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So lernen Erwachsene Skifahren

Kinder und Jugendliche lernen mühelos, Ski zu fahren. Doch auch Erwachsene können das alpine Freizeitvergnügen neu für sich entdecken


Spitzingsee: Das Skigebiet zählt zu den beliebtesten in Bayern

Wer nach 15 Jahren wieder anfängt, Ski zu fahren, mag sich ein wenig exotisch vorkommen – sofern er sich mit seiner Ausrüstung von damals auf die Piste wagt. Natürlich hat sich die Mode geändert, vor allem aber der Ski. Heutige Modelle sind beispielsweise deutlich länger als die von früher. Außerdem haben moderne Ski breitere Spitzen und Enden. Gerade davon profitieren Ungeübte. „Es fällt mit dem heutigen Material leichter, die Balance zu halten und das Tempo zu kontrollieren“, betont Michael Brunner, Ausbildungsleiter beim Deutschen Skilehrerverband (DSLV). Denn die Ski lassen sich mit wenig Kraftaufwand drehen.

Es gibt aber noch einen Faktor, der den Einstieg erleichtert. „Die Pisten sind heute in der Regel viel besser präpariert als früher“, sagt Brunner. Interessierte erlernen die richtige Technik am schnellsten in einem Kurs. „Zunächst einmal kommt es darauf an, Vertrauen zu dem Schneesportgerät zu gewinnen“, erläutert der Ski-Experte. Am besten gewöhnen sich Anfänger im flachen Gelände an die sperrigen Bretter.


Dann zeigt der Skilehrer seinen Schülern, wie sie mit dem Körper quer zum Hang einige Meter den Berg hinaufsteigen können. „Die Treppenschritte sind wichtig, um später gut auf den Skikanten zu stehen“, erklärt Brunner. Deren dosierter Einsatz ist notwendig, um Kurven zu fahren und zu bremsen. Sobald sich alle in der Gruppe darin einigermaßen sicher fühlen, geht es an den Lift.

„Wir fahren zunächst einen nur leicht geneigten Hang hinauf“, sagt Brunner. Für die Teilnehmer bietet sich jetzt die erste Gelegenheit, mehrere Bogen aneinanderzureihen. „Viele meiner Skischüler reagieren begeistert, wenn sie spüren, dass sie gut die Piste hinunterkommen“, erzählt der Skilehrer.

Die Technik verfeinern

Im weiteren Unterrichtsverlauf verfeinern die Teilnehmer ihr Können. Sie lernen, ihr Fahrtempo und ihren Kurvenradius an unterschiedliches Gelände anzupassen. Dabei erkundet die Gruppe auch das Skigebiet. Längst nicht die ganze Zeit folgen die Kursteilnehmer der Spur ihres Lehrers. „Ich lasse meine Schüler auch mal paarweise fahren oder übe mit ihnen im Umlauf“, erklärt Brunner. Das bedeutet, sie fahren selbstständig die Piste hinab und treffen den Skilehrer an einer vorher vereinbarten Stelle.

Skikurse verlaufen heute meist viel individueller als früher. So nimmt man zum Beispiel Eigenheiten im persönlichen Fahrstil hin, statt Schwünge perfekt einzuüben. Wer etwa lieber geschlossen fährt, als – wie heute üblich – etwas breitbeinig auf den Brettern zu stehen, darf diese Gewohnheit beibehalten. Dagegen weist der Lehrer auf Fehler hin, die das Skifahren behindern: Rücklage zum Beispiel. Denn wer das Gewicht zu weit nach hinten verlagert, verliert schnell die Kontrolle und überlastet zudem die Beinmuskeln.

„Drei bis fünf Tage benötigen Erwachsene, bis sie sicher und angstfrei leichte Pisten bewältigen“, sagt Michael Brunner. Ein Fünf-Tages-Kurs in einer DSLV-Skischule kostet rund 130 Euro. Hinzu kommen die Leihgebühr für Ski, Stöcke und Schuhe von etwa 100 Euro und die Ausgaben für die Liftnutzung. Je nach Skigebiet bezahlt ein Urlauber zwischen 20 und 45 Euro pro Tagespass. Für Ungeübte mag sich eine Punkte-karte zunächst als billiger erweisen. Damit benutzen sie den Lift so lange, bis sie ihr Guthaben aufgebraucht haben. Der Skilehrer weiß am besten, was für seine Schüler am günstigsten ist. Alles in allem kommt einiges an Ausgaben zusammen. Wer mit dem Skifahren neu beginnt, muss sich zudem noch einkleiden. Dazu gehören auch ein Skihelm und Skihandschuhe, eine Schnee- und eine Sonnenbrille.

Einmaliges Naturerlebnis

Doch dafür bietet der Wintersport viel: Bewegung an der frischen Luft, grandiose Ausblicke auf verschneite Berglandschaften und Erlebnisse in der Gruppe. „Den meisten Kursteilnehmern macht das Skifahren so viel Spaß, dass sie dabeibleiben und wiederkommen“, meint Skilehrer Brunner. Auch für Dr. Ralf Holzer steht an erster Stelle die Freude, sich in der Natur zu bewegen. „Es gibt im Winter nichts Schöneres, als im Schnee den Berg hinunterzuschwingen“, sagt der Chirurg und Ausbilder im Bundeslehrteam des Deutschen Skiverbands (DSV).

Allerdings erfordert dieser Sport eine robuste Gesundheit. „Skifahren beansprucht den gesamten Körper“, betont Holzer. Er empfiehlt Anfängern und Wiedereinsteigern ab einem Alter von 50, sich zuerst ärztlich untersuchen und beraten zu lassen. Das gilt auch für Jüngere mit Vorerkrankungen. „Skifahren setzt ein stabiles Herz-Kreislauf-System voraus.“ Denn die dünne Höhenluft belastet den Körper zusätzlich. Viele Menschen leiden auch an einem Verschleiß von Wirbelsäule und Gelenken – müssen aber nicht zwangsläufig auf das Freizeitvergnügen verzichten. „Manche fahren beschwerdefrei, wenn sie eine schonende Technik erlernen“, sagt Holzer. Er rät Wiedereinsteigern davon ab, mit ihren uralten Ski zu fahren – nicht nur, weil diese sich schwerer drehen lassen und die Bindung womöglich nicht mehr funktionstüchtig ist. „Die Hersteller haben in den vergangenen Jahren viele Sicherheitskomponenten eingebaut, um die Verletzungsgefahr so niedrig wie möglich zu halten.“



Achim G. Schneider / Apotheken Umschau; 30.12.2010
Bildnachweis: Bildagentur Huber GmbH & Co. KG/R.Schmid

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