Zarte und glatte Haut – das wünscht sich wohl jede Frau. Auszüge aus Heilpflanzen wie der Malve können da helfen
Kamille, Ringelblume, Stiefmütterchen, Kapuzinerkresse: Sie sprießen dekorativ auf der Wiese, auf dem Acker oder im Garten und wirken eher unbedeutend – bis man im Labor genauer analysiert, was sie als Helfer für die Haut leisten können.
Kamille zum Beispiel: „Sie wirkt auf der Haut entzündungshemmend“, erklärt Dr. Michael Mainka, Apotheker mit Schwerpunkt Phytotherapie aus Hildesheim. Anwendungsstudien zeigen schon seit Jahrzehnten die positiven Effekte. Die Kamille hat zudem „gewisse antimikrobielle Wirkungen“, erklärt Professor Matthias Augustin, Hautarzt und Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie in Hamburg. Pflanzliche Inhaltsstoffe können also tatsächlich Keime auf der Haut bekämpfen. Die Ringelblume wird schon lange für die Hautpflege verwendet, fördert die Heilung rissiger Stellen und lässt kleine Wunden schneller verschwinden. Die Inhaltsstoffe des Stiefmütterchens sollen die Haut vor schädlichen Einflüssen schützen, die der Kapuzinerkresse einen trockenen, schuppenden Teint wieder weich und gesund pflegen.
Sanft und kraftvoll zugleich
„Viele Pflanzen halten auch einer Überprüfung nach modernen wissenschaftlichen Kriterien stand“, sagt Augustin. Manche der grünen Helfer erweisen sich dabei als überraschend wirkungsvoll. Die Chilischote etwa enthält Capsaicin, das manche Hautärzte gegen hartnäckigen Juckreiz einsetzen. In Studien wies unter anderem die Universität Freiburg die lindernde Wirkung nach. Auch in vielen Hautkliniken werden Patienten mit schweren Symptomen mit Cremes und Lotionen behandelt, die Capsaicin enthalten und die der Apotheker nach Verschreibung des Arztes herstellt.
Manchmal erweisen sich Pflanzenbestandteile in Studien sogar als wirksamer als synthetische Substanzen. „Bei Menschen mit Neurodermitis, die eine sogenannte Superinfektion mit Pilzen oder Bakterien entwickelt haben, helfen Cremes mit Korianderöl besser als etwa Hydrocortison. Das zeigen mehrere experimentelle und klinische Studien“, berichtet der Dermatologe Augustin. Das Problem: Solche Cremes gibt es nicht als Fertigprodukt zu kaufen. Ein Arzt, der sich mit Pflanzenmedizin auskennt, muss sie deshalb verschreiben und ein Apotheker als sogenannte Magistralrezeptur selbst herstellen.
Länger jung und straff
Beim Thema Pflanzen geht es aber nicht nur um medizinische Hautprobleme. Viele Gewächse gelten auch als kosmetische Wundermittel. Sie sollen helfen, die Haut jünger und straffer zu halten, besser zu befeuchten und vor schädlichen Umwelteinflüssen zu bewahren (siehe Bildergalerie unten). Wie wirkungsvoll die sanften Haut-Helfer sind, ob eine Pflanze zu Heil- oder zu Kosmetikzwecken dient, „hängt unter anderem davon ab, in welcher Dosierung und Kombination die Wirkstoffe vorkommen“, erläutert Mainka. Erkundigen Sie sich im Einzelfall in Ihrer Apotheke. Bei der Frage, ob eine Creme, ein Shampoo oder eine Lotion als Kosmetikum oder als Medizin gilt, spielt es eine wichtige Rolle, als was das Produkt zugelassen wurde.
Geheimnisvolle Kraft
Ob auf kosmetischem oder medizinischem Gebiet: Die grünen Helfer besitzen viele positive Eigenschaften. „Sie sind preiswert, werden meist gut vertragen, haben bei sachgerechter Anwendung in der Regel wenig Nebenwirkungen – und entfalten ihre Eigenschaften überwiegend in ihrem spezifischen Wirkstoffgemisch“, zählt Augustin auf. Warum sich manche Pflanzen so günstig bei Hauterkrankungen auswirken, lässt sich deshalb nur teilweise erklären. „Natürlich gibt es Leitsubstanzen, bei denen man Effekte wissenschaftlich nachweisen kann. Aber sie wirken im Zusammenspiel mit all den anderen Bestandteilen der Pflanze und ergeben deren einzigartige Wirkung“, erläutert Experte Augustin. Deshalb kann man die Wirkstoffe aus Kräutern und Blumen auch nicht einfach synthetisch nachbauen. Heilpflanzen sind eben etwas ganz Besonderes.
So machen Heilpflanzen Ihre Haut schön
Malve
Sie blüht von Juni bis Oktober und gilt als äußerst genügsam. Doch die Malve hat es in sich. Ihre Schleimstoffe wirken reizlindernd. Außerdem enthält sie jede Menge sekundäre Pflanzenstoffe – und diese sollen die Zellen schützen. Malvenextrakte finden sich deshalb unter anderem in Gesichtscremes und Shampoos für angegriffenes Haar.
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Hamamelis
Zaubernuss heißt die Pflanze im Volksmund. Tatsächlich kann die Hamamelis auf der Haut wahre Wunder bewirken. Die Pflanze verfügt über Gerbstoffe, die Entzündungen hemmen und Schwellungen lindern sollen. Cremes und Masken mit ihrem Wirkstoff wirken spröder Haut entgegen.
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Kamille
Empfindliche und gestresste Haut wird durch Kamille wieder wunderbar weich. Deren Öl enthält Wirkstoffe, die Hautrötungen und -reizungen lindern. Nachteil: Manche Menschen reagieren auf Korbblütler wie Kamille allergisch und sollten deshalb besser auf diesen Inhaltsstoff verzichten.
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Salbei
Schluss mit Hautunreinheiten! Die antibakteriell wirksamen Substanzen des Salbeis desinfizieren, Gerbsäuren ziehen die Poren zusammen. Das verringert die Talgproduktion. Salbei findet sich unter anderem in Gesichtspuder und Shampoos für graues Haar.
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Johanniskraut
Die zarte Pflanze soll Reizungen lindern, Juckreiz hemmen und die Wundheilung fördern. Johanniskrautöl ist besonders reich an ungesättigten Fettsäuren und pflegt zum Beispiel, verpackt in Balsam, spröde Lippen wieder weich.
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Die besten grünen Helfer
Bei vielen Hautproblemen hat sich der Einsatz von Pflanzen bewährt. Das gilt zum Beispiel für ...
... trockene Haut: Auszüge aus Aloe vera befeuchten. Cremes mit Kakao- und Sheabutter helfen, Feuchtigkeitsdepots aufzubauen.
... empfindliche Haut: Mandelöl beruhigt. Kamille, Birkenblätter und Ringelblume beugen Irritationen vor.
... fettige Haut: Iris, Zaubernuss (Hamamelis) und Wegwarte sollen die Haut klären und die Poren verfeinern.
... Fältchen: Nachtkerzenöl, Granatapfel und Rotklee wehren schädigende Einflüsse ab und beugen so der Hautalterung vor.
... Cellulite: Birke, Efeu, Frauenmantel und Schachtelhalm in Cremes und Ölen sollen für ein gleichmäßigeres Hautbild an Oberschenkeln und Po sorgen.
Gut erforscht
Rationale Phytotherapie heißt der Forschungszweig, der sich der Heilkraft von Blumen, Kräutern und Wurzeln widmet. Im Wesentlichen unterscheiden Wissenschaftler vier Wirkweisen von Pflanzen auf die Haut:
1. Pflanzen wirken antiphlogistisch, sie können also Entzündungen mildern. Das vermögen etwa Zubereitungen mit Hamamelis. Nachtkerze und Borretsch haben eine eher schwächere Wirkung und eignen sich deshalb zur Nachbehandlung.
2. Pflanzen wirken als Antipruriginosa. Capsaicin, ein Inhaltsstoff der Chilischote, bekämpft zum Beispiel Brennen und Juckreiz auf der Haut. Das nützt Patienten mit Schuppenflechte.
3. Pflanzen wirken adstringierend, also blutstillend und austrocknend. Das ist bedeutsam für Patienten mit nässenden Ekzemen und trifft zum Beispiel auf Eichenrinde zu.
4. Pflanzen wirken antimikrobiell, sie sind also in der Lage, Krankheitserreger auf der Haut abzutöten. Das leisten etwa bestimmte ätherische Öle, zum Beispiel Koriander- und Thymianöl sowie Auszüge aus Johanniskraut und Kamille.
Anne-Bärbel Köhle / Apotheken Umschau;
27.10.2011, aktualisiert am 18.11.2011
Bildnachweis: Panthermedia/Kay Augustin, dpa Picture-Alliance/Gabriele Meermann, W&B/Annette Falck, W&B/Martin Ley, W&B/Forster und Martin
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