Der direkte Vergleich fördert ein eindeutiges Ergebnis zutage: Männerhaut ist einfach besser als Frauenhaut. Sie ist dicker (0,8 bis 1,2 Millimeter gegenüber 0,6 bis 0,9 Millimetern bei Frauen), mit Hochleistungs-Talg- und Schweißdrüsen ausgestattet und besitzt ein reißfestes Bindegewebe, das nie Probleme wie Cellulite machen wird.
Männerhaut mit ihrem außerordentlich hohen Kollagengehalt altert später als Frauenhaut – und dann auch noch charmanter: Bei Männern zeigen sich „Linien“, die sie „interessanter“ machen. Frauen dagegen bekommen Falten.
Klar, Männer sind stärker behaart, aber es stört die meisten kaum. Je älter ein Mann, desto weniger Aufhebens macht er um seine Körperbehaarung – gerade einmal 29 Prozent der Männer, die von der GfK im Auftrag der Apotheken Umschau befragt wurden, enthaaren sich außerhalb des Gesichts. Entspannte Männer also.
Wer so schöne Haut hat, will sie auch erhalten. 74 Prozent finden es selbstverständlich, dass auch ein Mann seine Haut gut pflegt. Aber wie? Es sollte schon ein bisschen mehr sein als das altbekannte Duo „Wasser und Seife“.
Typfrage
Der Hautzustand, umgangssprachlich auch Hauttyp genannt, gibt den Ton an. „Prinzipiell sollte sich die Pflege nicht nach dem Geschlecht, sondern nach dem Hautzustand richten“, sagt der Münchner Dermatologe Dr. Harald Bresser. Also nicht einfach zur erstbesten Männercreme greifen, sondern überlegen: Ist die Haut eher glänzend und fettig, neigt sie zu Pickeln und Mitessern? Oder ist sie trocken, spannt, hat schuppige Stellen?
„Da sind die Unterschiede zwischen einzelnen Männern viel größer als zwischen Männern und Frauen“, betont Bresser. Grundsätzlich könnte also ein Mann die Creme seiner Partnerin mitbenutzen – sofern sie den gleichen Hauttyp hat und erlaubt, dass er sich an ihren Tiegeln bedient. Wer unsicher ist, wie er seinen Hautzustand einschätzen soll, kann sich in der Apotheke oder beim Hautarzt beraten lassen.
Gesichtskontrolle
Frauen benutzen bis zu 15 Kosmetikprodukte jeden Tag, Männer haben es da gerne übersichtlicher. Eine Creme muss reichen, die wenigsten (unter drei Prozent) verwenden mindestens einmal monatlich Peelings, Masken oder eine Augencreme. Sie wollen eine Feuchtigkeitspflege, die kühlt und fettige Stellen mattiert. Dazu ein passendes Reinigungsgel – bei unreiner Haut hält es die Talgdrüsen in Schach.
Eine Gesichtscreme benutzen 50 Prozent der Männer in unserer Umfrage, aber nur 18 Prozent tun dies täglich. Antifalten-Cremes sind für die wenigsten ein Thema, nur vier Prozent verwenden eine. Männer stören sich weniger an den Zeichen der Zeit, selbst bei den über 70-Jährigen geben nur rund 20 Prozent an, etwas gegen ihre Hautalterung unternehmen zu wollen. Bei den Jüngeren war der Anteil noch geringer.
Körperkontakt
Duschen – und zwar ausgiebig – ist auf jeden Fall Männersache. Gespart wird lieber hinterher: an der Bodylotion. „Für viele Männer ist es immer noch undenkbar, sich nach dem Duschen einzucremen. Dabei ist die Haut vom Wasser ausgelaugt“, sagt Dermatologe Harald Bresser.
Zwar gaben in unserer Umfrage 48 Prozent an, eine Bodylotion zu benutzen, aber nur vier Prozent verwenden sie täglich. Doch es muss sein: Wasser, gerade heißes, wäscht wertvolle Fette und Feuchtigkeit aus der Haut, die dann spannt und juckt. Lotionen mit Harnstoff (Urea), Panthenol oder Bisabolol geben ihr diese zurück, beruhigen und halten sie schön geschmeidig.
Bart-Check
Wenn es um die Rasur geht, sind Männer Experten, kümmern sie sich doch fast täglich um den Wuchs im Gesicht. Sie wissen: Ein Balsam oder Gesichtswasser nach dem Rasieren ist ein Muss, um die Haut zu beruhigen. 84 Prozent benutzen ein Aftershave-Produkt. Gerade bei der Nassrasur entstehen schnell winzige Verletzungen, welche die Haut reizen. Sie brennt oder juckt und rötet sich.
Barthaare können einwachsen, etwa wenn sie beim Rasieren zu kurz oder zu lang sind – dann entstehen kleine Knötchen, die sich entzünden. Dagegen kann man etwas tun: Haut vor der Rasur gut mit warmem Wasser befeuchten, Rasierschaum oder -gel mit kreisenden Bewegungen einmassieren. Dann richten sich die Haare auf und lassen sich leichter entfernen.
Rasiergels enthalten Salizyl- oder Glykolsäure, sie befreit die Poren von überflüssigen Hautschüppchen. Barthaare wachsen dann nicht so leicht ein. Empfindliche Haut zeigt sich oft beim Rasieren. Schon im Rasierschaum stecken deshalb beruhigende Wirkstoffe wie Allantoin, Bisabolol oder Thermalwasser. Ein geeigneter Aftershave-Balsam liefert außerdem eine Extraportion Feuchtigkeit, zum Beispiel mit Glyzerin oder Hyaluronsäure.
Fünf Freunde: Wirkstoffe für den Mann
Interview mit Suzanne Sennecke-Bölch. Apothekerin aus Freiburg, die auch gerne Männer zum Thema Kosmetik berät.
Frau Sennecke-Bölch, ist Männerkosmetik in der Apotheke ein Thema?
Auf jeden Fall, den meisten Männern reichen Wasser und Seife schon lange nicht mehr. Sie haben erkannt, dass sie etwas für ihre Haut tun müssen. Aber sie sollten sich nicht an den Tiegeln ihrer Frauen vergreifen.
Warum nicht?
Männerhaut produziert etwa doppelt so viel Talg wie Frauenhaut, sie ist fettiger, die Poren verstopfen schneller, es gibt mehr Unreinheiten. Deshalb braucht sie viel Feuchtigkeit, die steckt in mattierenden Fluids und Gels.
Mit welchen Hautproblemen kommen Männer in die Apotheke?
Viele haben empfindliche Haut, die sich nach der Rasur rötet und entzündet. Pflege beginnt bei der Rasur: Ein auf Haut und Bartwuchs abgestimmter Rasierschaum bringt schnell Linderung. Dann benutzen die Kunden gerne die passende Gesichtscreme.
Auch gegen Falten?
Männer verlangen nicht explizit eine Antifalten-Creme. Aber sie wollen schon sicherstellen, dass die Haut nicht so schnell altert, und suchen deshalb nach einer hochwertigen Pflege.
Zum Schluss noch ein paar interessante Zahlen:
Nadja Katzenberger / Apotheken Umschau;
06.01.2012
Bildnachweis: W&B/Stefan Hauck, W&B/Cira Moro
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