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Zimmerpflanzen – nützliche Helfer

Studien zeigen, dass manche Ziergewächse die Luftfeuchtigkeit regulieren, Schadstoffe abbauen und zudem günstig auf die Psyche wirken


Grüne Oase: Zimmerpflanzen schaffen eine behagliche Atmosphäre

Endlich Feierabend! Nach Hause kommen, die Füße hochlegen, die Seele baumeln lassen, tief durchatmen. Gerade im Herbst und Winter wollen es sich viele in den eigenen vier Wänden gemütlich machen. Wer dabei noch in ein Kaminfeuer blicken kann, darf sich glücklich schätzen. Doch das Idyll trügt. „Trockene Raumluft, Feinstaub, flüchtige Schadstoffe reizen die Schleimhäute von Augen und Atemwegen und verursachen Symptome wie Müdigkeit und Konzentrationsschwäche“, sagt Professor Volker Mersch-Sundermann, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg. „Zimmerpflanzen tragen dazu bei, das Raumklima zu verbessern und die Schadstoffbelastung zu reduzieren.“

Die meisten Mitteleuropäer halten sich 80 bis 90 Prozent ihrer Lebenszeit in Innenräumen auf – mehr als 20 Stunden am Tag. „Zwar werden in Innenräumen nur selten gesundheitsschädliche Grenzwerte erreicht“, beruhigt Mersch-Sundermann. „Wer jedoch ständig unter unspezifischen Symptomen oder gereizten Schleimhäuten leidet, kann sich in unserer umweltmedizinischen Ambulanz beraten lassen.“


Seit Jahren erforschen Wissenschaftler, wie sich die Luftqualität in Wohn- und Arbeitsräumen verbessern lässt. Studien belegen, dass Zimmerpflanzen die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise regulieren, den Kohlendioxidgehalt senken, Staub binden und Schadstoffe aus der Luft filtern. „Der spürbarste Effekt ist die Luftbefeuchtung“, sagt Mersch-Sundermann. „Über die Spaltöffnungen an den Blattunterseiten nehmen Pflanzen Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff sowie Wasserdampf an die Umgebung ab.“

Dabei passen sie sich an die Umstände an: „Bei zu feuchter Luft wirken Zimmerpflanzen als biologische Luftentfeuchter“, sagt der Bonner Gartenbauingenieur Kurt Henseler, „bei trockener Raumluft verdunsten sie dagegen viel Gießwasser und erhöhen somit die Luftfeuchtigkeit.“

Doch Ficus und Schefflera können noch mehr. Wie Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München zeigten, verringern Zimmerpflanzen die Schadstoffkonzentration in der Raumluft. „Besonders problematisch sind flüchtige organische Verbindungen wie Formaldehyd, das aus Möbeln, Spanplatten und Teppichböden freigesetzt wird“, berichtet Dr. Christian Langebartels, Leiter der Abteilung Programmplanung und Management. „Auch Lösungsmittel aus Haushaltsreinigern, Lacken und Farben können Probleme verursachen, zum Beispiel Benzol, Toluol oder Trichlorethylen.“

Am Institut für Biochemische Pflanzenpathologie des Helmholtz Zentrums München wies das Team um Langebartels vor einigen Jahren nach, dass Pflanzen Formaldehyd entgiften können. „In den Blättern entdeckten wir das Enzym Formaldehyd-Dehydrogenase, das den Schadstoff in harmlose Naturstoffe wie Aminosäuren und Zucker umwandelt“, sagt Langebartels. „Diese Entgiftungsreaktion ähnelt den Stoffwechselvorgängen in der tierischen und menschlichen Leber.“

Als besonders effektiver Formaldehyd-Vernichter hat sich die Birkenfeige (Ficus benjamini) erwiesen, gefolgt von der Strahlenaralie (Schefflera) und der Efeutute (Epipremnum). Auch andere Schadstoffe werden entgiftet. Der Drachenbaum (Dracaena) etwa baut Benzol und Trichlorethylen ab, die Efeutute ebenfalls Benzol. „Die Filterleistung einer Pflanze hängt nicht nur von ihrer Enzymaktivität ab, sondern insbesondere von der Aufnahmefähigkeit der Blätter“, erklärt Langebartels. „Bei optimalen Wachstumsbedingungen mit ausreichend Licht, Feuchtigkeit und Nährstoffen kann sie besonders viele Gase aufnehmen.“ Auch die Staubbelastung der Atemluft wird gesenkt: „Der Staub lagert sich auf den Blättern der Zimmerpflanzen ab“, sagt Henseler.

Doch Pflanzen verfügen offenbar noch über weitere Entgiftungsmechanismen. Ein Forscherteam des Botanischen Instituts der Universität Köln endeckte bereits Mitte der 90er-Jahre, dass die Gewächse Schadstoffe auch über ihre Wurzeln entgiften können. Dabei arbeiten die Pflanzen mit Bodenbakterien zusammen, die Gifte aufnehmen, abbauen und auf diese Weise unschädlich machen. Ein biologisches Luftreinigungsgerät auf der Basis von Hydrokulturpflanzen, deren Wurzeln mit speziellen Bakterien vergesellschaftet sind, wird derzeit entwickelt und soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Zwar können Grünpflanzen die Luft stark belasteter Räume nicht komplett reinigen und sind kein Ersatz für regelmäßiges Lüften. „Aber schon wenige große Pflanzen können das Raumklima verbessern und den Schadstoffgehalt in der Atemluft senken“, sagt Christian Langebartels. Und Gartenbauingenieur Kurt Henseler ergänzt: „Je mehr Pflanzen in der Wohnung sind, umso besser für das Raumklima und den Wohlfühleffekt.“ Grünpflanzen besitzen zudem einen positiven Effekt auf die Psyche. „Sie sorgen für Wohlbefinden und seelische Ausgeglichenheit“, meint Mersch-Sundermann.

Offenbar hat schon der bloße Anblick einer Pflanze eine entspannende, stressmindernde Wirkung. Verschiedene Studien, die Roger Ulrich von der Universität Texas analysierte, zeigen, dass Patienten, die in Krankenhäusern und Therapie-Einrichtungen durch das Fenster ins Grüne blicken können, weniger ängstlich sind, geringere Schmerzen empfinden und die Klinik früher verlassen können. Am Arbeitsplatz steigert üppiges Grün zudem die Konzentration, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit.

Bei allen günstigen Wirkungen haben auch Zimmerpflanzen gewisse Risiken und Nebenwirkungen. „Die Pflanze darf nicht zu feucht werden, weil die Erde sonst schimmelt und Pilzsporen in die Raumluft gelangen“, betont Mersch-Sundermann. „Gesunden macht das nichts aus, aber bei Menschen mit Allergien und Abwehrschwäche kann die Schimmelpilzbelastung kritisch sein.“ Auch Hydrokulturen bieten keinen absoluten Schutz vor Schimmelbefall: „Wegen des dunklen, feuchtwarmen Klimas in den Töpfen gedeiht der Schimmel hier im Verborgenen“, sagt Mersch-Sundermann. Dennoch besitzen Hydrokulturen einen großen Vorteil: „Bei der Pflege der Pflanzen kann man weniger falsch machen“, meint Kurt Henseler. „Wer jedoch einen grünen Daumen hat, erzielt mit Erdkulturen die gleichen Effekte.“

Einige Zimmerpflanzen können zudem allergische Beschwerden verursachen. Die Birkenfeige etwa führt vor allem bei Latex-Allergikern zu heftigen Symptomen – von juckendem Hautausschlag nach Kontakt mit der Pflanze bis zu Fließschnupfen, Bindehautentzündung und Asthma. Betroffene sollten deshalb auf Birkenfeigen in der Wohnung und am Arbeitsplatz verzichten und bei der Pflege sowie beim Umtopfen von Pflanzen stets latexfreie Arbeitshandschuhe tragen. Der giftige Saft von Wolfsmilchgewächsen, zu denen der dekorative Weihnachtsstern gehört, verursacht Reizungen bei Hautkontakt und vergiftungsähnliche Erscheinungen sowie Verdauungsstörungen beim Verschlucken. Wer Kleinkinder oder Haustiere hat, sollte am besten ganz auf giftige Zimmerpflanzen verzichten.



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Barbara Kandler-Schmitt / Apotheken Umschau; 28.12.2010, aktualisiert am 01.12.2011
Bildnachweis: Picture Press GmbH/Ferdinand Graf Luckner

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