Schilddrüsenprobleme
Eine Vergrößerung, Schwellung oder Knotenbildung der Schilddrüse heißt Kropf oder Struma. Dabei kann der Hals anschwellen. Eine wichtige Rolle beim Kropf spielt Jodmangel. Er führt zunächst zu einer eher gleichmäßigen Zellvermehrung und damit gleichförmigen Vergrößerung der Schilddrüse (Jodmangelstruma). Mit der Zeit können sich auch Knoten bilden. Dann spricht der Arzt vom Knotenkropf. Ein Kropf kann mit Funktionsstörungen wie Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion verbunden sein. Daneben ist manchmal eine Entzündung oder immunologische Erkrankung im Spiel.
Bei einer Schilddrüsenentzündung vom Typ „subakut de Quervain“ (subakut bedeutet: mäßig akut) ist ein mehr oder weniger deutlicher Kropf am Hals vorhanden. Als Auslöser kommen Viren in Betracht. Manchmal tritt das Krankheitsbild nach einer Entbindung auf.
Weitere Symptome bei einer Schilddrüsenentzündung: Die Drüse schmerzt, ist auch beim Berühren schmerzhaft und kann verhärtet sein. Die Schmerzen, manchmal wegen des begleitenden Fiebers als Halsschmerzen fehlgedeutet, können bis zum Ohr und in den Kiefer, in den Hinterkopf oder sogar in die Schulter ausstrahlen und sehr wechselhaft sein.
Bei einer eitrigen Schilddrüsenentzündung ist nicht nur die Schilddrüse selbst vergrößert. Auch Lymphknoten am Hals sind mitbetroffen, und der Hals ist dementsprechend geschwollen. Dann liegen gleich zwei Gründe für einen „dicken Hals“ vor.
Symptome in diesem Fall: Die Erkrankten haben Fieber, die Schilddrüse schmerzt und kann Schluckbeschwerden verursachen. Am Hals über der Drüse ist die Haut oft gerötet.
Die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Entzündung durch eine Immunstörung (Autoimmunerkrankung), ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Schilddrüse allmählich verhärtet. Der Kropf ist unterschiedlich ausgeprägt.
Zusätzliche Symptome hier: Das Organ schmerzt nicht, kann aber zu einer Bindegewebsverhärtung auch in der Umgebung führen und dadurch Luftröhre, Speiseröhre oder Gefäße beeinträchtigen (siehe auch Kapitel "Halsvenenstauung").
Andererseits kann die Drüse im Laufe der Zeit schrumpfen. Als Folge der häufig auftretenden Unterfunktion sind zahlreiche weitere Symptome möglich, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann.
Beim Morbus Basedow liegt eine immunologisch bedingte Überfunktion der Schilddrüse vor, sie ist erheblich vergößert. Bei einem Teil der Patienten kommt es dabei zu einer sogenannten endokrinen Orbitopathie.
Symptome hier: Durch Bindegewebsveränderungen in der Augenhöhle und in den Augenmuskeln treten die Augäpfel mehr oder weniger deutlich hervor. Es kommt zu einem Fremdkörpergefühl in den Augen, die Augenpartien schwellen an, es entwickeln sich rote (trockene) Augen, Sehstörungen, Herzbeschwerden. Lymphknoten am Hals können anschwellen.
Andere Ursachen für eine Vergrößerung oder einen Knoten der Schilddrüse sind verschiedenste Schilddrüsengeschwülste (Tumoren): gutartige (Adenome) und bösartige. Die gutartigen Adenome können manchmal die Kontrolle über die Schilddrüse übernehmen und selbständig (autonom) arbeiten.
Zysten, also flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gewebe, oder eine Erkrankung des Lymphsystems (siehe Beitrag Lymphknoten am Hals) sind weitere mögliche Ursachen für Schwellungen in der Halsregion.
Achtung: Schilddrüsenerkrankungen gehen nicht automatisch mit einer sichtbaren Schwellung, also einem Kropf, einher. Manchmal spüren die Betroffenen nur ein unbestimmtes Druck- oder Kloßgefühl im Hals oder stellen fest, dass ein Kragen zu eng geworden ist. Alles in allem können Schilddrüsenerkrankungen zu vielfältigen Krankheitszeichen und dadurch Verwechslungen mit anderen Erkrankungen führen. So ergeben sich zum Beispiel oft Störungen der Verdauung, Veränderungen des Körpergewichts und des Temperatursinnes, der Muskeltätigkeit, der Augen und Nerven oder sogar psychische Auffälligkeiten.
Diagnose: Der Arzt dokumentiert zunächst die Krankengeschichte und das Beschwerdebild – Schilddrüsenerkrankungen bringen, wie gesagt, die unterschiedlichsten Krankheitszeichen mit sich. Einen wichtigen Beitrag zur Diagnose leistet der Tastbefund der Schilddrüse und der zugehörigen Lymphknotenregionen über den Schlüsselbeinen und am Hals. Apparative Untersuchungen umfassen Ultraschall, Szintigramm, Gewebeproben (zum Beispiel eine Feinnadelbiopsie). Blutanalysen zielen auf Schilddrüsenhormone wie T3, T4, TSH, Kalzitonin, den Eiweißstoff Thyreoglobulin und Schilddrüsenantikörper. Mitunter werden auch genetische Untersuchungen angeraten. Diese beziehen sich zum Beispiel auf das erbliche MEN-2-Syndrom, bei dem ein Schilddrüsenkrebs namens medulläres C-Zell-Karzinom entstehen kann. Die Gendiagnostik ist insofern von Bedeutung, als diese Krebsform bei frühestmöglicher Diagnose im Kindesalter (die Erkrankung kann sogar schon im ersten Lebensjahr auftreten!) heilbar ist, wenn die Schilddrüse komplett entfernt wird. Daher wird Erkrankten, bei denen eine entsprechende Genveränderung (Mutation) festgestellt wurde, empfohlen, auf eine genetische Untersuchung der anderen verwanden Familienmitglieder hinzuwirken (familiäres Screening).
Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose. Sie erfolgt zum Beispiel mit Jod oder Schilddrüsenhormon kombiniert mit Jod bei der Jodmangelstruma. Schilddrüsenhormon kann auch einen Knotenkropf mit normaler Funktionslage bessern. Ansonsten wird eine Radiojodtherapie oder Operation empfohlen. Schilddrüsenblocker (Thyreostatika, oft kombiniert mit Betablockern, um Begleitbeschwerden wie zum Beispiel Herzjagen zu dämpfen) oder eine Radiojodtherapie werden bei Überfunktion im Zuge der Basedow-Krankheit, eines Knotenkropfes oder überaktiver einzelner Geschwülste (Adenome) der Schilddrüse eingesetzt. Alternativ kommt in den genannten Fällen die Operation infrage.
Die Behandlung einer Schilddrüsenentzündung richtet sich nach der Ursache, teilweise auch nach der Funktionslage der Drüse. Bei einer subakuten Entzündung werden zum Beispiel schmerz- und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt, darunter manchmal Kortison. Eine akute eitrige Entzündung wird antibiotisch behandelt: zunächst passend zum Erregernachweis und dann zum labormedizinisch angezüchteten Erreger (das ist noch sicherer, dauert aber etwas länger). Die gezielte Therapie mit Antibiotika ist wichtig, um Komplikationen wie etwa einen Abszess am Hals (siehe auch entsprechendes Kapitel in diesem Beitrag) zu vermeiden.
Eine Zyste kann unter Ultraschallkontrolle mit einer Nadel punktiert und entleert werden. Bei Krebs erfolgt die möglichst komplette Entfernung der Schilddrüse. Gegebenenfalls schließt sich eine Radiojodtherapie an. Dabei gelangt radioaktives Jod über das Blut in eventuell verbliebene Schilddrüsenzellen und "bestrahlt" sie von innen. Auch eine von außen einwirkende Strahlentherapie ist Teil des Behandlungsplans.
Erkrankungen der Nebenschilddrüsen
Schwellen die Nebenschilddrüsen an, so beruht das überwiegend auf gutartigen Veränderungen. Dahinter stecken meist Hyperplasien (Vergrößerung durch Zellvermehrung) oder Adenome (Geschwülste in der Drüse). Allerdings machen sie sich äußerst selten durch eine Schwellung am Hals bemerkbar, sondern vor allem durch „innere“ Symptome. Es kommt dann nämlich zu einem sogenannten Hyperparathyreoidismus mit meist erhöhtem Parathormonspiegel.
Das Parathormon regelt den Kalzium-, Phosphat- und Knochenstoffwechsel. Bei zu viel Parathormon ist auch Kalzium im Blut erhöht.
Dann sind zahlreiche Symptome möglich – von Skelettschmerzen durch den Knochenabbau über Nierensteine und damit verbundene Harnwegsprobleme oder Magengeschwüre bis hin zu Muskelschwäche, neurologischen Störungen oder einem schweren Koma, der sogenannten hyperkalzämischen Krise.
Diagnose: Entscheidende Hinweise liefert die Bestimmung von Parathormon (erhöht oder hochnormal), Kalzium (erhöht) und Phosphat (erniedrigt) im Blut. Von dieser Konstellation sind verschiedene Abweichungen möglich, da es noch weitere Ursachen für einen Hyperparathyreoidismus gibt. Er ist somit eigentlich selbst ein „Symptom“. Röntgenaufnahmen des Skeletts und Brustkorbs, Ultraschall der Schilddrüse und des Halses, eventuell eine Computertomografie und szintigrafische Untersuchungen sind manchmal ergänzend notwendig.
Therapie: Je nach Ausprägung der Symptome und Ursachen können zunächst engmaschige klinische und laborchemische Kontrollen des Betroffenen genügen. Eventuell muss aber doch eine Nebenschilddrüsen-Operation (Schilddrüsen-Chirurg) durchgeführt werden.
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19.05.2009, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY
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