Untersuchungs‐ und Operationsverfahren, bei dem mit einem schlauchförmigen Gerät (Endoskop), das mit einer Lichtquelle und einem optischen System ausgestattet ist, die Organe des Magen-Darm-, Harnwegs- und Atemwegstraktes und das Innere von Körperhöhlen ausgeleuchtet und betrachtet werden können. Eine Endoskopie wird bei Verdacht auf eine Erkrankung des entsprechenden Organs durchgeführt, wenn sich diese Vermutung nicht mit einfacheren Maßnahmen, etwa einer Blutuntersuchung oder Röntgenaufnahme, abklären lässt. Daneben dient die Endoskopie des Dickdarms, die seit 2002 in das Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen wurde, der frühzeitigen Entdeckung von Dickdarmkrebs. Außer der reinen Untersuchung sind im Rahmen der Endoskopie auch diagnostische Eingriffe wie Spülungen und Probeentnahmen sowie endoskopische Operationen möglich, die »große« Operationen ersetzen können.
Anwendungsbereiche: Die Untersuchungen des oberen Magen-Darm-Traktes werden als Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie), Magenspiegelung (Gastroskopie) und Zwölffingerdarmspiegelung (Duodenoskopie) bezeichnet. Meist werden sie zusammen durchgeführt (Ösophagogastroduodenoskopie). Bei der Darmspiegelung, die im Wesentlichen eine Dickdarmspiegelung ist, wird das Endoskop durch den Anus eingeführt; sie besteht aus der Untersuchung der Abschnitte des unteren Krummdarms (Ileoskopie) und Grimmdarms (Koloskopie, Sigmoidoskopie). Die weiter unten gelegenen Darmabschnitte werden bei der Rektoskopie (Mastdarmspiegelung) und der Proktoskopie (Betrachtung des Anus und der Hämorrhoidalregion) begutachtet.
Endoskopische Spezialuntersuchungen: Hierzu gehört die ERCP (Abk. für endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie), bei der die gemeinsame Mündung von Bauchspeicheldrüsen- und Gallengang aufgesucht und in diese ein Röntgenkontrastmittel unter gleichzeitiger Anfertigung von Röntgenbildern eingespritzt wird, und die Endosonografie, bei der ein Ultraschallkopf über ein Endoskop in Speiseröhre, Magen oder Darm eingeführt wird, sodass man die anliegenden Nachbarorgane mit Ultraschall darstellen kann. Die Spiegelungen des Atemwegstraktes heißen Luftröhrenspiegelung (Bronchoskopie) und Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie), die Darstellung von Harnröhre und Blase Zystoskopie.
Mit Schmerzstillung und Betäubung können auch Körperhöhlen untersucht werden. Dies erfordert meist eine Durchstechung der Haut. Hier sind z. B. die Bauchspiegelung (Laparoskopie), die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) und die Spiegelung des Mittelfells (Mediastinoskopie) und der Brusthöhle (Thorakoskopie) von Bedeutung. Bei einer Beckenspiegelung (Pelviskopie) werden die inneren Geschlechtsorgane im kleinen Becken untersucht. Sie wird v. a. durchgeführt zur Abklärung unklarer Unterbauchschmerzen, bei Verdacht auf Veränderungen oder Tumoren, bei Fehlbildungen von Eileitern, Eierstöcken oder der Gebärmutter sowie zum Nachweis oder Ausschluss einer Extrauterinschwangerschaft. Die Spiegelung der Gebärmutterhöhle (Hysteroskopie) kann von der Scheide aus erfolgen und dient der genauen Beurteilung der Schleimhaut. Dabei ist es möglich, Verklebungen, gutartige Muskelgeschwülste, Polypen in der Gebärmutterhöhle und Fehlbildungen der Gebärmutter zu erkennen und evtl. zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken zu entfernen.
Durchführung: Es gibt zwei wesentliche Formen von Endoskopen: Das flexible Endoskop ist biegsam, die Spitze lässt sich von außen mit einer Stellschraube in alle Richtungen drehen und um 180 Grad zurückschwenken. Mit dem starren Endoskop kann man zwar nur nach vorn blicken, allerdings lässt sich die Brennweite und damit der Darstellungswinkel variieren. Unabhängig von ihrer Form haben die meisten Endoskope darüber hinaus einen Arbeitskanal, über den sich Spülflüssigkeit vorspritzen, Sekret absaugen oder eine Biopsiezange (Biopsie) einführen lässt.
Die Spiegelung des oberen Magen-Darm-Traktes erfordert keine besondere Vorbereitung, sie dauert nur wenige Minuten und der Betroffene muss lediglich nüchtern sein. Vor der Darmspiegelung wird ein Abführmittel gegeben, oft auch eine Darmspülung durchgeführt. Beide Untersuchungen sind unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Auch die Blasenspiegelung erfordert keine besondere Vorbereitung. Der Betroffene kann für diese Untersuchungen betäubt werden. Für die Spiegelung der Atemwege wird gewöhnlich eine kurze Narkose gegeben. Gerinnungshemmende Medikamente sollten einige Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden.
Für alle Eingriffe, die ein Durchstechen der Haut erfordern, sind strengste hygienische Vorsichtsmaßnahmen unabdingbar. Sie werden im Operationssaal und meist in Vollnarkose durchgeführt; das gilt besonders für die Mediastinoskopie und die Laparoskopie.
Komplikationen: Insgesamt haben alle endoskopischen Verfahren ein niedriges Risiko für Komplikationen; dies gilt v. a. für die Untersuchungen der Hohlorgane. Die Hauptgefahr liegt in der Verletzung des untersuchten Organs mit Blutungen und Infektionen. Bei der ERCP besteht zudem die Gefahr einer Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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