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Atemnot (Dyspnoe) – Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege

Erkrankungen der unteren Atemwege betreffen die Luftröhre und die Bronchien. Häufigste Ursachen von Atemnot hier: Asthma und chronische Bronchitis (Fachbegriff: chronisch-obstruktive Bronchitis)


Ständiger Husten mit Auswurf, später auch erschwertes Atmen, sind Kennzeichen einer chronischen und besonders einer chronisch obstruktiven Bronchitis

Unterhalb des Kehlkopfs beginnen die unteren Atemwege. Sie erstrecken sich über die Luftröhre und das gesamte, baumartig aufgebaute Bronchialsystem (die Bronchien, Einzahl: Bronchus). Den Baum muss man sich allerdings auf den Kopf gestellt denken. Die Bronchien verzweigen sich nach unten immer weiter und werden immer kleiner. Am Ende der äußersten Verästelungen tritt die Atemluft in die Lungenbläschen über. Dort findet der Austausch zwischen Atemgas und Blutgas statt.

Liegt der Engpass, der den Atemstrom behindert, im Bereich der größeren Luftwege, also der Luftröhre und der großen Bronchialäste, entsteht ein pfeifendes Geräusch bei der Atmung (Stridor). Sind die kleineren Atemwege, die letzten Aufzweigungen der Bronchien, betroffen, kommt es zu einem hörbaren Giemen (Knarren, trockenes Tönen) oder auch Brummen, wenn die Luft ausgeatmet wird. Weitere Beschwerden hängen von der jeweiligen Erkrankungsursache ab.

Nachfolgend finden Sie Informationen zu den wichtigsten Krankheitsbildern der unteren Atemwege.


Luftröhre:

Trachealstenose, Bronchialstenose, Fremdkörperaspiration

Sowohl die Luftröhre als auch ein Bronchialabschnitt können krankhaft eingeengt werden (Stenose) – sei es von innen, sei es von außen. Innen finden sich manchmal angeborene Membranen, oder es hat sich nach einem Eingriff, etwa einem Luftröhrenschnitt, Narbengewebe gebildet, das den Luftstrom behindert. Dies kann auch nach Verletzungen oder Entzündungen der Fall sein. Außerdem können Tumoren den Luftstrom in den Atemwegen behindern. Im Bereich eines Bronchus ist das zum Beispiel bei Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) möglich. Infrage kommen aber auch Lymphknotengeschwülste (Lymphome), die mitunter von außen auf den Luftweg drücken, oder ein in die Atemwege gelangter (aspirierter) Fremdkörper, der den Luftweg blockiert. Lungenabschnitte, die hinter dem Engpass liegen, werden nicht oder mehr richtig belüftet. Dann kann sich dort eine Entzündung entwickeln. Weitere Komplikationen sind bisweilen eine eitrige Einschmelzung oder eine Blutung.

Schließlich kann der Luftröhrenknorpel erweichen (Tracheomalazie), was die Atmung erheblich behindert. Diese Störung ist entweder angeboren oder im Laufe des Lebens entstanden, zum Beispiel nach einer chronischen bakteriellen Infektion.

Symptome: Je nach Lage und Ausmaß der Verlegung kommt es dabei vor allem beim Einatmen oder beim Ausatmen zu Atemnot beziehungsweise pfeifender Atmung (Stridor) und starkem Husten. Hat sich ein minderbelüfteter Bereich der Lunge entzündet, können starke Schleimbildung, Husten und Fieber die Folge sein. Mitunter ist die Atmung auch auf einer Seite aufgehoben, wenn ein Lungenflügel nicht mehr belüftet wird. Die totale Verlegung der Luftröhre führt zu einer massiven Atemschwäche bis zum Atemstillstand. Falls sich ein spitzer Fremdkörper im Bereich des Schlunds oder Kehlkopfes verkeilt, können heftiges Husten, Würgen, Erstickungsgefühl und Angst einen reflexartigen Blutdruckabfall und Kreislaufstillstand auslösen. Eine Blutung ist dann möglicherweise sehr massiv.

Zur Diagnose außerhalb eines Notfalls überprüft der Arzt die Lungenfunktion und setzt bildgebende sowie endoskopische Verfahren ein. Allgemeine Informationen darüber, wie der Arzt die Diagnose stellt, finden Sie im eigenen Kapitel "Diagnose".

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Hindernisse in den Atemwegen suchen Ärzte nach Möglichkeit zu beseitigen. Im Notfall, etwa bei Aspiration eines Fremdkörpers, sind Wiederbelebungsmaßnahmen und sofortige notärztliche beziehungsweise fachärztliche Behandlungsschritte (Bronchoskopie) geboten, um den Fremdkörper zu entfernen. Eine angeborene Tracheomalazie bildet sich im Laufe der Zeit zurück; manchmal benötigen die Kinder vorübergehend Sauerstoff. Bei den erworbenen Formen richtet sich die Behandlung nach der Ursache.

Bronchien:

Asthma

Asthma beruht auf einer chronischen Entzündung im Bronchialbaum. Dabei kommt es zu einer spontan und / oder durch entsprechende Therapie meist rückbildungsfähigen Verengung der Atemwege (Bronchialobstruktion). Voraussetzung ist eine erhöhte Reizbarkeit der Bronchialschleimhaut. Diese begünstigt Entzündungen, die wiederum die Reizbarkeit verstärken. Erbliche (genetische) Faktoren und Infekte erhöhen die "Bereitschaft" der Bronchien zu diesem Reaktionsmuster.

Ärzte unterscheiden ein allergisches (extrinsisches) Asthma, ausgelöst durch Stoffe (Allergene) in der Umwelt oder Arbeitswelt, von einem nicht allergischen (intrinsischen) Asthma. Im letzteren Fall sind wiederholte Atemwegsinfekte, Medikamente, chemische Substanzen (hier gibt es Überschneidungen mit Asthma als Berufskrankheit) und die sogenannte Rückflusskrankheit (Stichwort Sodbrennen) ausschlaggebend. Im Laufe der Zeit kann sich die Neigung zur entzündlichen Verengung der Bronchien bei Asthma festsetzen. Zunehmend wird dann ein zäher Schleim in den Bronchien produziert, der nicht mehr richtig abgehustet werden kann und die Bronchien verstopft. Gleichzeitig bauen sich die Wände der Atemwege um. Im Endeffekt bleiben sie dadurch dauernd verengt (Obstruktion). Der Luftstrom ist dann beeinträchtigt, die Atemarbeit erhöht, das Atmen also sehr anstrengend, und Atemnot das vorherrschende Problem.

Symptome: Bei Asthma treten anfallsartige Atemnot und Pfeifgeräusche (Stridor) bei der Ausatmung sowie starker Husten auf. Die Ausatmungsphase kann auch verlängert sein. Im Anfall stützen sich die Patienten oft mit den Armen auf, um mehr Luft zu bekommen – sie nutzen so die Hilfsmuskeln der Atmung. Der Herzschlag ist beschleunigt. Die Lippen können blau verfärbt sein, der Betroffene ist unruhig, eventuell auch verwirrt. Bei einem sehr schweren Asthmaanfall kann es zu lebensbedrohlicher Luftnot bis hin zum akuten Atemversagen kommen.

Mehr dazu im Beitrag Asthma bronchiale.

Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD)

Eine chronische Bronchitis liegt vor, wenn ein Patient in mindestens zwei aufeinander folgenden Jahren während drei Monaten in Folge Husten und Auswurf hat. Die chronische Bronchitis kann in eine obstruktive Form oder sogar in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (engl. Abkürzung: COPD) übergehen. Dabei werden die Atemwege durch eine chronische Entzündung, Schleimbildung und Umbauvorgänge geschädigt. Häufig, aber nicht ausschließlich sind die kleineren Verzweigungen im Bronchialbaum betroffen. Sie verengen sich (funktionelle Obstruktion) und tragen nur noch wenig zur Belüftung bei. Auch finden Bakterien immer wieder einen guten Nährboden, sodass es häufiger zu akuten bakteriellen Infektionen kommt. Die Wände der Lungenbläschen werden zerstört und die Lunge wird überbläht (Emphysem). Dadurch entsteht auch eine strukturelle Obstruktion.

Im weiteren Verlauf nimmt die Erkrankung oft größere Dimensionen an, denn häufig leiden auch die Lungengefäße und das Herz darunter (Lungengefäßhochdruck und Cor pulmonale). Zwischen den einzelnen Ausprägungen gibt es fließende Übergänge. Mal steht die obstruktive Bronchitis mit Auswurf und Husten im Vordergrund (oft sind die Betroffenen auch übergewichtig), mal das Emphysem mit deutlich erschwerter Atmung, Atemnot und Auszehrung.

Hauptrisikofaktor ist das Rauchen. Umweltbelastungen (Luftverschmutzung) tragen ihren Teil dazu bei. Obwohl COPD die Abkürzung für „Chronisch obstruktive „Lungenerkrankung" ist, wird das Thema wegen seiner engen Beziehungen zur chronischen Bronchitis in diesem Kapitel eingeordnet. Sie ist die häufigste Lungenkrankheit, beginnt aber in den Bronchien. Außerdem ist sie die führende Ursache für eine Schwäche der rechten Herzhälfte (Cor pulmonale, siehe oben und Kapitel "Herzkrankheiten") und für Tod durch Atemversagen. Aber sie ist vermeidbar, denn am Anfang steht der Raucherhusten.

Symptome: Bei der „einfachen" Bronchitis sind Husten und Auswurf ein vorübergehendes Phänomen. Kommt es über Jahre hinweg zu Husten und Auswurf, der besonders morgens sehr stark ist, deutet das auf eine obstruktive Form der Bronchitis hin. Oft zeigt sich dann auch eine trocken tönende (giemende) oder pfeifende Ausatmung. Hat der Auswurf eine gelbe oder grüne Farbe, sind bakterielle Erreger aktiv. Ohnehin ist die Neigung zu Atemwegsinfektionen erhöht. Im weiteren Verlauf ist zunehmende Atemnot bei Belastung, schließlich auch in Ruhe, möglich, wodurch die körperliche Leistungsfähigkeit immer mehr eingeschränkt wird und die Luftnot zunimmt – ein Teufelskreis. Letztendlich kann ein Atemversagen drohen.

Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Beitrag chronische Bronchitis / COPD.

Bronchiektasen

Wenn größere Bronchien sich sackförmig erweitern, liegen Bronchiektasen vor. Sie können den Luftstrom behindern. Ursache für die Aussackungen sind entzündungsbedingte Wandschäden. Bei Kindern beruhen solche Entzündungen auf verschiedenen angeborenen Erkrankungen wie Immunmangelkrankheiten oder Mukoviszidose (auch „zystische Fibrose" genannt). Aber auch im Laufe des Lebens „erworbene" Bronchiektasen sind Folge wiederholter Atemwegsinfekte, einer chronisch-obstruktiven Bronchitis oder verschiedener Lungenerkrankungen.

Symptome: Im Vordergrund stehen Auswurf in großen Mengen und Husten. Auch Atemnot kann sich entwickeln. Ansonsten bestimmt die Grunderkrankung die Beschwerden.

Mukoviszidose

Eine der häufigsten erblichen Stoffwechselerkrankungen ist die Mukoviszidose. Dabei ist der Transport von Natrium- und Chlorid-Ionen durch die Zellwand aller sekretbildenden Drüsen im Körper gestört. In der Folge entstehen ausgesprochen zähe Sekrete, die die Drüsenausgänge verstopfen. Durch den Sekretstau und begleitende Infektionen kommt es zu Schädigungen vor allem der Bronchien und Lungen. Im Bereich der mittleren und größeren Bronchien bilden sich sackförmige Erweiterungen (Bronchiektasen, siehe oben). Auch die kleinen Bronchien können sich entzünden (Bronchiolitis). Wenn ihre dünnen Wände beschädigt werden, weiten sich die angrenzenden Lungenabschnitte, es entwickelt sich ein Emphysem (siehe oben). Dabei schrumpft das Lungengewebe, und die lufthaltigen Räume sind mehr oder weniger überbläht.

In zweiter Linie ist bei der Mukoviszidose oft die Bauchspeicheldrüse erkrankt. Durch den Verlust an funktionstüchtigem Drüsengewebe werden zu wenig Verdauungssäfte gebildet, sodass es zu Ernährungs- und Gedeihstörungen kommt. Mitbetroffen sind auch der Darm, die Gallenwege und Leber, die Haut und die Fruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern.

Symptome: Frühzeitig entwickeln sich Atemwegssymptome: ständiger Husten mit Auswurf und Atemnot durch den stark behinderten Luftstrom. Als Folge des Sauerstoffmangels verfärben sich die Lippen blau, die Fingerendglieder verdicken sich, die Nägel wölben sich uhrglasartig („Trommelschlegelfinger", „Uhrglasnägel"). Die Veränderungen der Atemwege und damit verbundene Komplikationen bestimmen maßgeblich die Krankheitsentwicklung. Neben wiederholten, schwerwiegenden Infektionen kann es zu Blutungen und Bluthusten, zum Lungenkollaps (Pneumothorax), zum Lungenhochdruck und schließlich zum Lungenversagen kommen (siehe jeweils auch  im Kapitel „Lungengefäße, Lungenkreislauf").

Mehr zu diesem Krankheitsbild unter Mukoviszidose.

Bronchiolitis

Hierbei entzünden sich die kleineren Bronchien (Bronchiolen). Auslöser sind meistens Infektionen mit Viren wie Parainfluenza- und RS-Viren oder auch die Mukoviszidose (siehe oben). Der Verschluss der Bronchiolen (Obliteration) in Verbindung mit einer sogenannten „organisierenden" Lungenentzündung (BOOP-Syndrom, siehe auch Kapitel „Lungenerkrankungen", Abschnitt „Lungenfibrose") und Atemversagen ist eine potenziell tödliche, manchmal aber auch rückbildungsfähige Verlaufsform.



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de ; 08.08.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer

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