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Kopfschmerzen:
Therapie (2)

Wie werden primäre Kopfschmerzformen am besten behandelt? Ein Überblick


Brausetabletten gegen Kopfschmerzen: Manche Patienten ziehen diese Verabreichungsform vor

Behandlung der Migräne

Migräne kann die Betroffenen mitunter stark in ihren Aktivitäten einschränken. Neben der Bekämpfung der einzelnen Attacken kann es bei häufigen Migräneanfällen daher auch sinnvoll sein, den Kopfschmerzen mit bestimmten Medikamenten vorzubeugen. Empfohlen wird dies unter anderem dann, wenn

  • die Attacken regelmäßig sehr lange (mehr als drei Tage) anhalten,
  • drei oder mehr Attacken pro Monat auftreten
  • die Kopfschmerzen nicht auf die Therapie ansprechen oder starke Nebenwirkungen bei der Behandlung auftreten
  • die Häufigkeit der Migräneanfälle zunimmt und an mehr als zehn Tagen pro Monat Schmerzmittel zur Bekämpfung nötig sind
  • Auren sehr lange andauern oder mit unangenehmen Symptomen (wie Lähmungen) verbunden sind

Therapie der Migräneattacken

Auch Migräne lässt sich durch gängige Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (Vorsicht: Nicht bei Kindern unter 14 – siehe Einleitung Kapitel „Therapie“) Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Metamizol oder Paracetamol lindern. Die Wahl des Schmerzmittels richtet sich vor allem nach der Verträglichkeit und der Art der Verabreichung. Manche ziehen Brause- oder Kautabletten vor, weil sie ihre Wirkung schneller entfalten. Bei starker Übelkeit kann es unter Umständen auch sinnvoll sein, das Schmerzmittel als Zäpfchen zu verabreichen.

Für die geeignete Dosierung sollten Sie sich auf jeden Fall bei Ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Denn um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, nicht zu wenig von dem Wirkstoff einzunehmen. Andererseits besteht bei einer zu hohen Dosis natürlich die Gefahr von Nebenwirkungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen.

Spezielle Migräne-Medikamente sind die Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan, Zolmitriptan). Sie sind die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken. Sie werden als Tabletten (auch als Schmelztabletten) eingenommen, können aber ebenfalls als Nasenspray, als Zäpfchen oder unter die Haut (subkutan) verabreicht werden.

Nebenwirkungen der Triptane können zum Beispiel ein Engegefühl im Brustbereich sowie Missempfindungen in Armen und Beinen sein. Gegen eine Anwendung von Triptanen sprechen unter anderem bestimmte Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen. Ebenso sollten diese Medikamente nicht bei Kindern und Jugendlichen (Ausnahme ab 12 Jahren: Sumatriptan Nasenspray), in Schwangerschaft oder Stillzeit sowie gleichzeitig mit Ergotamin oder bestimmten Antidepressiva eingesetzt werden.

Das Mutterkornalkaloid Ergotamin ist ein älteres Mittel und ebenfalls bei Migräne gut wirksam. Nebenwirkung von Ergotamin können unter anderem Erbrechen, Übelkeit, Muskelkrämpfe und Kältegefühl sein. Auch Ergotamin sollte nicht bei Kindern unter 12 Jahren, bei schwangeren oder stillenden Frauen sowie bei vielen Herz- und Gefäßkrankheiten eingesetzt werden. Da Ergotamin starke Nebenwirkungen am Gefäßsystem haben kann, wird es kaum noch verwendet.

Wichtig: Alle der genannten Medikamente und Schmerzmittel können bei häufiger Anwendung selbst Kopfschmerzen hervorrufen. Wer also unter einer Therapie mit diesen Arzneimitteln mehr oder häufiger Schmerzen hat als zuvor, sollte unbedingt mit seinem Arzt darüber sprechen. Triptane und Schmerzmittel sollten nicht mehr als zehn Tage im Monat und nicht länger als drei Tage hintereinander eingenommen werden.

Ein sehr unangenehmes Begleitsymptom der Migräne ist die Übelkeit. Um sie zu bekämpfen, gibt es spezielle Mittel – die sogenannten Antiemetika. Sie treiben zum Beispiel die Entleerung des Magens in Richtung Darm voran, lindern die Übelkeit und beugen Erbrechen vor. Der Arzt kann diese Medikamente auch spritzen, so dass nicht die Gefahr besteht, dass sie gleich wieder erbrochen werden.

Vorbeugung von Migräneattacken (Prophylaxe)

Bei häufigen Migräneattacken sollte den Kopfschmerzen mit Medikamenten vorgebeugt werden. Besonders geeignet sind dazu die sonst als Blutdrucksenker eingesetzten Betablocker Metoprolol und Propranolol, der Kalziumantagonist Flunarizin und die auch bei Epilepsie verordneten Medikamente Valproinsäure und Topiramat. Unter Umständen kommen auch andere Arzneimittel in Frage, sie sind jedoch eher zweite Wahl.

Die Prophylaxe mit Medikamenten sollte durch nicht-medikamentöse Verfahren wie Verhaltenstherapie (zum Beispiel Biofeedback-Training) und Ausdauersport ergänzt werden. Gerade bei Patienten mit sehr häufig auftretenden Kopfschmerzattacken sowie einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität kann auch eine psychologische Betreuung sinnvoll sein.

Behandlung des Spannungskopfschmerzes

Bei akuten Spannungskopfschmerzen können zum Beispiel die Schmerzmittel Acetylsalizylsäure (Vorsicht: Nicht bei Kindern unter 14 – siehe Einleitung Kapitel „Therapie“), Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol helfen. Auch Mischpräparate, die verschiedene Wirkstoffe und meist auch Koffein zur Verstärkung der Wirkung enthalten, können beim akuten Spannungskopfschmerz eingesetzt werden.

Manchem Betroffenen hilft es, großflächig Pfefferminzöl auf Schläfe und Nacken aufzutragen. Doch Vorsicht: Bringen Sie das Öl nicht an oder in die Augen.

Ob beim häufig auftretenden Spannungskopfschmerz eine Vorbeugung (Prophylaxe) mit Medikamenten sinnvoll ist, ist noch nicht geklärt. Jedenfalls sollten Personen mit häufigen Spannungskopfschmerzen sich unbedingt beim Arzt beraten lassen, wann und in welcher Dosis sie Schmerzmittel einnehmen sollen. Denn bei zu häufiger Verwendung dieser Medikamente kann es ebenfalls zu Kopfschmerzen kommen und es besteht die Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Daher sollten Patienten mit häufigen oder chronischen Spannungskopfschmerzen so weit als möglich auf diese Arzneimittel verzichten. Sie dürfen maximal an 10 Tagen pro Monat eingenommen werden.

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen können Entspannungsübungen (zum Beispiel nach Jacobson), Ausdauertraining (wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren) sowie andere Maßnahmen zur Stressbewältigung eventuell helfen, die Anzahl der Kopfschmerzepisoden zu reduzieren. Medikamente zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen sind Antidepressiva wie Amitryptilin. Diese werden nicht eingesetzt, weil vermutet wird, dass die Betroffenen vielleicht depressiv sind, sondern weil sie allgemein gegen chronische Schmerzen wirken.

Behandlung des Clusterkopfschmerzes

In der medikamentösen Therapie des Clusterkopfschmerzes wird zwischen der Behandlung der Einzelattacke und der Vorbeugung (Prophylaxe) unterschieden.

Therapie der Attacken des Clusterkopfschmerzes: Verschiedene Therapieansätze können bei Clusterkopfschmerz-Attacken helfen. So zeigt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen die Inhalation von 100 Prozent Sauerstoff über eine Gesichtsmaske Wirkung. Auch manche der als Migränemittel zugelassenen Triptane können bei Clusterkopfschmerzen helfen, aber nur als Nasenspray oder als Spritze. Eine weitere Möglichkeit ist die Verabreichung eines örtlichen Betäubungsmittels in das Nasenloch der von der Attacke betroffenen Seite. Da nicht jede Methode bei jedem Patienten anschlägt, sollten sich Betroffene von ihrem Arzt ausführlich beraten lassen und nach Absprache mit ihm vielleicht auch verschiedene Therapieansätze ausprobieren.

Prophylaxe des Clusterkopfschmerze: Zur Vorbeugung von Clusterkopfschmerz-Attacken sind verschiedene Arzneimittel geeignet. Vorzugsweise kommt der Kalziumantagonist Verapamil zum Einsatz. Es gibt aber auch verschiedene andere Medikamente, wie zum Beispiel Kortisonpräparate, Lithium oder bestimmte Antiepileptika, die ebenfalls zur Prophylaxe von Clusterkopfschmerzen Verwendung finden. Ihr Arzt kennt Vorteile und Risiken der einzelnen Medikamente und wägt diese ab, bevor er ein entsprechendes Präparat verordnet. Wegen der Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe sind vor allem zu Beginn der prophylaktischen Therapie regelmäßige ärztliche Kontrollen und je nach Arzneimittel auch weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel die Bestimmung bestimmter Blutwerte oder regelmäßige Messungen der Herzströme (EKG) nötig.

Behandlung der paroxysmalen Hemikranie

Mittel der Wahl ist das Schmerzmittel Indometacin, das regelmäßig eingenommen werden muss. Über Dosierung, Art und Dauer der Therapie sollten sich Patienten unbedingt mit ihrem Arzt absprechen. In Schwangerschaft und Stillzeit ist Indometacin nicht geeignet. Da Indometacin wie viele Schmerzmittel den Schutz der Magenschleimhaut gegen Säure verringert, sollten Patienten mit Magenproblemen gegebenenfalls zusätzlich einen Magenschutz in Form eines Säureblockers erhalten.

Behandlung des SUNCT-Syndroms

Derzeit ist eine allgemein wirksame Therapie nicht bekannt. Ärzte richten die Behandlung an der individuellen Situation des Patienten aus.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 08.12.2011
Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer

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