Gewinnung und Untersuchung einer Gewebeprobe, die einem Lebenden entnommen wurde.
Entnahmetechnik: Die Gewebeentnahme erfolgt durch Einstechen (Punktion) bzw. Stanzen (Stanzbiopsie), Ansaugen (Aspirationsbiopsie), Schneiden (Probeexzision) oder Schaben (Ausschabung). Je nach Technik werden unterschiedliche Instrumente verwendet wie Punktionskanüle bzw. Biopsienadel, Stanzen, Skalpell, Zange oder Kürette. Für die Feinnadelbiopsie wird mit einer besonders dünnen Hohlnadel punktiert, um das Gewebe zu schonen (z. B. Schilddrüsenfeinnadelpunktion). Das Instrument wird ohne Sichtkontrolle (Blindbiopsie) oder kontrolliert durch Endoskopie, Ultraschall oder Röntgen zum Entnahmeort geführt, wo intakte Gewebestücke oder einzelne Zellen entnommen werden.
Untersuchte Gewebe: Biopsien werden an zahlreichen Geweben des Körpers bei unterschiedlichen Fragestellungen durchgeführt. Technik, Hilfsmittel und Instrumente werden in Abhängigkeit vom Zielgewebe gewählt. Zur Herzmuskelbiopsie (Myokardbiopsie) bei Herzgewebekrankheiten (z. B. bei Verdacht auf eine Kardiomyopathie) erfolgt der Zugang meist über ein großes Blutgefäß im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung. Für die Knochenmarkbiopsie wird die Knochenmarkentnahme mittels einer Stanze oder einer Hohlfräse meist am Brustbein (Sternalpunktion) oder am Beckenkamm durchgeführt. Zur Hirnbiopsie muss der Schädelknochen durchbohrt werden, um z. B. in tumorverdächtige Bereiche zu gelangen. Die Muskelbiopsie ist ein diagnostisches Hilfsmittel bei unklaren Muskel-, Nerven- und Stoffwechselkrankheiten, die Gewebeentnahme erfolgt nach Hautschnitt bei lokaler Betäubung. Für die Nervenbiopsie bei Verdacht auf entzündliche oder degenerative Nervenerkrankungen wird meist unter lokaler Betäubung ein kleines Stück eines Hautnervs oberhalb des Außenknöchels zur weiteren Untersuchung entnommen. Die Prostatabiopsie kann durch den Damm oder über den Mastdarm gewonnen werden (Prostatabiopsie). Spezielle Biopsienadeln werden unter Ultraschallkontrolle bei der Leber- und der Nierenbiopsie eingesetzt, die bei der Differenzialdiagnose von Leberkrankheiten bzw. Nierenkrankheiten sowie zur Verlaufsbeobachtung nach einer Transplantation durchgeführt werden. Die Lungenbiopsie kann endoskopisch durch die Bronchien, ultraschallgesteuert durch die Haut oder offen erfolgen, d. h. nach Öffnen der Brusthöhle unter direkter Sicht. Die Chorionzottenbiopsie dient zur Untersuchung kindlicher Zellen während der Schwangerschaft (pränatale Diagnostik).
Gewebeuntersuchung: Die entnommenen Gewebe werden meist durch den Pathologen beurteilt. Das Präparat wird evtl. in feine Scheiben geschnitten, mit geeigneten Farbstoffen gefärbt und unter dem Lichtmikroskop, seltener dem Elektronenmikroskop, betrachtet. Bei immunhistologischen Untersuchungen werden die Präparate zusätzlich mit farbstoffgekoppelten Antikörpern gegen bestimmte Oberflächenstrukturen markiert, sodass eine noch genauere Unterscheidung der Zellarten gelingt. Ähnlich werden bei zytologischen bzw. immunzytologischen Diagnosemethoden aus dem Gewebeverband losgelöste Einzelzellen direkt oder nach Antikörpermarkierung unter dem Mikroskop betrachtet.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 07.12.2010
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