Sie wollen nur ein Glas aus dem Schrank nehmen und schon zieht ein heftiger Schmerz durch die Schulter? Und beim flüchtigen Kopfumdrehen im Auto schmerzt der Nacken? Meist stecken Verspannungen hinter diesen Beschwerden. Fast jeder leidet mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen, zu denen auch Probleme im Schulter-Nacken-Bereich gehören. „Zunächst einmal muss zwischen akuten und wiederkehrenden Schmerzen unterschieden werden“, erklärt Dr. Stefan Sesar, Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin, manuelle Therapie und Akupunktur in Wasserburg am Inn.
Akute Nackenschmerzen
Durch Überlastung, etwa wenn zu schwer getragen wurde, durch eine falsche Bewegung, einen Sturz oder einen Sportunfall können akute Nackenschmerzen entstehen. Auch Verspannungen durch Windzug führen oft zu plötzlichen Nackenbeschwerden. Wer zum Beispiel mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause fährt und sich dabei nicht richtig gegen den kalten Luftzug schützt, wacht am nächsten Tag womöglich mit einem steifen Hals auf. Durch den Zug verspannt sich der Muskel – die mögliche Folge: unangenehme Nackenschmerzen.
Wer erstmals betroffen ist, sollte die Ursache lieber beim Arzt abklären lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Schmerzen stark sind, wenn weitere Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schwindel oder gar Lähmungen auftreten oder wenn ein Unfall vorausging. Handelt es sich tatsächlich "nur" um eine Verspannung, helfen oft schon einfache Maßnahmen.
Entspannung ist jetzt wichtig: Nehmen Sie ein heißes Bad oder legen Sie eine Wärmflasche oder eine Fango-Packung an die schmerzende Stelle. Oft lindert das die Beschwerden. Bessern sich die Schmerzen gar nicht, können zum Beispiel Orthopäde oder Physiotherapeut weiterhelfen. „Besteht das Problem über längere Zeit, laufen die Betroffenen Gefahr, dass die Nackenprobleme chronisch werden“, sagt Experte Sesar. Oft kommen dann auch Kopfschmerzen hinzu.
Übungen gegen Nackenverspannungen
Seitlich strecken
So geht es: Die rechte Hand auf die linke Schulter legen. Den Kopf nach rechts neigen. Jetzt die linke Seite ganz bewusst von der Schulter wegziehen. Die linke Schulter mit der rechten Hand nach unten drücken. Langsam bis 30 zählen. Kopf wieder aufrichten. Übung auf der anderen Seite wiederholen.
Das bringt es: Dehnt die seitlichen Halsmuskeln, mobilisiert die Wirbelsäule.
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Neigen und drehen
So geht es: Aufrecht sitzen, Blick nach vorne, die Schultern nach unten ziehen. Kopf nach rechts drehen. Zehn Sekunden halten, ein wenig weiter drehen, erneut zehn Sekunden halten. Zurück zur Mitte kommen und zur anderen Seite wiederholen. Jetzt den Kopf zur Mitte drehen, Kinn und linkes Schulterblatt nach unten ziehen, zu Boden schauen. Bis 30 zählen und lockern. Übungen auf der anderen Seite wiederholen. Nun den Kopf nach vorne neigen, das Kinn zur Vorderseite der rechten Schulter ziehen. Zur Schulter schauen. Bis 30 zählen. Übung auf der anderen Seite wiederholen.
Das bringt es: Dehnung im Nacken, die Verspannungen lösen sich.
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Schultern lockern
So geht es: Schultern mit dem Einatmen anheben. Beim Ausatmen mit einem langen Seufzer wieder absenken. Stellen Sie sich dabei vor, wie alle Verspannungen von Ihnen abfallen. Die Übung mindestens 5-mal wieder holen.
Das bringt es: Lockert die Muskulatur im Schulterbereich.
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Arme auseinanderziehen
So geht es: Die Finger vor dem Brustkorb wie Haken ineinanderlegen, die Schultern locker lassen. Jetzt die Schulterblätter auseinanderziehen. Dabei einen Rundrücken machen und nach unten schauen. Nun die Schulterblätter zusammendrücken. Aufrichten. Dabei schiebt sich das Brustbein nach vorne, den Kopf geradeaus richten. Übung 5- bis 8-mal fließend wiederholen, idealerweise mit geschlossenen Augen.
Das bringt es: Kräftigt Schultern und Nacken.
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Arme schwingen
So geht es: Aufrecht hinstellen, die Füße stehen hüftbreit auseinander. Die Arme locker von einer Seite auf die andere schwingen. Dabei den Schultergürtel nicht mitbewegen. Übung 10- bis 20- mal wiederholen.
Das bringt es: Lockert den gesamten Schulterbereich.
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Wiederkehrende Nackenschmerzen
Menschen ganz bestimmter Berufsgruppen – zum Beispiel Büroangestellte, LKW-Fahrer, Maler oder Laborarbeiter – haben oft mit wiederkehrenden Nackenschmerzen zu kämpfen. Sie sitzen lange vor dem Computer, fahren häufig Auto, arbeiten über Kopf oder in leicht gebückter Haltung. Die starre Körperhaltung über einen längeren Zeitraum macht ihnen zu schaffen: „Unser Kopf ist viel schwerer als uns bewusst ist. Er muss durch die Schulter-Nacken-Muskulatur gestützt und auf der Wirbelsäule gehalten werden“, erläutert Sesar. Wenn jemand stundenlang vor dem Computer sitzt und dabei den Kopf leicht nach vorne neigt, ist die Muskulatur rund um den Schultergürtel ständig angespannt. Eine enorme Belastung also.
„Ein Teufelskreis entsteht, wenn Dauerstress oder psychischer Druck hinzukommen“, erklärt Dr. Sesar. Stress an sich sei zwar keine Ursache für Nackenschmerzen, wer jedoch verlerne, sich vom Stress wieder zu lösen, verlerne auch, sich zu entspannen. „Die Muskeln werden somit nicht nur schlechter durchblutet, sie erholen sich auch deutlich langsamer“. Heiße Bäder, Fangopackungen und Tapes – spezielle Klebebänder aus der Apotheke, die man bis zu einer Woche tragen kann – helfen die schmerzende Stelle zu erwärmen und zu entspannen.
Bewegung in den Alltag bringen
Um Nackenbeschwerden vorzubeugen, ist es wichtig, auf die richtige Haltung zu achten. Die menschliche Wirbelsäule hat eine geschwungene Doppel-S-Form. Wird diese über eine längere Zeit nicht eingehalten, entstehen Rücken- und Nackenprobleme. „Der Arbeitsplatz sollte deswegen ergonomisch gestaltet werden", sagt Sesar. Versuchen Sie eine aufrechte Sitzhaltung einzunehmen, so dass die Doppel-S-Form der Wirbelsäule gewahrt wird. Stellen Sie die Füße hüftbreit auseinander mit den Fersen auf den Boden. Kippen Sie Ihr Becken leicht nach vorne und halten Sie den Oberkörper aufrecht. Wenn Sie nun noch die Schultern leicht nach hinten unten ziehen, haben Sie die optimale Sitzhaltung erreicht.
Moderne Bürostühle unterstützen diese Haltung durch ihre spezielle Konstruktion. „Das alles bringt jedoch nicht viel, wenn man zum Beispiel rechts vom Schreibtisch sitzt, der Bildschirm aber links im Eck und die Tastatur irgendwo dazwischen stehen“, ergänzt Sesar. Ebenso muss auf die richtige Sitz- und Bildschirmhöhe geachtet werden. Aber Vorsicht: Ohne Bewegung helfen all diese Tipps nichts. Denn wer stundenlang verkrampft in der optimalen Körperhaltung verharrt, riskiert letztlich ebenfalls Verspannungen. Der beste Tipp lautet daher: Werden Sie aktiv! Ändern Sie Ihre Sitzposition möglichst häufg ein bisschen, stehen Sie ab und zu mal auf, gehen Sie ein paar Schritte und strecken Sie sich. Auch zu empfehlen: Unsere Übungen (siehe oben). Dabei sollten Sie behutsam vorgehen und auf Ihren Körper hören. Vermeiden Sie vor allem ruckartige Bewegungen.
Windzug vermeiden!
Experte Sesar hat die Erfahrung gemacht, dass es auch viele Nackenschmerzen-Patienten gibt, die überempfindlich auf Windzug, Kälte und Wetterumschwünge reagieren: „Die meisten von ihnen klagen darüber, dass sie immer ein Halstuch oder einen Schal tragen müssen und nicht mit offenem Fenster Auto fahren oder schlafen können“. In diesen Fällen sei die Akupunktur eine schnelle und einfache Hilfe, ebenso Fango- und Wärmepackungen, die es gebrauchsfertig in der Apotheke gibt. Auch regelmäßige Saunagänge sind zu empfehlen, sofern der Arzt dafür grünes Licht gibt. „Sie entspannen die Muskeln und steigern die Abwehrkräfte“, weiß Sesar. Ebenso beugt wettergerechte Kleidung Nackenbeschwerden vor. Selbst wenn der Sommer dazu verleitet, bereits am Morgen mit leichter Kleidung aus dem Haus zu gehen, sollten sich empfindliche Menschen besser erst einmal warm anziehen.
Medikamente gegen Schmerzen
„Sowohl akute als auch chronische Nackenschmerzen sind fast immer mit einer leichten Entzündung im Muskel oder im Gelenk verbunden“, so Sesar. Entzündungshemmende Tabletten mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac eignen sich, um den Schmerz zu lindern. Arzt oder Apotheker beraten zu möglichen Nebenwirkungen und helfen bei der Auswahl geeigneter Präparate.
Bastian Fersch, Katja Töpfer / www.apotheken-umschau.de;
03.08.2011, aktualisiert am 03.08.2011
Bildnachweis: W&B/Martin Ley
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