Nagelpilz beginnt meist eher unauffällig: Eine kleine Stelle des Nagels – meist am vorderen Rand, wo man den Nagel schneidet – verfärbt sich weißlich, gelblich oder bräunlich. "Behandelt man den Pilz nicht, breitet er sich über den gesamten Nagel aus und geht mit der Zeit auch auf die anderen Nägel über", erklärt Dr. Heiko Grimme, Dermatologe und einer der leitenden Ärzte des Hautzentrum am Kurpark in Stuttgart. Wie man dem Nagelpilz erfolgreich zu Leibe rückt, erklärt er in unserem Interview.
Herr Grimme, wo läuft man besonders Gefahr, sich mit einem Pilz zu infizieren?
Meist steckt man sich über die Füße an. Das kann im Hallenbad passieren, in der Sauna, im Fitnessstudio, im Hotel oder über Schuhe, die vorher jemand anprobiert hat, der Nagelpilz hatte.
Wie erkennt man, dass man sich einen Nagelpilz eingefangen hat?
Verdächtig sind immer Verfärbungen des Nagels. Da aber andere Erkrankungen ähnliche Symptome haben, beispielsweise die Schuppenflechte, kann nur der Hautarzt mit Sicherheit sagen, dass es sich um einen Nagelpilz handelt. Für die Diagnose wird ein Abstrich vom Nagel gemacht. Meist sind die Pilzsporen bereits unter dem Mikroskop sichtbar. Falls nicht, wird eine Kultur angelegt. Wächst in der Petrischale dann der Pilz heran, wissen wir, worum es sich handelt.
Nagelpilz ist extrem hartnäckig. Warum?
Zum einen ist der Pilz recht widerstandsfähig. Zum anderen bewegt er sich inner- oder unterhalb des Nagels, also zwischen Nagelbett und -platte. Man kommt daher einfach schlecht an ihn ran, vor allem mit speziellen pilzabtötenden Nagellacken. Diese Behandlung klappt nur, wenn der Nagel noch nicht so stark befallen ist. Ist der Nagel bereits sehr dick und hat viele Hohlräume, hilft ein Lack meist nicht mehr. Denn dann sitzt der Pilz vor allem in den Hohlräumen. Die lassen sich mit einem Nagellack nicht erreichen. In diesem Fall helfen nur spezielle Tabletten gegen Pilze.
Was können Patienten bei der Therapie falsch machen?
Die größten Fehler sind, die Behandlung zu früh abzubrechen oder nicht konsequent genug zu verfolgen. Wer etwa den Lack nicht oft genug aufträgt, kann es gleich bleiben lassen. Eine halbherzige Therapie bringt überhaupt nichts!
Mit wie viel Zeit sollte man für die Therapie rechnen?
Mindestens mit so viel Zeit, die der Nagel braucht, um einmal ganz herauszuwachsen. Ist zum Beispiel der gesamte Nagel der großen Zehe betroffen, dauert die Behandlung mindestens neun bis zwölf Monate. Sind die Nägel schon sehr dick, ist ergänzend zur Therapie eine medizinische Fußpflege sinnvoll, da die Pilze in den Hohlräumen unter Umständen überleben und sich dann wieder ausbreiten können. Der Podologe fräst und schleift den Nagel dann so dünn wie möglich.
Neun bis zwölf Monate sind eine lange Zeit. Muss man auch die Tabletten so lange nehmen?
Nein, die Tabletten müssen nicht so lange eingenommen werden. Allerdings ist die Einnahme über einen Zeitraum von drei Monaten fast das Minimum. Das muss jedoch mit dem behandelnden Arzt individuell abgewogen werden.
Was raten Sie Betroffenen?
Schneiden Sie die Nägel möglichst kurz. Verwenden Sie die Lacke, bis der Nagel wieder vollkommen gesund aussieht, und noch ein paar Wochen darüber hinaus – für den Fall, dass man kleine Spuren übersehen hat. Waschen Sie Ihre Socken bei 60 Grad und desinfizieren Sie Ihre Schuhe. So können Sie eine Neuansteckung verhindern. Tragen Sie in Hotel, Sauna oder Schwimmbad Badelatschen und trocknen Sie Ihre Füße zum Schluss stets gründlich ab. Pilze lieben feucht-warmes Klima. Ganz wichtig: Verwenden Sie für die Füße oder Hände – je nachdem, wo Sie den Nagelpilz haben – ein extra Handtuch. Denn trocknen Sie sich überall mit dem gleichen Handtuch ab, können Sie auch an anderen Stellen einen Pilz bekommen, etwa im Gesicht.
Vanessa von Blumenstein-Langer / www.apotheken-umschau.de;
16.09.2010
Bildnachweis: Panthermedia/Andrea Kuebler
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung