Sekundäre, symptomatische Kopfschmerzen
Treten Kopfschmerzen zum ersten Mal auf, verstärkt sich ein bekannter Kopfschmerz oder kommen die Schmerzattacken häufiger als üblich, muss unbedingt ein Arzt klären, ob dahinter eine Erkrankung steckt. Weitere Untersuchungen sind insbesondere dann nötig, wenn die Beschwerden nicht den typischen Kriterien für einen primären Kopfschmerz entsprechen oder wenn die Krankengeschichte oder die Untersuchung der Nervenfunktionen (neurologische Untersuchung) den Verdacht auf einen sekundären Kopfschmerz aufkommen lassen.
Im Folgenden werden kurz einige wichtige Ursachen für sekundäre Kopfschmerzen aufgelistet. Die Liste ist jedoch keineswegs vollständig, da es so viele Gründe für sekundäre Kopfschmerzen gibt (zum Beispiel ein Sonnenstich, Gebissfehlstellungen, unkorrigierte Kurzsichtigkeit, ...), dass eine vollständige Aufzählung hier nicht möglich wäre.
Infektionen
Die meisten Menschen machen im Laufe ihres Lebens – oft schon in der Kindheit – Bekanntschaft mit Kopfschmerzen, die im Rahmen einer Infektionskrankheit, wie zum Beispiel eines Virus-Infektes auftreten. Üblicherweise liegen zugleich noch verschiedene andere Symptome vor (zum Beispiel Hautausschlag, Husten, Fieber ...), die mehr oder weniger typisch für die zugrundeliegende Erkrankung sind.
Klingt der Infekt ab, verschwinden auch die Kopfschmerzen. Eine besondere Behandlung ist daher meist nicht notwendig. Ruhe kann die Symptome in manchen Fällen lindern. Falls nötig, kann auch auf Schmerzmittel zurückgegriffen werden. Bei Kinder unter 14 Jahren sollten diese jedoch keine Acetylsalicylsäure enthalten, da dieser Wirkstoff bei ihnen unter bestimmten Bedingungen zu gefährlichen Leber- und Gehirnschäden führen kann (sogenanntes Reye-Syndrom, Ursache noch nicht endgültig geklärt). Viele Medikamente sind auch nicht für schwangere oder stillende Frauen geeignet. Sie sollten sich vor der Einnahme von Arzneimitteln unbedingt von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen.
Kopfschmerzen als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas
Gewalteinwirkung im Bereich des Kopfes beziehungsweise eine Verletzung, zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall, Sturz oder Schlag auf den Schädel, können Kopfweh zur Folge haben.
Bei solchen Schädel-Hirn-Traumen sollte unbedingt ein Arzt ausschließen, dass es nicht zu einer Blutung im Bereich der Hirnhäute oder des Gehirns gekommen ist. Eine solche Blutung kann lebensgefährlich sein. Warnzeichen dafür wären, dass der Betroffene bewusstlos war oder wird, sehr schläfrig oder gar apathisch ist, nicht mehr adäquat reagiert, seine Pupillen sich weiten, sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen oder unterschiedlich groß sind. In diesen Fällen gilt es, unverzüglich einen Arzt zu alarmieren beziehungsweise ein Krankenhaus aufzusuchen.
Fließt klare Flüssigkeit oder Blut aus Ohr oder Nase, könnte dies ein Hinweis auf einen Bruch der Schädelbasis sein. In diesem Fall muss sofort ein Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden.
Zum Ausschluss einer Blutung oder eines Schädelbruchs kann eine Computertomografie nötig sein. Bei Babys, deren Fontanellen noch nicht geschlossen sind, kann möglicherweise auch eine Untersuchung mit Ultraschall weiterhelfen, sodass keine Belastung mit Röntgenstrahlen notwendig ist.
Kopfschmerzen als Folge einer Blutung / Subarachnoidalblutung (SAB)
Kopfschmerzen können auch als Folge von Blutungen im Bereich des Gehirns oder der Hirnhäute auftreten. Bei der Subarachnoidalblutung dringt Blut in den mit Nervenflüssigkeit (Liquor) gefüllten Raum zwischen der zarten Bindegewebshaut, die das Gehirn direkt umschließt (Pia mater), und der darüber liegenden Spinnwebhaut (Arachnoidea mater) ein. Ursache für eine Subarachnoidalblutung sind meist geplatzte Gefäßerweiterungen (Aneurysmen).
Plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen, denen häufig zeitlich verzögert Nackenschmerzen folgen, können auf eine Subarachnoidalblutung hinweisen. Begleitet werden diese Schmerzen in etwa 50 Prozent der Fälle von Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Manche Betroffene entwickeln auch Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle. Typischerweise klagen die Patienten über Lichtscheu (Photophobie) und Nackensteifigkeit.
Bei Verdacht auf eine neu aufgetretene Subarachnoidalblutung wird der Arzt ein Computertomogramm anordnen. Bei diesem bildgebenden Verfahren wird das Gehirn mit Röntgenstrahlen quasi scheibchenweise untersucht. Eine Kernspintomografie (MRT = Magnetresonanztomografie) ist geeignet, um auch noch Tage nach dem Ereignis die Blutung nachzuweisen.
Sind die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren unauffällig und besteht dennoch der Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung, kann eine Liquoruntersuchung (Nervenwasseruntersuchung) weiterhelfen.
Kopfschmerz als Nebenwirkung von Medikamenten oder anderen Stoffen sowie deren Entzug
Kopfschmerzen können auch als Nebenwirkung der verschiedensten Medikamente auftreten. Die Antibaby-Pille, Nitrate und Phosphodiesterasehemmer sind nur Beispiele für einige typische Arzneigruppen, bei deren Einnahme Kopfschmerzen auftreten können.
Tückischerweise kann auch der zu häufige Gebrauch von Schmerzmitteln zu Kopfschmerzen führen. Als „zu häufig“ wird dabei definiert, wenn ein Patient mehr als drei Monate lang an mehr als 10 Tagen pro Monat Schmerz- oder Migränemittel (Triptane, Ergotamine) einnimmt. Diese sollten auch nicht an mehr als drei Tagen hintereinander eingenommen werden. Die Menge der Schmerzmittel an einem Tag spielt dabei eine weniger wichtige Rolle.
Aber nicht nur Arzneimittel, sondern auch andere Stoffe können dazu führen, dass sensiblen Personen der Kopf weh tut. So können Alkohol, Drogen und bestimmte Nahrungsmittelbestandteile oder –zusätze ebenfalls für die Schmerzen verantwortlich sein.
Auch der Entzug regelmäßig konsumierter Substanzen kann Kopfschmerzen hervorrufen. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Koffeinentzug, der bei Personen, die normalerweise große Mengen dieses Stoffes zu sich nehmen, zu einem brummenden Schädel führt.
Kopfschmerzen als Folge einer Reizung der Hirnhäute / Meningitis
Eine Reizung der Hirnhäute (Meningen) kann ebenfalls Kopfschmerzen zur Folge haben. Bei der Meningitis handelt es sich um eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die meist durch Infektionen, zum Beispiel mit Bakterien (eitrig) oder Viren (nicht-eitrig) hervorgerufen wird.
Die bakterielle Meningitis macht sich vor allem durch drei typische Symptome bemerkbar: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Fieber. Zeichen einer bakteriellen Infektion der Haut oder Lunge können den Verdacht untermauern. Zusätzlich können Begleitsymptome wie Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen sowie Benommenheit und epileptische Anfälle auftreten.
Die wichtigste Untersuchung, um die Diagnose einer Meningits zu sichern, ist eine Gewinnung von Gehirn- und Nervenwasser (Liquor). Der Arzt sticht dazu mit einer speziellen Nadel am Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule ein und hält erst inne, wenn er mit der Nadelspitze den flüssigkeitsgefüllten Raum zwischen der Rückenmarkshaut und dem Rückenmark erreicht. Er entnimmt eine gewisse Menge an Liquor und schickt diese zur Untersuchung ins Labor.
Vor der Lumbalpunktion sollte sicher gestellt sein, dass bei dem Patienten kein erhöhter Druck durch das Hirnwasser auf das Gehirn (Hirndruck) besteht. Ansonsten können sich Komplikationen entwickeln, wenn Gehirnwasser zur Untersuchung entnommen wird. Um einen erhöhten Hirndruck auszuschließen, untersucht der Arzt den Augenhintergrund. Gegebenenfalls ordnet er auch eine bildgebende Untersuchung (Magnetresonanztomografie oder Computertomografie) des Gehirns an. Auch auf diese Weise lassen sich Anzeichen für einen erhöhten Hirndruck finden.
Zur Behandlung der eitrigen Meningitis kommen vor allem Antibiotika in Frage. Manchmal ist auch Kortison nötig, um einen erhöhten Hirndruck zu senken und Folgeschäden der Entzündung zu verhindern.
Entzündung der Schläfenarterie (Riesenzellarteriitis, Arteriitis temporalis)
Die Riesenzellarteriitis ist vornehmlich eine Erkrankung älterer Menschen. Es handelt sich dabei um eine Gefäßentzündung, die zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises gehört. Sie tritt plötzlich (akut) oder weniger heftig und verzögert (subakut) auf. Neben ein- oder beidseitigen stechend-bohrenden Kopfschmerzen findet sich häufig eine schmerzhafte Verhärtung oder Pulsabschwächung der kleinen Schlagader an der Seite der Schläfe (Temporalarterie).
Zusätzlich treten auch andere Krankheitszeichen wie eine Erhöhung der Körpertemperatur, Schmerzen beim Kauen, Appetitlosigkeit und unter Umständen auch Gewichtsabnahme auf. Typisch sind auch Sehstörungen, die bis hin zur kompletten Erblindung führen können. Werden Diagnostik und Therapie nicht rechtzeitig eingeleitet, droht der vollständige Verlust der Sehfähigkeit.
Die Riesenzellarteriitis tritt in über der Hälfte der Fälle gemeinsam mit einer Form von Muskelrheumatismus (Polymyalgia rheumatica) auf, die Schmerzen der Schulter- und Beckengürtelmuskulatur und der Gelenke verursacht.
Besteht ein Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis kann eine Bestimmung gewisser Entzündungszeichen im Blut weiterhelfen. Eine Erhöhung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) und des C-reaktiven Proteins (CRP) ist relativ typisch für diese Krankheit.
Spricht ein Patient, bei dem die charakteristischen Anzeichen und Laborwerte vorhanden sind, auf eine Behandlung mit Kortison an, ist das ein Zeichen dafür, dass es sich tatsächlich um eine Arteriitis temporalis handelt. Letzte Klarheit über die Diagnose gewinnt der Arzt jedoch anhand der Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) aus der Temporalarterie. Zeigen sich bei der mikroskopischen Untersuchung dieser Gewebeprobe die für die Krankheit typischen Riesenzellen, ist der Beweis erbracht.
Schon bei einem begründeten Verdacht auf eine Arteriitis temporalis sollte jedoch rasch mit der Therapie begonnen werden, da sonst ein unwiederbringlicher Verlust der Sehfähigkeit eintreten kann. Die entscheidende Behandlungsmaßnahme ist die Gabe von Kortisonpräparaten.
Sinusvenenthrombose
Verstopfen die großen Sammelvenen im Gehirn – zum Beispiel durch einen Blutpfropf – bezeichnet man das als eine Thrombose der Sinusvenen. Sie führt zur Behinderung des Blutabflusses und zur Druckerhöhung im Gehirn. Meist sind die Kopfschmerzen drückend und verstärken sich im Liegen.
Rasch können sich bei Sinusthrombose Hirnnervenausfälle, Halbseitenlähmungen und epileptische Anfälle entwickeln. Wichtig ist daher eine zügige Diagnosestellung mit Hilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT), die mit einer Darstellung der Hirngefäße gekoppelt sein sollte (MR-Angiografie) oder einer Computertomografie.
Die Therapie bei der Sinusvenenthrombose richtet sich danach, welche Ursache ihr zugrunde liegt. Durch gerinnungshemmende Maßnahmen soll der Blutfluss verbessert und verhindert werden, dass sich der Thrombus vergrößert. Spielt eine Infektion bei der Entstehung des Thrombus eine Rolle sind eventuell auch Antibiotika nötig.
Dissektionen der hirnversorgenden Arterien
Bei einer Dissektion reißt die Gefäßwand ein. Dissektionen können zum Beispiel durch Verletzungen oder infolge von Bindegewebserkrankungen, aber auch ohne nachweisbare Ursache entstehen. Dissektionen der großen hirnversorgenden Arterien führen zu plötzlichen halbseitigen Kopf- oder Nackenschmerzen. Durch den Einriss in der Gefäßwand wird der Blutfluss behindert oder es tritt sogar Blut aus dem Gefäß aus.
Zwischen dem Auftreten der Gefäßdissektion und der Durchblutungsstörung im Gehirn kann eine Zeitspanne von mehreren Tage liegen, in welcher der Gefäßschaden nicht nachweisbar ist. Manchmal weist jedoch auch ein einseitiges Horner-Syndrom (= Pupillenverengung, eingesunkener Augapfel, herabhängendes Augenoberlid) auf eine Dissektion der großen inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) hin. Ebenso können, wenn eine Blutung einsetzt, Zeichen von Hirnnervenschädigungen – wie zum Beispiel Schluckstörungen, Zungenlähmung und Sprachstörungen (Dysarthrie) – den Verdacht auf eine Dissektion bestärken.
Eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße kann Hinweise auf eine Dissektion geben. Eine sichere Diagnose liefert die Magnetresonanztomografie mit gleichzeitiger Gefäßdarstellung (MR-Angiografie).
Erkrankungen von Hals, Zähnen, Augen, Nase, Nasennebenhöhlen ...
Auch verschiedene andere Erkrankungen können zu Kopfschmerzen führen. Insbesondere sind hier Erkrankungen des Hals-, Kopf- oder Gesichtsbereiches zu nennen, aber auch manche systemischen Erkrankungen, wie ein starker Bluthochdruck oder ein Sonnenstich können Kopfweh verursachen. Auch Kurzsichtige, deren Fehlsichtigkeit noch nicht korrigiert ist, leiden oft unter Schmerzen im Kopfbereich. Bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen oder einer Gebissfehlstellung kann dieses Symptom ebenfalls auftreten.
Hirntumoren
Kopfschmerzen aufgrund von Hirntumoren sind eher selten. An einen Tumor als Ursache sollte jedoch insbesondere dann gedacht werden, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen Krampfanfälle auftreten oder wenn es gleichzeitig zu morgendlichem Erbrechen kommt. Bestehen solche Symptome oder gibt es andere Gründe, die das Vorliegen eines Hirntumors wahrscheinlich erscheinen lassen, muss unbedingt eine bildgebende Untersuchung des Gehirns Klarheit schaffen.
Druckerhöhung des Nervenwassers (Pseudotumor cerebri)
Der Pseudotumor des Gehirns ist definiert als Druckerhöhung im Nervenwasser (Liquor), ohne dass irgendeine Geschwulst oder eine andere Ursache dafür nachweisbar wäre. Auch der Liquorbefund, das heißt die Zusammensetzung des Nervenwassers, ist unauffällig.
Leitsymptom des Pseudotumor cerebri ist ein Kopfschmerz, der häufig drückenden Charakter hat. Sehstörungen (visuelle Reizerscheinungen, Gesichtsfeldausfälle, Sehminderung, Doppelbilder) und Ohrenklingeln (Tinnitus) begleiten den Kopfschmerz. Der Pseudotumor cerebri kommt vor allem bei übergewichtigen Frauen im gebärfähigen Alter vor, kann aber selten auch Männer betreffen.
Die Untersuchung des Augenhintergrundes liefert charakteristische Befunde, die darauf hinweisen, dass der Sehnerv durch den Liquorüberdruck beeinträchtigt ist. Die entscheidende diagnostische Maßnahme ist aber die Messung des Liquordrucks. Eine Raumforderung im Kopf und Sinusthrombosen müssen ausgeschlossen werden.
Die Therapie besteht meist darin, etwas Nervenwasser abzulassen, um den Druck auf das Gehirn zu senken. Bei milderen Formen können eventuell auch eine Normalisierung des Körpergewichts und Medikamente helfen.
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 08.12.2011
Bildnachweis: Banana Stock/RYF, Imagesource/RYF
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