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Elektrofahrrad: Die wichtigsten Tipps

Mit einem E-Bike meistert auch der Ungeübte ohne Mühe steile Anstiege und kommt unverschwitzt ins Büro. Allerdings haben Pedelecs einen stolzen Preis


Entspannt bergauf: Elektroräder erleichtern das Radfahren

Ein Rad mit Hilfsmotor? Na ja, ein echter Sport-Fan schafft es doch allein mit seinem schnittigen Rad den Berg hinauf. „Vor allem Männer haben Vorbehalte. Doch wer es nicht selbst ausprobiert hat, kann nicht mitreden“, sagt Hannes Neupert. Der Geschäftsführer von ExtraEnergy lässt Interessenten vor seinem Stuttgarter Ausstellungsraum gleich Probe fahren. Sein gemeinnütziger Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Verbreitung leichter Elektrofahrzeuge zu fördern. Tatsächlich bietet das Testrad ein ­angenehmes Fahrgefühl. Bereits beim ersten Tritt in die Pedale schiebt einen der kaum hörbare Elektromotor an. Es geht doppelt so schnell den Berg hinauf wie mit einem herkömmlichen Fahrrad.

Die Zahl der verkauften Elektroräder steigt von Jahr zu Jahr: 200 000 Stück hat der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in Bad Soden für 2010 ermittelt, knapp dreimal so viel wie noch drei Jahre zuvor. Das ist zwar nur ein Bruchteil, gemessen an vier Millionen verkauften Fahrrädern pro Jahr. Doch der ZIV hofft, dass Elektroräder bald einen Markt­anteil von bis zu 15 Prozent ausmachen werden.



Regler: Damit lässt sich die Schubkraft der Batterie einstellen und ihr Ladezustand kontrollieren

Für den stetigen Aufwärtstrend gibt es mehrere Gründe. Vor allem die Qualität der aktuellen Produkte hat sich merklich verbessert. „Die meisten Elektroräder sind heute technisch auf ­ei­nem guten Stand und sicher“, sagt Kolja Oppel, Technikexperte beim ­Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Berlin. Auch die hohen Benzinpreise fördern den Verkauf. Je nach Unterstützung durch den Hilfsmotor kosten 100 Kilometer mit dem Elektrorad nur 8 bis 20 Cent an Strom. Vom Umweltschutz ganz zu schweigen: Mit der Energie, die ein Auto für 30 Kilo­meter braucht, kommt ein Elektrorad mehr als tausend Kilometer weit.

Allerdings haben die Gefährte ihren Preis. „Eine vernünftige Ausstattung gibt es ab 1600 Euro“, meint Hannes Neupert. Unterhalb dieses Preises werde es heikel: Die Räder seien störanfällig, unkomfortabel und zu schwer. „Wir raten von Internet­angeboten und vom Discounter ab. Gehen Sie zum Fachhändler“, fügt Oppel hinzu.

Der Verein testet Elektro­räder und unterhält auf seinem Internetportal auch eine Suchmaschine für Fachgeschäfte. Ein Kriterium für gute Beratung: Der Händler verleiht Elektroräder zum Testen. Diese heißen im Fachjargon auch ­Pedelecs, die Kurzform des englischen Ausdrucks „Pedal Electric Cycle“. Es gibt sie in einer langsamen und einer schnellen Variante.

Langsame Pedelecs gelten gesetzlich als Fahrräder. Ihr Motor schafft maximal 250 Watt und unterstützt den Fahrer nur, solange er in die Pedale tritt. Je kräftiger dieser strampelt, desto stärker ­arbeitet auch der Motor. Er schaltet sich automatisch ab, wenn das Pedelec schneller als 25 Stundenkilometer fährt. Der Radler benötigt für das Gefährt weder Führerschein noch Versicherung. Ausnahme: Pedelecs mit Anfahrthilfe. Sie beschleunigt das Rad per Knopfdruck auf sechs Stundenkilometer. Fahrer, die nach dem März 1965 geboren sind, brauchen dafür mindestens eine Mofaprüfbescheinigung. Jeder Pkw-Führerschein schließt diese ein.

Diese Altersgrenze gilt auch für schnelle Pedelecs, die zu den Kleinkrafträdern zählen. Hier leistet der ­Motor bis zu 500 Watt und unterstützt den Radler bis zu einem Tempo von 45 Stundenkilometern. Diese Variante bedarf einer Versicherung. Die Jahreskosten dafür betragen rund 60 Euro. Fahren darf man ein schnelles Pedelec nur auf der Straße, es sei denn, der Radweg ist für Mofas freigegeben, oder der Fahrer schaltet den Motor ab.

Eine Helmpflicht besteht weder für langsame noch für schnelle Pedelecs. „Doch zur eigenen Sicherheit sollte ­jeder Fahrer einen Helm tragen“, empfiehlt Dr. Michael Peters, ärztlicher Leiter für Sportorthopädie und Sport­­traumatologie an der Universitätsklinik Freiburg. Wer dies beherzigt und umsichtig fährt, profitiert auch gesundheitlich davon. „Elektroräder schonen die Beingelenke und das Herz-Kreislauf-System“, erklärt Peters. So können sogar Menschen im hügeligen Gelände radeln, für die das Treten allein mit Muskelkraft zu anstrengend oder zu schmerzhaft wäre. Peters: „Nur wenn sich die Gelenke regelmäßig bewegen, kann sich der Knorpel erneuern.“


Qualitätsmerkmale von Pedelecs

  • Motor: Dieser sollte drei Leistungsstufen haben und sich abschalten lassen. Auch ohne Motorbetrieb muss das Pedelec ein gutes Fahrrad sein.
  • Antrieb: Er liegt an der Vorder-, der Hinterradnabe oder am Tretlager. Heck- und Tretlagermotor sind ebenbürtig. Letzterer entlastet das Hinterrad. Das ist vor allem wichtig, wenn der Akku hinten liegt. Bei Frontantrieb kann der Vorderreifen beim Bergauffahren durchdrehen.
  • Gewicht: Ein Pedelec sollte nicht mehr als 30 Kilo wiegen. Schwerere Modelle lassen sich kaum über die Bordsteinkante wuchten.
  • Reichweite: Grundsätzlich steigt des Gewicht des Akkus mit seiner Leistung. Wer nur kurze Strecken  zurücklegt, spart mit einem Akku kurzer Reichweite Geld und rund zwei Kilo Gewicht ein. ExtraEnergy testet die Reichweite für drei Szenarien: eine standardisierte Fahrt in der Stadt, auf dem Land und am Berg. In der Stadt und am Berg sind bis 40 Kilometer gute Reichweiten, auf einer Tour bis 60 Kilometer. Achtung: Die Hersteller übertreiben oft bei den Angaben.
  • Garantie: Guter Standard sind zehn Jahre auf den Fahrradrahmen und zwei Jahre für den Lithium-­Ionen-Akku. Gegen Aufpreis gibt es oft eine Verlängerung.
  • Verbreitung: Dutzende Kombinationen aus Motor, Akku und ­Ladegerät sind auf dem Markt. Wer ein gängiges System wählt, hat ­größere Chancen, schnell Ersatz zu bekommen, wenn der Akku versagt. Vor Kurzem haben sich die Hersteller auf einen einheitlichen Standard für Akkus und Ladegeräte ­­geeinigt. Doch es wird wohl noch dauern, bis er sich durchsetzt.


Dr. Bernhard Epping / Dr. Achim G. Schneider / Apotheken Umschau; 07.10.2011, aktualisiert am 07.10.2011
Bildnachweis: Laif/Achim Multhaupt, F1 online/Prisma

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