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Slackline: Mehr als nur ein Trend

Die Slackline ist ein vielseitiges Sportgerät, das sich für alle Altersgruppen zu entdecken lohnt. Inzwischen kommt sie auch in der Therapie zum Einsatz


Vorbildlich: Mit Schutzmatte bleibt die Baumrinde intakt

Die meisten kennen sie von Bildern: Extremsportler laufen todesmutig auf einem dünnen Nylonband über einen Abgrund. Manche haben vielleicht auch schon Menschen in Parks auf ihr balancieren sehen – auf einer Slackline. In den 1980er Jahren in den USA erfunden, gewinnt sie mittlerweile auf der ganzen Welt immer mehr Freunde.

Das Slacklinen, wie das Balancieren auf dem Nylonband genannt wird, erinnert ein wenig an das klassische Seiltanzen. Nur bewegt man sich dabei nicht auf einem festen Stahlseil, sondern auf einem elastischen Band, das meist nur knapp über dem Boden aufgespannt wird. Die handelsüblichen Modelle sind zwischen zweieinhalb und fünf Zentimeter breit.


Unter dem Körpergewicht schwingt die Slackline in horizontaler und vertikaler Richtung. Das stellt große Anforderungen an Konzentration, Koordination und Motorik, will man nicht schnurstracks das Gleichgewicht verlieren. Zudem trainiert das Balancieren die tieferliegende Muskulatur.

Wegen dieser Vielseitigkeit ist die Slackline für Thomas Kroiß nicht nur etwas für Trendsportler. Kroiß leitet beim Bayerischen Turnverband Lehrgänge zum Thema Slackline. "Weil sie so viele Bereiche trainiert, ist sie für viele Menschen als Sportgerät geeignet – ob für den 60-Jährigen oder den Sechsjährigen", sagt er. Kinder können auf der Slackline Fähigkeiten wie Koordination und Feinmotorik üben, Ältere ihre Beweglichkeit erhalten und Fortgeschrittene akrobatische Übungen machen. Wer allerdings an Krankheiten leidet – beispielsweise an Osteoporose oder Gelenkproblemen – oder als Älterer neu mit dem Sport beginnt, der sollte sich für den Balanceakt auf der Slackline auf jeden Fall vom Arzt grünes Licht geben lassen.

Aller Anfang ist schwer

Bis man artistische Sprünge auf der Slackline ausführt, dauert es ein Weilchen. "Anfangs erscheint es fast unmöglich, sich auf der Slackline überhaupt irgendwie zu bewegen", sagt Kroiß. Das legt sich mit etwas Übung, doch zu Beginn heißt das Motto: Nichts überstürzen, sondern langsam erste Erfahrungen sammeln. "Versuchen Sie anfangs nicht, auf der Slackline zu gehen, sondern lernen Sie erst einmal auf ihr zu stehen", empfiehlt Kroiß. Am besten hilft dabei eine Begleitperson als Stütze.

Erst wenn Sie beim Stehen das Gleichgewicht problemlos halten, wagen Sie sich an die nächste Aufgabe heran. Schwingen Sie nun langsam auf der Slackline hin und her. Klappt auch das, können Sie die ersten Gehversuche unternehmen. Nach rund 30 Minuten haben sich Koordination und Muskeln auf den elastischen Untergrund eingespielt, so dass dann auch Anfänger in der Regel schnelle Fortschritte machen.

Die Slackline in der Therapie


Wegen der vielfältigen sensomotorischen Anforderungen hat mittlerweile auch die Physiotherapie die Slackline für sich entdeckt. Roger Stadelmann lässt an der Schweizer Helios-Klinik Zihlschlacht Patienten über eine Slackline laufen. "Bei allen verbessern wir damit insgesamt die Bewegungsabläufe", sagt der Ergotherapeut. Besonders bei Schlaganfallpatienten und Menschen mit Hirn-Schädel-Trauma scheint die ungewöhnliche Methode erfolgreich zu sein.



Roger Stadelmann auf der Slackline

Stadelmann wendet die Slackline seit drei Jahren in der Therapie an. Privat ist er seit zehn Jahren von der Sportart begeistert. "Die Slackline hat zum Trainieren der motorischen Fähigkeiten viele Vorteile", erklärt er. "Jeder Schritt auf ihr muss sehr konzentriert gemacht werden, das stellt hohe Anforderungen an Konzentration und Aufmerksamkeit."

Der Spaß steht im Vordergrund


Zudem trainiert sie die posturale Kontrolle – so bezeichnet man in der Ergotherapie die Fähigkeit, aufrecht zu stehen. Gerade für Schlaganfallpatienten ist eine leicht nach vorne gebeugte Haltung des Oberkörpers typisch. "Auf der Slackline ist der Körper gezwungen sich aufzurichten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren", sagt Stadelmann.

Hemmungen vor dem ungewohnten Therapiegerät haben die meisten Patienten höchstens zu Beginn. Bis auf einen wollten bislang alle nach dem ersten Versuch ein weiteres Mal auf die Slackline. Dabei sind viele von Stadelmanns Patienten jenseits der fünfzig. Einmal hat er sogar eine 95-Jährige auf die Slackline gestellt. Die Begeisterung für die Methode erklärt er sich so: "Die Slackline hat etwas sehr verspieltes. Die Patienten haben auf ihr das Gefühl, dynamisch und leicht zu sein. Viele nehmen es gar nicht als Therapie wahr. Es macht ihnen Spaß"

Baumschutz nicht vergessen

Um Spaß geht es auch den meisten, die sich privat auf der Slackline versuchen. Sie lässt sich praktisch überall schnell aufbauen, wo es zwei wirklich stabile Befestigungsmöglichkeiten für die beiden Enden gibt, zum Beispiel im heimischen Garten. "Am besten eignen sich zur Befestigung Bäume, die einen Durchmesser von mindestens 30 Zentimetern besitzen", empfiehlt Thomas Kroiß. Diese Bäume sollten gesund und stark genug sein, um das Gewicht eines Erwachsenen ohne Probleme oder Schäden zu tragen.

Aus Umweltschutzgründen sollten Sie einen speziellen Baumschutz zwischen Befestigungsschlinge und Baumrinde einspannen. Ohne eine solche Spezialmatte kann die Slackline die Rinde der Bäume beschädigen. Zudem schützt sie das Nylonband selbst vor Verschleiß. Spannen Sie das Band vor allem am Anfang nicht zu hoch. Beachten Sie unbedingt die Herstellerangaben beim Befestigen. Lassen Sie sich vom Fachmann anleiten, wenn Sie nicht sicher sind. Wählen Sie einen weichen Untergrund, beispielsweise Gras oder Sand, oder verwenden Sie Matten zum Abfedern von möglichen Stürzen. Mit Schutz steht einem Balanceakt auf der Slackline nichts mehr im Weg. Ganz gleich, ob Sie nun artistische Kunststücke vollbringen oder sich behutsam an Ihre ersten Gehversuche wagen.



Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de; 02.05.2011, aktualisiert am 10.05.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/Gewitterkind

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