indische Wissenschaft, die zur Behandlung und Überwindung von Krankheiten, aber auch zur Förderung und Steigerung der Gesundheit angewandt wird. Die ältesten erhaltenen Aufzeichnungen datieren um 600 v. Chr. Der Ayurveda ist – neben der Schulmedizin und Homöopathie – eine der Säulen des indischen Gesundheitssystems unter staatlicher Förderung und Ausbildung.
Theoretische Grundlagen: Eine wichtige Grundlage des Ayurveda ist die Lehre von den drei Qualitäten (Tridoshas), die Vata, Pitta und Kapha genannt werden. Vata repräsentiert das luftige, Pitta das feurige und Kapha das erdige Prinzip. In jedem Menschen liegen die Qualitäten (Doshas) in einem anderen Mischungsverhältnis vor. Die Lehre von den Körpergeweben unterscheidet drei Bereiche, die Haut außen, die Eingeweide innen und dazwischen sieben Gewebe (Dhatus). Der Auf- und Abbau der Gewebe ist vom Zustand des jeweiligen Feuers abhängig. Die Feuer (Agnis) entsprechen in etwa den enzymatischen Stoffwechselprozessen der westlichen Medizin. Kanalsysteme (14 beim Mann, 16 bei der Frau) dienen u. a. der Aufnahme von Luft, Wasser und Nahrung, der Ausscheidung von Urin, Stuhl und Schweiß. Das geistige Weltbild des Ayurveda orientiert sich an der Lehre vom Yoga und am Hinduismus.
Krankheitsursachen: Die Ursachen werden z. B. in einer Blockierung von Kanälen, Zunahme oder Abnahme von Vata, Pitta und Kapha oder einer langsamen Festsetzung eines Dosha in den Geweben gesehen.
Diagnose: Die Befunderhebung geschieht im Ayurveda durch die Kategorisierung aller körperlichen und geistigen Erscheinungen nach den Prinzipien der Tridoshas. Zunächst wird eine Befragung über den normalen Zustand, z. B. hinsichtlich Bewegungs- und Leistungsvermögen, Güte und Vitalität der Gewebe sowie physischer und psychischer Konstitution durchgeführt. Dann wird der Patient untersucht, z. B. mithilfe der Zungen- und Pulsdiagnose. Bei der Bestimmung des Krankheitszustandes wird geklärt, in welchem Zustand sich die Kanalsysteme befinden, welche Doshas aus dem Gleichgewicht und in welchem Maße die Gewebe beeinträchtigt sind. Dann erst kann die Bestimmung der Krankheit erfolgen und ein entsprechender Therapieplan aufgestellt werden.
Behandlung: In der ayurvedischen Medizin haben sich acht therapeutische Disziplinen ausgebildet: Andrologie, Augen- sowie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Chirurgie, Frauen- und Kinderheilkunde sowie Geburtshilfe, Geriatrie, innere Medizin, Psychiatrie, Toxikologie. Jede dieser Disziplinen hat im Laufe der Zeit sehr unterschiedliche Behandlungsmethoden bzw. -techniken entwickelt.
Ziel ayurvedischer Behandlung ist es z. B., das Gleichgewicht der Doshas wiederherzustellen und den Körper von Schlackenstoffen zu reinigen. Der Ayurveda verwendet dazu verschiedene Reinigungsverfahren (Dampfbäder, Darmeinläufe und Aderlass), appetitanregende und verdauungsfördernde Arzneien, spezielle Diäten, Fasten, Körperübungen, Sonnen- und Windbäder. Darüber hinaus finden auch der Ölguss auf die Stirn oder Yoga Anwendung. Die Arzneimitteltherapie hat keinen so hohen Stellenwert wie in der westlichen Medizin, vielmehr werden die Gesundheitsvorsorge (Prävention), die Reinigungsverfahren und eine bewusste Lebensführung (z. B. Bewegung, Ernährung, Meditation) in den Vordergrund gestellt.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 07.12.2010
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