Tippen, klicken, tippen, klicken, tippen, klicken: Wer beruflich am Computer arbeitet, führt mit Arm und Hand immer wieder dieselben Bewegungen aus – tage-, wochen-, oft jahrelang. Das kann Muskeln, Gelenke, Sehnen und Nerven strapazieren und zum Repetitive-Strain-Injury- (RSI-)Syndrom führen, zur Verletzung durch wiederholte Belastung, die auch Mausarm genannt wird.
„Betroffene klagen über Schmerzen an verschiedenen Stellen, nicht nur am Handgelenk, sondern auch im Bereich des Unterarms, des Ellbogens oder der Schulter“, erklärt der Münchner Handchirurg Dr. Axel Neumann.
„Nicht selten sind die Beschwerden bereits chronisch, wenn die Patienten Hilfe suchen.“ Warnzeichen wie leichtes Ziehen, Kraftlosigkeit oder eingeschlafene Finger ignorieren oder verharmlosen viele PC-Nutzer – manchmal so lange, bis Gelemke steif oder Muskeln verhärtet sind. Das Gewebe dieser Muskeln weist zudem oft Narben kleinster Faserrisse und Entzündungen auf.
Eine Frage der Haltung
„Leider ist das RSI-Syndrom noch weitgehend unbekannt“, sagt Neumann. Sogar viele Ärzte würden sich mit der Diagnose schwertun und stattdessen zum Beispiel auf eine Sehnenscheidenentzündung schließen. Doch Betroffene bekommen das Problem oft nur in den Griff, wenn sie ihre Arbeitsgewohnheiten ändern. „Die richtige Haltung am Schreibtisch kann das Leiden mindern oder dafür sorgen, dass es erst gar nicht auftritt“, erläutert Dr. Martin Talke, Orthopäde in Berlin.
So sollen die Unterarme während des Klickens und Tippens auf dem Tisch liegen – und zwar im rechten Winkel zu den Oberarmen. Ober- und Unterschenkel sollen einen Winkel bilden, der mindestens 90 Grad beträgt; die Füße stehen fest auf dem Boden. Den Kopf nicht ständig drehen. Wichtig sind regelmäßige Pausen von der Arbeit am PC, Dehnübungen und häufige Wechsel zwischen Maus und Tastatur.
Tipp: Maus loslassen, wenn sie nicht genutzt wird. Manche Betroffene tragen vorübergehend eine Bandage am Unterarm, die ihre Muskulatur stützt. Andere testen ergonomische Mäuse – also Modelle, die eine entspanntere Finger- und Armhaltung versprechen und beispielsweise vertikal in der Hand liegen.
Bewegen und entspannen
Gut tut aber vor allem Bewegung. Während Orthopäde Talke seinen Patienten rät, zu schwimmen oder beide Arme symmetrisch mit leichten Hanteln zu trainieren, empfiehlt Handchirurg Neumann auch schon mal einseitige Sportarten. Badminton zum Beispiel kräftigt den betroffenen Arm.
Beide Experten verschreiben zudem Krankengymnastik, Wärme oder Kältebehandlungen, Bestrahlungen und Massagen. „Entspannung – und zwar nicht nur körperlich – ist ein wichtiger Faktor bei der Behandlung des RSI-Syndroms“, erläutert Martin Talke. Denn akute Schmerzen spüren die Patienten vor allem in Stresssituationen.
Schmerzmittel können das Entspannen erleichtern. „Spritzen in den betroffenen Bereich mit örtlichen Betäubungsmitteln und Kortison sind sehr effektiv“, berichtet Talke. Auf lange Sicht helfen sie aber nur, wenn der Patient zusätzlich sein Arbeitsumfeld ändert und sich viel bewegt.
Insbesondere kommen Schmerzstiller und Entzündungshemmer – etwa in Salbenform – zum Einsatz, wenn der Patient in einem Teufelskreis aus Schmerz und Angst steckt. „Er fürchtet die Beschwerden so sehr, dass er sich verkrampft, was erst recht Beschwerden hervorruft“, erklärt Neumann
Julia Wölkart / Apotheken Umschau;
02.11.2010
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto
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