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Schwellung am Hals
Speicheldrüsen – Mumps & Co.

Die paarigen Speicheldrüsen am Ohr, unter der Zunge und am Unterkiefer sind die größten Speichelproduzenten und werden am häufigsten von Krankheitserregern befallen


Erst ist eine Backe dick, dann die andere: So läuft es bei Mumps

Wer hätte das gedacht: Tagtäglich produzieren wir gut und gerne eineinhalb Liter Speichel. Je nach den Delikatessen, die uns verführen und die wir uns prompt auf der Zunge zergehen lassen, ist es mal etwas mehr und mal etwas weniger. Neben den Ohrspeicheldrüsen leisten bis zu dreihundert kleinere Speicheldrüsen an den Lippen, in der Wangenschleimhaut und im Rachen einen wichtigen Beitrag zur Speichelbildung im Mund. 

Speicheldrüsenentzündungen

Schwellungen am Ohr und unterhalb davon, am Hals, unter dem Kinn und Unterkiefer beruhen nicht selten auf einer Entzündung von Speicheldrüsen (Sialoadenitis). Entzündungen der Speicheldrüsen entstehen durch Viren und Bakterien oder "steril", also ohne Krankheitserreger, im Rahmen anderer Erkrankungen.


Die bekannteste Speicheldrüse ist zweifellos die zuvor schon erwähnte Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis, kurz: Parotis), und die bekannteste Form der Ohrspeicheldrüsenentzündung sicherlich Mumps (Ziegenpeter, Parotitis epidemica). Diese Erkrankung wird durch sogenannte Paramyxoviren verursacht. Dank der Impfung ist die Infektion bei Kindern deutlich zurückgegangen. Heute erkranken häufiger nicht immune Erwachsene an der Tröpfcheninfektion.

Symptome: Durch Viren akut entzündete Speicheldrüsen sind druckschmerzhaft oder schmerzen auch spontan. Es kann zu erhöhter Körpertemperatur oder Fieber kommen. Bei Mumps entzündet sich zunächst eine, dann auch die andere Speicheldrüse, eventuell sogar die Bauchspeicheldrüse. Bei ausgeprägtem Mumps kann die Schwellung so stark sein, dass sich die Ohrläppchen abheben. Manchmal ist dieser Umstand schwer von dem (oder den) gleichzeitig geschwollenen, dahinter liegenden Nackenlymphknoten unterscheidbar.
Auch andere Virusarten, etwa das Epstein-Barr-Virus, das Zytomegalie-Virus (siehe auch Lymphknoten am Hals), das Influenza- und Parainfluenza-Virus (Grippe-Viren) haben einen gewissen „Hang“ zu den Speicheldrüsen. Bei einer entsprechenden Infektion, die sich oft als Atemwegerkrankung zeigt, kann es ebenfalls zu beidseitigen Entzündungen mit Schwellung und Schmerzen der Drüsen und vergrößerten Halslymphknoten kommen.

Da der Ausgang der Ohrspeicheldrüse in der Mundhöhle liegt, können theoretisch auch leicht Bakterien in die (Haupt-)Drüse gelangen. Dies kommt in erster Linie bei gebrechlichen Menschen vor, die keinen Appetit haben und daher weniger Speichel bilden, oder auch bei Alkoholmissbrauch. Bakterielle Entzündungen der Speicheldrüsen werden also begünstigt, wenn die Speicheldrüsen zu wenig zu tun haben. Relevante Erreger sind hier vor allem Staphylokokken und Streptokokken. Außerdem können Infektionen leichter entstehen, wenn der Speichel nicht abfließen kann, zum Beispiel wegen eines Steinchens im Drüsenausgang.

Symptome: Eine bakteriell bedingte entzündliche Schwellung zeigt sich ein- oder beidseitig. Bei akuter Infektion ist die Drüse unter dem Kiefer geschwollen, druckschmerzhaft, und die Haut darüber gerötet. Eventuell läuft spontan, häufig aber auf äußeren Tastdruck hin Eiter in den Mund. Das Ohrläppchen kann ebenfalls abstehen, und es kann zur Kieferklemme und Lidschwellung kommen (siehe auch Kapitel „Abszesse“).
Die Entzündung kann auch chronisch werden. Dann verläuft sie weniger ausgeprägt, oft intervallartig, und ohne Fieber. Aber auch in diesem Fall zeigen sich eine Schwellung und Rötung.

Diagnose: Sie ergibt sich klinisch anhand der Symptome. Ein Abstrich aus dem Drüsenausgang mit Keimuntersuchung gibt Auskunft über den verantwortlichen Erreger. Eine Ultraschalluntersuchung der Speicheldrüse lässt eventuelle Speichelsteine, einen Sekretstau oder einen beginnenden Abszess erkennen. Gegebenenfalls kontrolliert der Arzt die Situation mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie.

Therapie: Bei Virusinfektionen symptomatisch. Schmerzlinderung verschafft ein entzündungshemmendes Medikament oder ein Schmerzmittel. Bei bakterieller Infektion antibiotische Behandlung, nicht zuletzt um Komplikationen wie einen Abszess oder eine chronisch wiederkehrende Infektion zu verhindern. Diese hat eine verminderte Speichelbildung und Mundtrockenheit zur Folge. Steine im Ausgang der Speicheldrüse können eine chronische Infektion begünstigen und müssen daher ausgeschlossen werden (siehe unten). Lutschen von sauren Bonbons oder Kauen von Kaugummis regt die Bildung von Speichel an. Dieser und viel Trinken haben einen gewissen Spüleffekt, der die Genesung unterstützt.


Speichelsteine

Schmerzhafte Schwellungen sind auch möglich, wenn der Ausgang durch Speichelsteine (Sialolithiasis) verlegt ist. Dies betrifft öfter eine der beiden Unterkieferspeicheldrüsen. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen, oft vor dem 40. Lebensjahr. Ursache ist meist eine veränderte Zusammensetzung des Drüsensekretes.

Symptome: Bei Teilverschluss des Ganges schwillt die betroffene Drüse, die wie alle größeren Speicheldrüsen stoßweise („pulsatil“) auf den Essensreiz mit verstärkter Speichelbildung reagiert, bei jedem Bissen schmerzhaft an. Danach lassen Schmerzen und Schwellung etwas nach. Ist der Drüsengang vollständig verlegt, halten Schwellung und Schmerzen auch ohne Nahrungsreiz an.

Diagnose: Der Arzt stellt sie aufgrund der richtungweisenden Symptome klinisch. Steine im Gang der Unterkieferspeicheldrüse kann der Arzt manchmal auch tasten. Ein bildgebendes Verfahren wie zum Beispiel Ultraschall kann typische „Steinzeichen“ aufzeigen. In einigen Fällen kann auch die Röntgendarstellung des Ganges (Sialografie) sinnvoll sein, nachdem die Entzündung abgeklungen ist.

Therapie: Insbesondere im Hinblick auf die entzündete Ohrspeicheldrüse heißt die Devise: entzündungshemmende Mittel, künstlicher Speichelersatz, viel trinken. Die Speichelbildung kann außerdem medikamentös angeregt werden. Örtliche Massage und Wärme helfen zusätzlich die krampfartigen Beschwerden lindern. Außerdem verstärken sie die Speichelbildung. Alles, was sonst noch in dieser Richtung wohltuend wirkt, ist willkommen (siehe oben), etwa saure Bonbons und Kaugummi. So lassen sich kleinste Steinchen, die nicht sehr weit innen im Gang liegen, eventuell in Eigenegie herausbefördern. Ansonsten wird der Übeltäter operativ über einen kleinen Schnitt beseitigt. Wenn die Drüse gleichzeitig chronisch entzündet ist, wird sie komplett entfernt (dies gilt vor allem für die Unterkieferspeicheldrüse).

Ausgang blockiert: Stenose, Tumor

Hinter einem Speichelstau und der damit verbundenen Schwellung kann außer einem Steinchen auch eine Verengung des Ganges (Stenose), zum Beispiel durch Narben bei chronischer Entzündung, oder eine Geschwulst (Tumor) stecken. Falls eine antibiotische Behandung nach kurzer Zeit nicht anschlägt, sollte genauer nach der Ursache geschaut werden. Dazu setzt der Arzt Ultraschall, eine Röntgenuntersuchung des Speicheldrüsengangs mit Kontrastmittel (Sialografie) oder eine Computertomografie bzw. Magnetresonanztomografie ein. Das weitere Vorgehen hängt dann von der genauen Diagnose ab.

Tumoren der Speicheldrüse, meist der Ohrspeicheldrüse, treten einseitig auf. Gutartige Tumoren (Adenom, Zystadenolymphom, sogenannter Speicheldrüsenmischtumor mit Bildung kleiner Zysten) überwiegen. Sie wachsen langsam und treten als schmerzlose Schwellung in Erscheinung. Allerdings neigen sie dazu, nach unvollständiger Entfernung wiederzukehren. Mitunter können sie später auch einmal bösartig werden. Bösartige Tumoren entstehen relativ rasch und fühlen sich derb an. Sie können in der Drüse verlaufenden Äste des Gesichtsnervs beeinträchtigen, sodass Lähmungen im Gesicht möglich sind. Die zuständigen Lymphknoten liegen im seitlichen Halsbereich (oberflächlich und in der Tiefe). Je nach Geschwulstart können sie mit anschwellen.

Therapie: Im Falle eines gutartigen Tumors der Ohrspeicheldrüse werden die Geschwulst oder der betroffenen Drüsenanteile operative entfernt. Der Operateur versucht dabei, wenn irgend möglich, die Fasern des Gesichtsnervs zu schonen. Andere betroffene Speicheldrüsen werden komplett eliminiert. Bei bösartigen Tumoren müssen außer der Drüse eventuell auch Hals-Lymphknoten und Halsweichteile entfernt werden. Erhalten gebliebene einzelne Nervenäste, obwohl nur millimeterdünn, können neu angeschlossen werden. Anschließend erfolgt teilweise eine Strahlentherapie. Sie kann manchmal auch an die Stelle der Operation treten.

Schwellungen der Speicheldrüsen bei anderen Erkrankungen

Gelegentlich kommen Parotisschwellungen auch bei Non-Hodgkin-Lymphomen (siehe auch Beitrag Lymphknoten am Hals) – bestimmten bösartigen Erkrankungen des Lymphgewebes – vor. Denn die Ohrspeicheldrüse beherbergt auch lymphatische Zellen.

Nicht zuletzt zeigen sich bei Krankheitsbildern, die durch Störungen des Immunsystems bedingt sind wie beispielsweise das Sjögren-Syndrom, auf beiden Seiten geschwollene Ohrspeicheldrüsen. Außerdem kommt es hier zu ständiger Mundtrockenheit, roten, trockenen Augen mit einer Tränendrüsen- und Augenentzündung (Binde- und Hornhautentzündung, Keratokonjunktivitis sicca genannt) sowie zu Gelenkentzündungen. Betroffen sind überwiegend Frauen im mittleren Lebensalter.

Eine Parotitis kann auch im Rahmen der Sarkoidose auftreten. Die Sarkoidose ist eine Systemerkrankung, bei der es zur Bildung von Knötchen in der Haut, in den Lungen und anderen Organen sowie in den Lymphknoten kommt. Eine Sonderform ist das Heerfordt-Syndrom: Parotitis bei Sarkoidose mit einer Augenentzündung in Form einer Entzündung der Regenbogenhaut und des Ziliarkörpers (Uveitis) sowie einer Lähmung des Gesichtnervs (Symptome beidseits).

Beidseitige schmerzlose Schwellungen der Speicheldrüsen (Sialadenosen, meistens geht es hier um die Ohrspeicheldrüsen) können zudem Folge eines Diabetes mellitus, der (alkoholischen) Leberzirrhose und Nebenwirkung einiger Medikamente, darunter Psychopharmaka, sein.



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www.apotheken-umschau.de; 19.05.2009, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

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