestatter selbst sorgt für die Überführung des Leichnams, die Aufbahrung, Beerdigung und Trauerfeier. Er erledigt auch die bürokratischen Formalitäten wie die Meldung des Sterbefalls. Dazu kommen Fremdleistungen wie Sarg oder Urne, Blumenschmuck, Zeitungsanzeigen, Musik oder Friedhofsgebühren. Die Kosten dafür schießt der Bestatter in der Regel vor und fasst sie in seiner Schlussrechnung zusammen.
Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau;
08.11.2011
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