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Psychosomatik: Der Einfluss der Psyche auf den Körper

Zwischen psychischen und körperlichen Beschwerden besteht manchmal ein enger Zusammenhang. Professor Wolfgang Senf erklärt ihn näher


Übermäßige Sorgen können den Körper krank machen

Das Wort Psychosomatik beinhaltet die Worte Psyche und Soma. Psyche kennen wir auch im Deutschen, das Wort steht für Seele. Soma kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Körper. Die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist ein Fachgebiet in der Medizin, bei dem sich die Ärzte mit dem Zusammenhang der seelischen und körperlichen Zustände oder Erkrankungen des Patienten beschäftigen. Neben allen anderen medizinisch notwendigen Therapien ist auch die Psychotherapie eine wichtige Behandlungsmethode.

"Körperliche und seelische Leiden beeinflussen sich gegenseitig", erklärt Professor Wolfgang Senf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Eine körperliche Erkrankung hat manchmal auch seelische und soziale Folgen. Zum Beispiel kann eine Krebsdiagnose schwere psychische Beeinträchtigungen bis hin zu einer Depression nach sich ziehen.


Auf der anderen Seite können sich aber auch innerpsychische unbewusste Konflikte als Krankheit manifestieren. Dauerhafter Stress kann ein Magengeschwür begünstigen oder ständige Ängste einen Schub einer chronischen Darmerkrankung begünstigen. Zu den  Erkrankungen, bei denen die Psyche eine wichtige Rolle spielt, zählen auch Essstörungen, wie Magersucht und Bulimie sowie Schmerzsyndrome.

"Die Auswirkung der Psyche auf den Körper ist enorm", erklärt Senf. Aber er warnt auch vor einer unkritischen Betrachtung: "Krebs entsteht nicht durch psychische Auslöser! Diesen Gedanken müssen wir ein für allemal loswerden."

Ein gutes Beispiel für eine Krankheit, bei der die Psyche eine Rolle spielt, ist Neurodermitis. Eine erbliche Veranlagung begünstigt die Entstehung der Krankheit, aber der Ausbruch oder die Intensität eines Schubs sind oft seelisch bedingt. Laut Senf tritt Neurodermitis oft in Umbruchsituationen im Leben erstmals auf: "Beispielsweise wenn das erste Geschwisterchen kommt oder nach dem Abitur auf der Schwelle zum Erwachsenenleben".

Schmerzen ohne körperliche Ursache

Manchmal klagen Patienten auch über starke Schmerzen, für die der Arzt keine körperliche Ursache entdecken kann. "Es gibt eine objektive und eine subjektive Realität", erklärt Senf. "Auch wenn die Schmerzen psychischen Ursprungs sind, so leidet der Mensch nicht weniger stark, als wenn es eine organische Erklärung gäbe." Es ist wichtig, das Leiden dieser Menschen genauso ernst zu nehmen wie bei einem Patienten mit einem gebrochenen Bein. Die Aussage "Sie haben nichts, das ist psychisch" bringt niemanden weiter. Die Behandlung setzt der Arzt dann meist sowohl auf seelischer, als auch auf körperlicher Ebene an.

Die Herausforderung in der Psychosomatischen Medizin besteht darin zu erkennen, wo der Ursprung eines Leidens tatsächlich ist und wo die Behandlung ansetzen muss, um dem Patienten weiterzuhelfen. Die Fachärzte betrachten ihren Patienten ganzheitlich. Wann steckt ein körperliches Leiden dahinter, wann ist der Auslöser seelischer Natur oder spielt beides eine Rolle? "Für diese Differenzierung braucht man immer einen Spezialisten", so Senf. Für die richtige Diagnose beziehen Ärzte auch soziale und sozioökonomische Gesichtspunkte wie Stress oder die familiäre Situation des Patienten mit ein.

Unser Experte:


Professor Wolfgang Senf ist Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Duisburg-Essen und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie in Berlin.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 30.08.2011, aktualisiert am 17.04.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, Thinkstock/Goodshot

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