Am Samstag hat sich vor laufenden Kameras in der Familien-Sendung "Wetten, dass ... ?" ein schwerer Unfall ereignet. Wettkandidat Samuel K. wollte mit Hilfe von zwei Sprungfedern über mehrere heranfahrende Autos springen. Nach zwei gestandenen Versuchen streift der Stuntman beim dritten Sprung den Wagen. Er verliert das Gleichgewicht und schlägt mit voller Wucht auf den Boden. Dort bleibt er reglos liegen.
Nach einigen Sekunden sind Ärzte vor Ort und behandeln den Verunglückten. Kurz darauf beruhigt Moderator Thomas Gottschalk sein Publikum: "Er ist ansprechbar, er spürt seine Beine". Die Sendung wird abgebrochen und Samuel K. in die Uni-Klinik Düsseldorf gebracht. Entgegen der anfänglichen Hoffnung ist der Zustand des jungen Mannes jedoch "äußerst kritisch". Das jedenfalls melden die behandelnden Ärzte im Rahmen einer Pressekonferenz.
Am Sonntagmorgen soll sich das Befinden des Patienten verschlechtert haben, Samuel K. musste notoperiert werden. Dann versetzten die Mediziner den Unglückskandidaten in ein künstliches Koma. Warum machen Mediziner das eigentlich? Kann der Patient so schneller genesen? Wir haben mit Dr. Oliver Detsch gesprochen, Anästhesist und Intensivmediziner sowie Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Nord in Hamburg.
Was ist überhaupt ein künstliches Koma?
Der Begriff ist irreführend. Ein echtes Koma ist ein pathologischer Zustand, also ein nicht-gesunder Zustand. Das künstliche Koma ist eine leichte Dauer-Betäubung, die Ärzte mit Hilfe von intravenösen Anästhetika herbeiführen. Mediziner nennen diesen Zustand "Analgosedierung".
Wann kommt die Behandlung zum Einsatz?
Das "künstliche Koma" schützt den Betroffenen vor Schmerzen und dämpft sein Bewusstsein. Der Einsatz kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen, wenn die Ärzte den Patienten beatmen müssen. Zum anderen, wenn sie ihn von sehr starken, lange andauernden Schmerzen befreien wollen. Oder auch, wenn der Patient regelmäßig operiert werden muss.
Was bringt die Bewusstseinsdämpfung?
Dieser Zustand gibt dem Gehirn Zeit, sich selber zu regenerieren. Beispielsweise nach einem Unfall oder einer Hirnblutung. Ohne die Analgosedierung bekommt das Hirn sonst nach dem ersten Schlag, der die Verletzung ausgelöst hat, noch einen zweiten durch eine Reihe von Folgeschäden, die sich im Nachhinein ereignen.
Haben Sie eine Vermutung, weshalb der Wettkandidat in das künstliche Koma versetzt wurde?
Nein, dafür habe ich nicht genügend Informationen. Ich möchte nicht spekulieren.
Die Rede ist unter anderem von Verletzungen im Halswirbelsäulenbereich. Müssen Patienten mit derartigen Beschwerden oft analgosediert werden?
Dieser Bereich verbindet Hirn und Körper. Er ist besonders sensibel und die Dauer-Betäubung kann die Wahrscheinlichkeit verbessern, dass Schwellungen oder Schäden in diesem Bereich abheilen können. Und zwar ohne dass Husten, Pressen oder Bewegungen den Prozess stören.
Verursacht die Analgosedierung Langzeitschäden?
Nein. Die Betäubung kann zwar Nebenwirkungen haben und nach dem Absetzen treten oft Entzugserscheinungen auf, aber die Behandlung selber hat keine Langzeitfolgen. Die Verletzungen, die das künstliche Koma notwendig gemacht haben, können natürlich zu Problemen oder Behinderungen führen.
Wie weckt man einen Patienten aus dem künstlichen Koma?
Indem die Ärzte die Schlafmittel und Schmerzmittel absetzen. Die Analgosedierung kann aber ohne Bedenken recht lange aufrecht erhalten werden. Über die Dosis steigert der Intensivmediziner die Tiefe des "Schlafes".
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
06.12.2010, aktualisiert am 06.12.2010
Bildnachweis: Fotolia/Stephan Morrosch/2010
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