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Was Sie über Muttermale wissen sollten

Leberflecke sind in aller Regel harmlos. Veränderungen sollte aber ein Arzt kontrollieren


Das kleine Muttermal macht sie unverwechselbar: Cindy Crawford

Manchmal wird ein Mensch durch einen kleinen Fehler erst richtig attraktiv. Ein Leberfleck links über dem Mund machte beispielsweise das Model Cindy Crawford in den 90er-Jahren unverwechselbar, unwiderstehlich und beinahe unbezahlbar. Eigentlich ist solch ein Fleck aber nichts Besonderes. Jeder hellhäutige Mensch trägt Pigmentnävi, wie die braunen Zellwucherungen medizinisch korrekt bezeichnet werden.

Bestimmte Zellen der Haut, die Melanozyten, stellen den Farbstoff Melanin her. Er verleiht der Haut die individuelle Farbe und schützt sie vor der zerstörerischen Kraft des Sonnenlichts. Dessen Reiz bewirkt auch, dass die Melanozyten an bestimmten Stellen wuchern. So entstehen vorwiegend in der Kindheit und Jugend die dunklen, teils erhabenen Flecke. Wie sehr die Haut mit ihnen gesprenkelt ist, hängt aber noch von weiteren Faktoren ab: den Genen und den Hormonen. Während einer Schwangerschaft etwa sprießen bei manchen Frauen neue Leberflecke.


Allerdings sind die umgangssprachlichen Bezeichnungen nicht einheitlich. Manche Menschen sprechen von Muttermal, wenn sie einen braunen Hautfleck meinen. Der Begriff „Mal“ steht aber eher für Nävi im Allgemeinen, worunter auch das Feuermal und der Blutschwamm fallen.

Die Bezeichnung „Leberfleck“ lässt sich ebenfalls nicht eindeutig einem Fachbegriff zuordnen, da Experten die Pigmentnävi in verschiedene Gruppen unterteilen. „Meistens wird die Lentigo simplex oder der Nävuszellnävus als Leberfleck bezeichnet“, sagt Professor Peter Altmeyer, Direktor der Universitäts-Hautklinik Bochum. Lentigos sind kleine, scharf umgrenzte, nicht erhabene, bräunliche Flecke. Nävuszellnävi oder melanozytäre Nävi sind dagegen erhaben, weil die Melanozyten hier in verschiedene Hautschichten wuchern. Zu den Pigmentnävi zählen auch Sommersprossen, Altersflecke, der Café-au-lait-Fleck und der behaarte Becker-Nävus. Diese werden jedoch selten Leberflecke genannt.

Gemeinsam haben die pigmentierten Hauterscheinungen zweierlei: Sie sind harmlos, können aber dem sehr gefährlichen schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, ähneln. „Das bedeutet, dass man im Auge behalten sollte, ob neue Leberflecke wachsen oder alte sich verändern“,betont Professor Wilhelm Stolz, Chefarzt der Hautklinik am Schwabinger Krankenhaus in München.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollten vor allem bestimmte Risikogruppen in Anspruch nehmen. Dazu gehören in erster Linie hellhäutige Menschen und solche mit sehr vielen oder großen Leberflecken. Manche Nävus-Arten bergen nämlich ein Risiko: Wer mehr als 50 von ihnen trägt, ist stärker gefährdet, ein Melanom zu bekommen. „Man sollte sich dann einmal im Jahr untersuchen lassen“, empfiehlt Stolz.

Der Dermatologe rät auch zu besonderer Vorsicht bei Sonnenbädern. Denn intensive ultraviolette (UV-) Strahlung ist ein Risikofaktor, der sich beeinflussen lässt – im Gegensatz zu der angeborenen individuellen Anlage, an Hautkrebs zu erkranken. Experten sind sich einig darin: Es liegt an der gestiegenen Belastung durch UV-Licht, dass immer mehr Menschen Hautkrebs bekommen. „Rechtzeitig erkannt, lässt sich dieser lebensgefährliche Tumor aber gut behandeln“, sagt Peter Altmeyer. Der richtige – frühe – Zeitpunkt entscheide allerdings häufig über Leben und Tod, denn Melanome setzen schnell Tochtergeschwülste ab. Dann sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit drastisch.

Eine regelmäßige Kontrolle der Haut, vor allem verdächtiger Leberflecke, kann also Leben retten. Das beherzigt offenbar auch Cindy Crawford. Sie setzt sich für die Hautkrebsvorsorge ein und nimmt diese selbst regelmäßig in Anspruch. Vor einigen Jahren ließ sie sich sicherheitshalber sogar einige Male entfernen. Glück für ihre Bewunderer: Der berühmte Schönheitsfleck war nicht dabei.



Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau; 22.10.2010
Bildnachweis: InterTopics GmbH/Capital Pictures

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