Erweiterung des Verdauungstraktes, die zwischen Speiseröhre und Dünndarm liegt und deren Funktion es ist, die im Mundraum zerkleinerte Nahrung zu speichern, zu durchmischen, anzuverdauen und dann portionsweise an den Dünndarm abzugeben. Im Leerzustand ist der Magen fast schlauchförmig, gefüllt ist er sackartig ausgestülpt und hat ein Fassungsvermögen von ca. 1,5 l. Die Verweilzeit der Nahrung im Magen ist abhängig von deren Zusammensetzung und kann 2–7 Std. betragen (Magenentleerung 1).
Abschnitte des Magens: Die Region, an der der Muskelschlauch der Speiseröhre in den Magen übergeht, wird als Magenmund (Kardia) bezeichnet. In einer Wölbung über dem Magenmund befindet sich der Magengrund (Fundus, Magengewölbe), in dem sich mitgeschluckte Luft ansammeln kann. Den Hauptteil des Magens bildet der Magenkörper (Korpus, Corpus ventriculi), an ihn schließt sich der als Antrum bezeichnete Vorraum des Pförtners (Antrum pyloricum) an. Über den verschließbaren Pförtner (Pylorus) mündet der Magen in den Zwölffingerdarm, den obersten Abschnitt des Dünndarms. Die Form des Magens ist geprägt durch die linksseitige große Krümmung (Kurvatur) und die rechtsseitige kleine Krümmung.
Aufbau der Magenwand: Die 2–3 mm dicke Magenwand besteht wie die Darmwand aus vier Schichten (Darm). Außen ist der Magen von Bauchfell überzogen. Es folgt die Muskelschicht (Muskularis) des Magens, die im Unterschied zum Darm einen dreischichtigen Aufbau hat. Von außen nach innen sind Längs-, Ring- und schräg verlaufende Muskelfasern übereinander gelagert, die vielfältige Magenbewegungen zum Durchmischen des Speisebreis erlauben und mittels peristaltischer Wellen die Nahrung in Richtung Pförtner befördern. Unter der Muskelschicht befindet sich eine bindegewebige Verschiebeschicht (Submukosa), der innen die Magenschleimhaut (Mukosa) anliegt. Diese ist normalerweise rötlich grau und bei entleertem Magen in Längsfalten gelegt.
Aufbau der Magenschleimhaut: Die Oberfläche der Magenschleimhaut besteht aus einer Lage zylinderförmiger Zellen, die ein Epithel mit tiefen Falten bilden, wodurch schlauchförmige Drüsen entstehen. Diese Drüsen produzieren ca. 2 l sauren Magensaft pro Tag und kommen hauptsächlich im Magengrund und im Magenkörper vor. Vornehmlich drei Arten von Drüsenzellen werden unterschieden.
Die Belegzellen stellen die Salzsäure (HCl) her, die dem Magensaft seinen niedrigen pH-Wert von 1,0–2,0 verleiht (Magensäure). Salzsäure greift sämtliche Eiweiße der Nahrung an, leitet so die Verdauung ein und tötet aufgenommene Bakterien ab. Zudem produzieren die Belegzellen den Intrinsic Factor, der für die Aufnahme von Vitamin B12 benötigt wird. Die Hauptzellen bilden Pepsinogene, aus denen unter Einwirkung der Salzsäure die eiweißspaltenden Pepsine entstehen. Die Nebenzellen bilden den aus einem Gemisch von Kohlenhydraten und Eiweißen bestehenden Magenschleim, der auf der Oberfläche der Zellen haftet und einen geschlossenen Film bildet, der den gesamten Mageninnenraum auskleidet und die Schleimhaut vor Selbstverdauung durch die aggressive Salzsäure und die Pepsine schützt. Im Vorraum des Pförtners und im Pförtner selbst findet man noch eine vierte Art von Zellen, die wegen ihrer Produktion des Gewebehormons Gastrin G-Zellen genannt werden. Gastrin wird in das Blut abgegeben, steigert die Magenbeweglichkeit und regt die Haupt- und Belegzellen zur Sekretion von Salzsäure und Pepsinogen an.
Regulation der Magensaftproduktion: Der Ablauf der Magensaftproduktion lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Zunächst stimulieren Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen den Nervus vagus, der aus dem Großhirn kommt und über einige seiner Eingeweideäste die Produktion von Magensaft anregt. Auch die Vorstellung von Essen sowie Ärger oder Stress steigern die Magensaftbildung. Befindet sich eine entsprechende Menge Nahrung im Magen, löst die Dehnung des Pförtnervorraums die Freisetzung von Gastrin aus, die auch indirekt nach Reizung durch den Nervus vagus sowie durch Gewürze, Koffein, Nikotin oder Alkohol gefördert werden kann. Erreicht der stark angesäuerte Speisebrei den Darm, wird über verschiedene Hormone die Salzsäure- und Pepsinogenproduktion gedrosselt (z. B. über die Hemmung der Gastrinproduktion).
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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