Bei der Schilderung der Beschwerden kommen meistens auch Hinweise zu den Auslösern zur Sprache. Im Hinblick auf Gesäßschmerzen etwa ungewohnte Sitzbelastungen auf einer Fahrradtour, beim Autofahren oder am Computer. Die Angewohnheit vieler Männer, die Geldbörse ständig in einer Gesäßtasche zu tragen, kann zur Druckbelastung des Ischiasnervs im Rahmen des Piriformis-Syndroms führen. Darüberhinaus kann die Kenntnis der individuellen Kranken- und Familiengeschichte bei der Diagnose helfen.
Zu den Kernfragen des Arztes gehört, ob der Schmerz eine oder beide Seiten betrifft und wann er auftritt: Ist es ein Ruhe- bzw. Nachtschmerz, nimmt er bei Bewegung zu oder schmerzen vor allem die ersten Schritte nach einer Ruhephase („Anlaufschmerzen“)? Können die Oberschenkel schmerzlos abgespreizt werden (Grätschstellung) oder gibt es hier Einschränkungen? Begleitende Symptome wie Morgensteifigkeit, Schmerzen nachts oder frühmorgens, Nachtschweiß, Fieber, eine schon festgestellte chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine zurückliegende Infektion, insbesondere des Darm- oder Harntraktes, sind weitere wichtige Anhaltspunkte.
Bei der körperlichen Untersuchung geht es um die Statik, das Körpergewicht, das Steh- und Gehvermögen, die Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule und hier eventuell vorhandene Klopfschmerzen. Im Fokus sind außerdem das Gangbild, die Länge beider Beine, Achsabweichungen wie zum Beispiel X- oder O-Beine, die Stellung und Ausrichtung des Beckens und seiner Eckpunkte. Alle Gelenke werden genau untersucht. Dabei geht es neben der Gelenkbeweglichkeit auch um äußerliche Veränderungen wie Schwellungen, Verformungen, Knoten oder Knötchen sowie Überwärmung und Rötung der Haut. Schwerpunktmäßig untersucht der Arzt bei Gesäß- und Kreuzschmerzen das Kreuz-Darmbein- und Hüftgelenk sowie die Lendenwirbelsäule. Im Blickpunkt sind außerdem die Muskeln: ihr Spannungszustand, die Symmetrie (also eventuelle Seitenunterschiede), Kraft und Reflexe sowie hier vorhandene Triggerpunkte oder tender points. Geprüft werden auch das Berührungs- und Schmerzempfinden sowie die Beschaffenheit der Haut.
Technische Verfahren wie Analysen des Blutes und weiterer Körperflüssigkeiten, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) und neurologische Untesuchungen sind meistens nur nötig, wenn der Arzt bei einem Krankheitsbild im weitesten Sinne einen organischen Hintergrund vermutet. Das gilt auch für mutmaßliche Erkrankungen des Knochen- oder Nervensystems. Die genannten Maßnahmen können die erste Verdachtsdiagnose eingrenzen und meist auch sichern.
Zuständige Ärzte (auch Operateure) sind in den Bereichen Orthopädie und Rheumatologie, sodann auf Gebieten wie innere Medizin, Dermatologie (Haut- und Geschlechtskrankheiten), Neurologie, Schmerztherapie und Psychosomatik tätig. Rheumatologen können sowohl Internisten als auch Orthopäden oder Kinder- und Jugendärzte sein.
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17.07.2009, aktualisiert am 14.05.2012
Bildnachweis: Corbis Images/RYF
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