Ausstülpung der Speiseröhrenwand, die meist keine Beschwerden verursacht.
Ursache: Die meisten Speiseröhrendivertikel entstehen dadurch, dass ein gestörtes Zusammenspiel der Speiseröhrenmuskulatur den Druck im Inneren der Speiseröhre erhöht. Hierdurch werden jeweils oberhalb der Speiseröhrenengen Schleimhaut und Bindegewebe durch Lücken in der Muskulatur nach außen gepresst (Pulsionsdivertikel). Besonders häufig ist das im Halsbereich liegende Zenker-Pulsionsdivertikel. Seltener kommt es z. B. durch narbige Gewebeschrumpfung nach Entzündungen im Brustraum (v. a. bei Tuberkulose) zur Bildung von Speiseröhrendivertikeln durch Zug von außen (Traktionsdivertikel).
Vorkommen: Während sich Pulsionsdivertikel oberhalb der Speiseröhrenengen am Anfang und am Ende der Speiseröhre bilden, liegen Traktionsdivertikel meist in der Nähe der Bronchien.
Befund: Am häufigsten verursacht das Zenker-Divertikel Beschwerden, v. a. bei Männern im höheren Lebensalter. Im Vordergrund stehen zunächst Schluckbeschwerden und Fremdkörpergefühl im Hals. Bei zunehmender Vergrößerung des Divertikels kommt es zum Zurückströmen von unverdauten Speisen in den Mund. Auch unangenehmer Mundgeruch und ein brennendes Gefühl im Speiseröhrenbereich treten auf. Durch Übertreten der nächtlich zurückströmenden Speisereste in die Luftwege kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Bei der Entzündung eines Divertikels besteht die Gefahr, dass die Divertikelwand durchbricht (Perforation). Die Diagnose wird durch Röntgenaufnahmen und Spiegelung der Speiseröhre gestellt.
Behandlung: Die meisten Divertikel sind nicht behandlungsbedürftig. Bei Auftreten von Beschwerden werden sie operativ entfernt. Bei kleinen Speiseröhrendivertikel ist auch eine Divertikelabtragung im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung möglich.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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