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Milcheiweiß-Allergie, was ist das?

Bei Kindern verliert sich eine Kuhmilchallergie oft, Erwachsene müssen dauerhaft ihre Ernährung umstellen


Milch, Joghurt, Sahne und Co. können Allergikern ganz schöne Bauchschmerzen bereiten

Probleme mit der Verdauung hatte Peter L. nie gehabt. Als ihn jedoch wochenlang Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfälle plagten, machte er sich Sorgen. Hatte er etwas Falsches gegessen? Über einen so langen Zeitraum? Der 39-Jährige begann, Buch über seinen Speiseplan zu führen, und nach ein paar Tagen kam ihm ein Verdacht: Milch war der Grund für seine Beschwerden.

„Meine Frau tippte gleich auf eine Milchzucker-Unverträglichkeit und sagte, das hätten viele Menschen“, erzählt der Lehrer aus Hamburg. Bei dieser Enzymstörung, die auch als Laktose-Intoleranz bezeichnet wird, kann der Körper Milchzucker nicht spalten.

Peter L. ging zum Arzt, der mit einem Atemtest nach Anzeichen der Unverträglichkeit suchte – mit negativem Ergebnis. „Er vermutete dann eine Kuhmilchallergie, aber das wollte ich nicht glauben“, sagt Peter L.. „Das kennt man doch nur von Babys und Kleinkindern.“

Immunsystem reagiert zu stark

Eine Kuhmilchallergie trifft tatsächlich nur selten Erwachsene. Viel öfter leiden Säuglinge daran, denn Kuhmilch ist der erste fremde Stoff, mit dem sich ihr junges Immunsystem auseinandersetzen muss. Doch die meisten Kleinen haben Glück: „80 bis 90 Prozent der Kinder sind die Allergie bis zum ersten Schultag wieder los“, sagt Dr. Imke Reese, Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Diätetik in der Allergologie“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Entwickelt der Körper eine Allergie, hält das Immunsystem eine harmlose Substanz aus der Umwelt für gefährlich und antwortet mit einer allergischen Reaktion: Die Haut juckt, rötet sich, bildet Pusteln, oder die Nase läuft. Bei einer Kuhmilchallergie sind die Beschwerden allerdings weniger eindeutig. „Sie reichen von sofortigen Symptomen wie Erbrechen bis zur Verschlechterung bestehender Hautekzeme“, sagt Reese. Manchmal leiden nur Magen und Darm. Dann treten Blähungen, Bauchschmerzen und -krämpfe und auch Durchfall auf.

Verschiedene Eiweißbestandteile der Kuhmilch können Allergien auslösen. Die meisten Betroffenen reagieren auf das Kasein. Herauszufinden, welches Eiweiß die allergische Reaktion auslöst, ist möglich, aber selten sinnvoll, denn in der Regel werden mehrere Eiweißstrukturen vom Immunsystem als Allergene erkannt.

Nachdem der Arzt von Peter L. eine Milchzucker-Unverträglichkeit ausgeschlossen hatte, musste sich sein Patient noch genauer beobachten: Waren die Symptome immer gleich, oder veränderten sie sich? Traten sie sofort nach dem Verzehr von Milchprodukten auf oder erst viel später?

Blut- und Allergietests folgten, schließlich musste Peter L. einige Tage lang ganz auf Milch verzichten – und sie dann unter ärztlicher Aufsicht wieder zu sich nehmen. Prompt traten die Beschwerden erneut auf, und die Diagnose lautete eindeutig: Milcheiweißallergie. Es ist unwahrscheinlich, dass sie wieder verschwindet. Kuhmilch ist seither für den Lehrer tabu – und nicht nur sie.

„Auch andere Tiermilch habe ich ausprobiert, aber ebenfalls nicht vertragen“, erzählt Peter L.. Die Milch von Schafen, Ziegen oder Stuten enthält wie die von Kühen Kasein, gegen das viele Betroffene sensibilisiert sind. Auf Käse verzichtet Peter L. deshalb ebenfalls. Kasein ist zudem hitzestabil und verliert seine Wirkung nicht durch Kochen.

Alternative Kalziumlieferanten

Reagiert ein Allergiker nur auf Molkeneiweiß, nach dem Kasein der zweitgrößte Eiweißanteil der Kuhmilch, kann er auf andere Tiermilch ausweichen und erhitzte Milchprodukte zu sich nehmen. Was vertragen wird und was nicht, sollten Betroffene unter Aufsicht eines Arztes oder Ernährungsberaters ausprobieren. Gleiches gilt für Joghurt, Buttermilch und Quark. Butter können dagegen viele Allergiker zu sich nehmen, da sie sehr wenig Eiweiß enthält.

Doch auch Peter L. fand Alternativen, etwa Soja-, Reis oder Hafermilch. Diese sind häufig mit Kalzium angereichert – dem wichtigsten Nährstoff gegen Knochenabbau. Die Ernährungsberaterin Dr. Monika Endermann aus Blaubeuren weiß zudem: „Auch angereicherte Fruchtsäfte und Mineralwässer liefern Kalzium, ebenso Gemüse wie Brokkoli, Fenchel, Grünkohl oder Lauch.“

Kuhmilchallergiker sollten zudem frische Produkte bevorzugen, weil Fertiggerichte oder Süssigkeiten oft Milcheiweiß enthalten. Die Hersteller sind aber verpflichtet, dies auf der Packung zu vermerken. Peter L. schaut daher genau hin. Seine Beschwerden hat er nun im Griff.


Tipp:

Laut EU-Richtlinie müssen alle verpackten Lebensmittel, die Milch- oder Milcherzeugnisse enthalten, gekennzeichnet werden. Kuhmilchallergiker sollten diese Stoffe meiden: Molkenprotein, Kasein, Kaseinate, Milchpulver, Magermilchpulver, Milcheiweiß, Lactalbumin und Lactoglobulin. Bei unverpackten Waren, zum Beispiel vom Bäcker, besser nachfragen oder die Zutatenliste verlangen.


Nadja Katzenberger / Apotheken Umschau; 26.07.2010, aktualisiert am 09.05.2011
Bildnachweis: W&B/Michael Schwerberger

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