operative Übertragung des gesunden Herzens eines Organspenders auf einen Menschen mit unheilbarer Herzkrankheit, z. B. bei Kardiomyopathie mit schwerer Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit. Inzwischen werden bei irreversiblen Lungenerkrankungen mit Herzversagen auch kombinierte Herz-Lungen-Transplantationen durchgeführt. Eine Indikation zur Herztransplantation besteht, wenn die medikamentöse Therapie oder andere operative Eingriffe versagen. Der Empfänger und sein familiäres Umfeld müssen der Herztransplantation motiviert gegenüberstehen; bestimmte Erkrankungen und Risikofaktoren schließen sie aus. In Deutschland werden knapp 400 Herztransplantationen jährlich durchgeführt, obwohl wesentlich mehr Patienten einer Herztransplantation bedürfen. Ursache ist der Mangel an Spenderherzen. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt in Abhängigkeit von der nötigen Blutgruppe und Herzgröße 6–12 Monate, manchmal auch länger. Als Überbrückung bis zum Erhalt eines geeigneten Spenderherzens kann ein Kunstherz die Funktion v. a. der linken Herzkammer unterstützen. Aufgrund des Spendermangels konzentriert sich die Forschung zum einen auf die Weiterentwicklung des Kunstherzens als dauerhafter Herzersatz, zum anderen auf das Xenotransplantat, d. h. ein von Tieren (genetisch veränderten Schweinen) stammendes Spenderherz.
Technik: Bei der orthotopen Herztransplantation wird das Spenderherz anstelle des erkrankten Herzens implantiert, das kranke Herz unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine entfernt (mit Ausnahme der Vorhofstümpfe). Bei der nur bei bestimmten Herzfehlern durchgeführten heterotopen Herztransplantation wird das Spenderherz an anderer Stelle, evtl. auch im »Huckepackverfahren«, an die großen Gefäßstämme angeschlossen, das kranke Herz verbleibt im Körper des Empfängers. Hier besteht zusätzlich die Gefahr der Gerinnselbildung im verbliebenen Herz, weshalb eine lebenslange Behandlung mit gerinnungshemmenden Mitteln nötig ist. Der Eingriff dauert etwa 3–4 Stunden.
Immunsuppression: Wie bei jeder Transplantation muss das Immunsystem des Organempfängers lebenslang mit Medikamenten (Immunsuppressiva) unterdrückt werden, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Die herkömmliche Medikation besteht aus Ciclosporin, Tacrolismus, Azathioprin und meist auch Kortikoiden. Unmittelbar nach der Operation werden Antikörper gegen Abwehrzellen infundiert.
Überwachung: Nach der Operation wird die Leistungsfähigkeit des Herzens regelmäßig mittels EKG und Herzultraschall geprüft. In den ersten drei postoperativen Monaten treten akute Abstoßungsreaktionen in ca. 90 % der Fälle auf. Um diese rechtzeitig zu diagnostizieren, werden wöchentlich kleine Gewebeproben entnommen. Um diese den Patienten belastenden Biopsien zu vermeiden, werden in jüngster Zeit Schrittmacher eingesetzt, die per Telemetrie Hinweise auf eine mögliche Abstoßungsreaktion liefern.
Prognose: Die 5-Jahres-Überlebensrate hat sich in den letzten Jahren auf ca. 75–80 % erhöht; die Herztransplantation gilt somit als etabliertes Therapieverfahren. Die meisten Transplantationspatienten sterben an Infektionen, Abstoßungsreaktionen folgen an zweiter Stelle.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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