Ausreichend trinken nach dem Laufen ist wichtig – ein Anlass für zügellose Schlemmerei sollte Joggen nicht sein
Gewichtsprobleme hatte ich eigentlich noch nie. Aber wer weiß? Das kann ja noch kommen. Vielleicht aber auch nicht. Weil, ich jogge ja. Ist das nicht eine Sportart, bei der mein Körper so richtig viel Kalorien verbrennt? Sicher, Laufen strengt den Körper an, deswegen verbraucht dieser mehr Kalorien als bei Stillstand. Aber alles ist relativ – in diesem Fall relativ wenig. „Durch das Laufen verlieren wir nicht soviel Kalorien wie es sich so mancher wünscht“, klärt mich Martin Engelhardt auf.
Ich habe eine Pulsuhr (dazu mehr in einer der nächsten Folgen), die mir nach einer Trainingseinheit den ungefähren Kalorienverbrauch anzeigt. Beim ersten Mal dachte ich zunächst, das Gerät müsse defekt sein. Gerade einmal 340 Kilokalorien sollen eine halben Stunde Körperertüchtigung gekostet haben – das entspricht in etwa einer dreiviertel Tafel Schokolade. Schokolade ist für mich in diesem Fall eine Eins-zu-eins-Währung. Ich liebe sie! Ich könnte jeden Tag mindestens eine Tafel essen. Dank eines gewissen Maßes an Selbstbeherrschung kann ich ganz gut widerstehen. Nur jeden zweiten Tag eine Tafel. Aber das ist eine andere Geschichte.
Video: Laufen ist ein gutes Mittel zum Abnehmen, so Martin Engelhardt, das allein reicht aber nicht aus
Zurück zum Kalorienverbrauch. Um es kurz zu machen: Wer nur läuft, um abzunehmen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg haben. Um signifikant Kilos zu verlieren, müssten Sie täglich viel Zeit mit Joggen verbringen. Die Motivation dafür aufzubringen – nur aus Diätgründen laufen – dürfte vielen schwer fallen. Von dem Zeitaufwand ganz zu schweigen.
Es gilt deswegen auch an dieser Stelle (wie bei allen anderen Diättipps auch): Wer Abnehmen will, muss seine Ernährung und gewisse Lebensgewohnheiten umstellen. Das gute dabei: Joggen – oder sagen wir mal, Sport im allgemeinen – kann da helfen. Denn wer sich ein bisschen mehr mit der Materie „Sport“ beschäftigt, erfährt fast immer – manchmal ganz bewusst, manchmal eher beiläufig – Einzelheiten über Stoffwechselprozesse im Körper, die Rolle der Kohlenhydrate, Proteine sowie Fette und vieles mehr. Man fängt an, auf die Inhaltsstoffe der Nahrung zu achten, zählt schon mal Kalorien.
Mir ging es nicht anders. Eines der Schwerpunkte meines Biologiestudiums war Biochemie. Ich konnte auf dem Papier dem Auf- und Abbau sämtlicher Aminosäuren (den Bausteinen von Proteinen) aufzeichnen, wusste wie Fett entsteht und wieder verschwindet und was mit Kohlenhydraten im Körper passiert. Hätte mich mein Professor in der Prüfung allerdings gefragt, wieviel von diesen Nahrungsbestandteilen in Brot, Milch oder Nudeln stecken, ich wäre durchgefallen.
Meine Studium ist schon eine Weile her, das Biochemie-Wissen schwindet immer mehr. Aber seit ich regelmäßig laufe, weiß ich, wieviel (oder besser gesagt „wenig“) Nascherei ich durch Sport wieder gut machen kann. Auf einmal hat es mich interessiert.
Und ich glaube, anderen Läufern geht es ähnlich. Sie zweifeln? Stellen Sie doch einfach mal eine eigene Statistik bei Ihrem nächsten Lauftraining auf. Gehen Sie irgendwo Joggen, wo viele Gleichgesinnte unterwegs sind und achten mal auf die Figur der anderen Läufer (aber möglichst unauffällig bitte). Sind da viele Übergewichtige dabei? Wenn, dann wäre es eine Überraschung. Natürlich werden Sie nicht nur perfekt geformten Körpern begegnen. Aber darum geht es ja auch nicht. Sondern darum, dass aktive Sportler meist relativ gesund leben, weil sie sich regelmäßig bewegen und einigermaßen ordentlich ernähren. Das eine hängt nämlich mit dem anderen zusammen.
Lesen Sie nächste Woche in Teil 7: Gute Schuhe sind wichtig
B.Röper / GesundheitPro;
18.06.2009, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: W&B/Heike Geigl
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