Neben pflanzlichen und mineralischen Ausgangsstoffen gibt es auch rund 40 klassische und zahlreiche moderne tierische Grundsubstanzen, die in der Homöopathie eingesetzt werden“, erläutert Dr. Jörg Haber stock, praktischer Arzt und Arzt für Homöopathie in Augsburg.
Besonders bewährt haben sich Mittel wie Lachesis und Cantharis. Sie spielten in der Volksmedizin schon lange eine Rolle, als Samuel Hahnemann (1755 bis 1843) seine Lehre begründete, der zufolge „Ähnliches durch Ähnliches geheilt“ werden soll.
Lachesis, das Gift der Buschmeisterschlange (siehe Seite 48), nutzten einst die Indianer Brasiliens, um schwere Nervenstörungen wie die Epilepsie zu heilen. Und Cantharis, gewonnen aus einem Käfer namens Spanische Fliege (siehe links), galt schon vor 1000 Jahren als potenzsteigerndes Mittel. In der Homöopathie sollen Lachesis und Cantharis unter anderem Halsbeziehungsweise Blasenentzündungen lindern.
Belegt ist die Wirksamkeit dieser und auch der übrigen homöopathischen Mittel bislang allerdings nicht. Patienten und Therapeuten haben jedoch in der 200-jährigen Geschichte der Homöopathie viele positive Erfahrungen mit ihnen gemacht.
Tierschutz und strenge Kontrollen
„Tierfreunde können unbesorgt sein“, sagt Dr. Haberstock, der dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) als Fachreferent für Pharmazie zur Seite steht. „Für die Herstellung dieser Mittel müssen keine höheren Lebewesen sterben.“
Zu den strengen Auflagen der Tierschützer kommen genaue Kontrollen durch die Zulassungsbehörden. Haberstock: „Dass es durch die Verwendung tierischer Stoffe beim Patienten zu Virusinfektionen kommt, ist praktisch ausgeschlossen.“
Zumindest bei den von homöopathischen Ärzten normalerweise eingesetzten Potenzen zwischen C 12 und D 1000, für die das Ausgangsmaterial unvorstellbar stark verdünnt wird, sei es fast unmöglich, dass Erreger auf die Globuli übertragen werden. „Bislang ist kein einziger Fall einer solchen Infektion bekannt.“
Wegen ihres Zusammenlebens in Staaten und ihrer perfekten Arbeitsteilung gehören Ameisen zu den faszinierendsten Insekten. Die Rote Waldameise (Siehe Bild oben) ist in den Wäldern Süd- und Mitteleuropas anzutreffen. Ihre Beute – vorwiegend Kleininsekten – lähmt sie mit Säure, die sie beim Biss in die Wunde spritzt. In dem homöopathischen Arzneimittel Formica rufa soll die stark verdünnte Säure gegen rheumatische Beschwerden der Gelenke helfen und die Symptome von Wetterfühligkeit lindern.
Im gesamten Mittelmeerraum lebt die Spanische Fliege. Das metallisch grün schillernde Insekt, biologisch gesehen ein Käfer, ist auch unter den Namen Ölkäfer und Blasenkäfer bekannt. Kaiser Heinrich IV. (1050 bis 1106) soll mit dem Gift der Tiere seine Potenz gestärkt haben. Homöopathen verordnen Cantharis vesicatoria heute bei Verbrennungen mit Blasenbildung ebenso wie bei heftigen Blasenentzündungen mit brennenden Schmerzen beim Wasserlassen.
Ullrich Jackus / Apotheken Umschau;
20.09.2010, aktualisiert am 14.09.2011
Bildnachweis: Wildlife GmbH/B. Stein, Corbis GmbH/Naturfoto Honal
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