Um das Rätsel des individuellen Körpergeruchs zu lüften, ersannen Forscher aus Wien im Jahr 2006 eine Art olfaktorischen (lateinisch olfacere = riechen) Feldversuch: Zehn Wochen lang sammelten sie im Abstand von 14 Tagen bei den Bewohnern eines Dorfs in Kärnten Schweiß aus dem Achselbereich.
Um möglichst unverfälschte Ergebnisse zu erzielen, mussten die Teilnehmer eine Reihe von „Reinheitsgeboten“ einhalten. Parfümierte Deos etwa waren tabu – ebenso das Rasieren der Achseln. Mehr noch: In den letzten zwölf Stunden vor der Schweißabgabe durften die Testkandidaten allenfalls eine Katzenwäsche durchführen.
Das Müffeln im Dienst der Wissenschaft bestätigte, was zuvor nur vermutet wurde: Jeder Mensch hat sein eigenes Schweißprofil. Der Geruchsforscher Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum nennt das den „olfaktorischen Fingerabdruck“.
Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede in den Duftmustern. Diese gehen in erster Linie auf flüchtige organische Stoffe zurück, darunter solche, die den Wohlgeruch von Jasmin, Flieder, Zimt, Nelken und Zitrusfrüchten ausmachen. Insgesamt entdeckten die Forscher aus Österreich mehr als 5000 chemische Komponenten in den Absonderungen der Achseln.
Derart reich an Inhaltsstoffen ist allerdings nicht jede Sorte Schweiß. Kühlungsschweiss etwa besteht praktisch nur aus Wasser und Salzen. Er ist das Sekret der kleinen Knäueldrüsen. Zwischen zwei und fünf Millionen solcher Schwitzorgane sind in der Unterhaut über den menschlichen Körper verteilt, die meisten an Handflächen und Fußsohlen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Körpertemperatur zu regeln. Tag für Tag geben sie im Durchschnitt rund zwei Liter Flüssigkeit an die Hautoberfläche ab. Verdunstet sie, kühlt der Körper ab.
Festmahl für Bakterien
Doch auch Angst, Wut, Schmerz oder sexuelle Erregung lassen uns ins Schwitzen kommen und verursachen feuchte Achseln. Solch emotional hervorgerufener Schweiß entstammt den großen Knäueldrüsen – auch apokrine Schweissdrüsen genannt. Sie entwickeln sich erst zu Beginn der Pubertät und sitzen nur an behaarten Körperstellen wie Achseln, Brust oder Genitalbereich. Neben Wasser und Salzen scheiden sie ein öliges Sekret aus, das reich an nahrhaften Fetten, Aminosäuren und Proteinen ist.
Aus dieser zunächst nahezu geruchlosen Mixtur entwickelt sich binnen weniger Minuten jene typische Duftwolke, die bei jedem Menschen etwas anders ausfällt. Einzelne Komponenten verwandeln sich allerdings schon bald in ein penetrant stinkendes Abfallprodukt. Die Ursache dafür sind Hautbakterien, die sich an den gehaltvollen Schweißbestandteilen gütlich tun. Sie zerlegen die langen, geruchlosen Fettsäureverbindungen in kurzkettige, flüchtige Substanzen, etwa in stinkige Buttersäure – ein molekulares Leichtgewicht, das auf direktem Weg in die Nase aufsteigt.
Eben dies sollen Deodorants und Antitranspirante auf unterschiedliche Weise verhindern. Klassische Deodorants sind reine „Entriecher“: Sie überdecken den Körpergeruch durch Parfüms oder enthalten Geruchsabsorber, die muffige Abbauprodukte fest an sich binden. Um Schweißgeruch aber möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen, mengen Kosmetikhersteller den Deodorants oft noch bakterienhemmen de Wirkstoffe wie Farnesol bei. Indem diese das Wachstum schweißfressender Mikroorganismen bremsen, verzögern sie auch die Entstehung unangenehmen Geruchs.
Noch einen Schritt vorher setzen Antitranspirante an, also Schweißhemmer. Ihre wichtigsten Vertreter sind saure Aluminiumsalze, welche die Ausfuhrgänge der Knäueldrüsen im oberen Teil verengen. Außerdem bilden sie mit Teilen des Schweißsekrets eine Art Pfropf, der die Schweißporen verstopft. Dies verringert das Schwitzen und beugt peinlichen Schweißflecken auf der Kleidung vor. Das ist auch der Grund dafür, dass Antitranspirante zu einem Trockengefühl unter den Achseln führen.
Die Mehrzahl der marktüblichen Produkte, die wir verkürzt als „Deo“ bezeichnen, enthält sowohl Geruchsüberdecker und bakterienhemmende Mittel als auch Schweißhemmer. „Erst die Kombi macht es“, bringt Dr. Heiner Max, Leiter des Forschungsbereichs Körperflege bei dem Hamburger Kosmetikhersteller Beiersdorf, das Erfolgskonzept moderner Deos auf den Punkt.
Ein Erfolg allerdings, der nur von begrenzter Dauer ist. Auch wenn die Produktwerbung oft einen anderen Eindruck erweckt: Bislang hat es noch keines der gängigen Deos geschafft, die Achselhöhlen deutlich länger als einen halben Tag mikrobenfrei zu halten. „Ein paar Bakterien überleben immer“, erklärt Max. „Und die vermehren sich so schnell, dass man im Nu wieder die Ausgangssituation hat.“
Viele der Substanzen, die effektiv gegen Schweiß wirken, sind aggressiv: Sie reizen die Haut und können daher nur in geringen Mengen verwendet werden. Selbst die häufig eingesetzten Aluminiumsalze werfen Probleme auf: Bei etwa zehn Prozent der Anwender, den sogenannten Aluminium-Low-Respondern, zeigen sie so gut wie keine Wirkung. Außerdem können sie scheußliche Flecken auf Textilien hinterlassen.
Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau;
28.09.2010, aktualisiert am 27.10.2011
Bildnachweis: W&B/Dirk Eisermann
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