Mit Antibiotika lassen sich viele einst tödliche Infektionskrankheiten kurieren. Falsch eingenommen, verlieren die Wunderwaffen jedoch schnell ihre Wirkung. Die Apothekerin Dr. Hiltrud von der Gathen gibt Tipps für den richtigen Umgang mit den Bakterienkillern.
Frau von der Gathen, was läuft häufig falsch bei der Einnahme von Antibiotika?
Gerade bei dieser Medikamentengruppe sollten die Zeitabstände zwischen den Einnahmen genau eingehalten werden. Doch häufig vergessen die Patienten, das Medikament zum vorgeschriebenen Zeitpunkt zu schlucken. Oder sie haben es im richtigen Moment nicht griffbereit, da sie in der Arbeit oder unterwegs sind.
Warum sind regelmäßige Abstände so wichtig?
Sie garantieren, dass der Wirkstoffspiegel im Körper ausreichend hoch gehalten wird. Nur so können alle Bakterien abgetötet und kann die Entwicklung von Resistenzen unterbunden werden. Aus dem gleichen Grund sollten Patienten auch eine Behandlung mit Antibiotika nicht vorzeitig abbrechen oder eigenmächtig die Dosierung verringern – selbst wenn es bereits nach wenigen Tagen zu einer Besserung kommt.
Was ist bei der Einnahme noch zu beachten?
Antibiotika sollten stets mit Leitungswasser eingenommen werden. Milch, Säfte oder Mineralwässer mit viel Kalzium können ihre Wirkung verringern.
Viele Präparate werden als „Trockensaft“ angeboten. Was bedeutet das?
Entgegen der Bezeichnung sind Trockensäfte nicht für den „trockenen“ Verzehr bestimmt, sondern müssen mit Wasser zubereitet werden. Hierfür zuerst das Pulver gut schütteln, um eventuell vorhandene Klümpchen zu zerkleinern. Bei der anschließenden Zugabe von Wasser sollte die Flasche in Augenhöhe gehalten werden, damit sie exakt bis zum Eichstrich aufgefüllt werden kann.
Wann können Wechselwirkungen mit anderen Arzneien auftreten?
Das hängt von dem einzelnen Antibiotikum ab. Manche Wirkstoffe wie Penicillin reagieren kaum mit anderen Medikamenten. Sogenannte Gyrasehemmer oder Makrolid-Antibiotika führen dagegen häufiger zu unerwünschten Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen. Daher sollten Patienten, die noch andere Medikamente einnehmen müssen, vor Beginn einer Antibiotika-Therapie unbedingt mit ihrem Arzt oder Apotheker über die möglichen Wechselwirkungen sprechen.
Was müssen Frauen beachten, die verhüten?
Bei gleichzeitiger Einnahme von Antibabypille und Antibiotika kann es zu einer Abschwächung der empfängnisverhütenden Wirkung kommen. Patientinnen sollten daher sicherheitshalber bis zur nächsten Regelblutung zusätzlich mit Kondomen verhüten.
Zur Person
Dr. Hiltrud von der Gathen arbeitet als Apothekerin in Castrop-Rauxel. Die Buchautorin ist langjährige Referentin bei Fortbildungsveranstaltungen
Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau;
06.12.2011
Bildnachweis: W&B/Thomas Pflaum
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