Sie brillieren als Gewichtheber, Marathonläufer, Balance-Künstler: Im Lauf eines durchschnittlichen Menschenlebens tragen die Füße uns 180.000 Kilometer weit – mehr als 4000 Mal die Marathondistanz, insgesamt viereinhalb Mal um den Erdball. Zweimal 26 Knochen, zahllose Bänder und Sehnen verbinden sich zu zwei kleinen Wunderwerken. Dass die Füße für unser gesamtes Wohlbefinden äußerst wichtig sind, ist logisch: Schließlich lastet unser ganzes Körpergewicht auf ihnen.
Wenn wir springen, hüpfen oder rennen, vervielfacht sich der Druck sogar. Dennoch führen unsere Füße ein Schattendasein, unbemerkt und eingezwängt in enge Schuhe und Strümpfe, abgeschnitten von frischer Luft. Erst im Frühling, wenn wir die hübschen Sommersandalen herauskramen, inspizieren wir sie genauer. Und das ist oft kein schöner Anblick!
Hier eine Druckstelle, dort ein Hühnerauge, die Zehennägel brüchig und verformt: Manches davon sind ganz natürliche Alterserscheinungen. „Je älter wir werden, desto mehr verdicken die Nägel“, erklärt Mechtild Geismann, Podologin aus Lüdinghausen im Münsterland und Vizepräsidentin des Zentralvereins der Podologen. Das liegt unter anderem daran, dass die Nägel in zu engen Schuhen einem ständigen Reiz ausgesetzt sind – das regt ihre Zellteilung an.
Auch die Haut leidet mit der Zeit. Babys kommen mit zarten, weichen Füßen auf die Welt. Im Lauf der Jahre verhärten diese sich, setzen Hornhaut an – nicht schön, aber nützlich. Denn um den Belastungen des Lebens standzuhalten, ist die Haut an den Fußsohlen ohnehin etwa drei- bis viermal so dick wie an anderen Stellen des Körpers. Bei übermäßiger Beanspruchung aber wehrt sich die oberste Hornschicht der Oberhaut, das Stratum corneum, um das darunterliegende Gewebe zu schützen. Die normalerweise hellgelbe, relativ zarte und durchschimmernde Hornhaut wirkt dann gerötet, Schwielen wachsen. Die Haut wird zudem schneller rau und trocken. Im schlimmsten Fall kann sie einreißen, wodurch sich leichter Keime ansiedeln. Häufige Ursache: hochhackige, zu enge oder zu weite Schuhe, die zu schmerzhaften Hautrissen und stark verhornten Druckstellen führen.
Dass die Füße im Alter oder während einer Schwangerschaft wachsen, ist übrigens eine Mär. Zwar beobachten manche Erwachsene, dass sich ihre Füße im Laufe des Lebens vergrößern und sie eine Schuhnummer mehr brauchen. Der Grund liegt aber darin, dass das Fußgewölbe unter dem Druck des Körpergewichts abflacht und der Fuß deshalb eine größere Fläche einnimmt. Ganz klar: Je mehr Kilos die Füße tragen, umso mehr geben sie nach.
Auch wenn die Füße sehr mitgenommen wirken: Mit der richtigen Pflege und ein paar extra Streicheleinheiten lässt sich eine Menge erreichen. Etwa alle drei bis vier Wochen sollten wir die Nägel pflegen, sagt Podologin Geismann. Und dann? Die schön gepflegten Füße in Gesundheitsschuhen verstecken? Trotz ihres schlechten Rufs sind Flipflops, Sandalen und Highheels nicht grundsätzlich verboten. „Solange man falsche Schuhe nur ab und zu trägt, ist das okay“, sagt Expertin Geismann. Was unsere kleinen Spitzensportler ohnehin am liebsten mögen: öfter an die frische Luft und barfuß laufen!
Anne-Bärbel Köhle / Apotheken Umschau;
28.05.2010, aktualisiert am 28.10.2011
Bildnachweis: Getty Images/DAJ
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