Gesunde Ernährung lässt unsere Haut von innen viel schöner strahlen, als es ein gebräunter Teint je vermag. Das besagt zumindest eine Studie der Universität Nottingham (England). Teilnehmer, die täglich mehrere Portionen Obst und Gemüse zu sich nahmen, wurden nach zwei Monaten für attraktiver befunden als zuvor, als sie sich weniger gesund ernährt, aber mehr Sonne getankt hatten. Der Studienleiter Ian Stephen hält Carotinoide, die beispielsweise in Tomaten oder Karotten stecken, für die Ursache des Effekts. Diese gelben und rötlichen Pigmente färben die Haut und spielen darüberhinaus eine tragende Rolle bei der Abwehr zellschädigender Radikale.
Von allem, was wir zu uns nehmen, bekommen auch die Hautzellen einen kleinen Happen ab. Klar, dass fetthaltige Ernährung, zu viel Salz und Zucker sowie jede Menge chemische Zusatzstoffe nicht nur die Figur ruinieren können, sondern auch das Hautbild. Fehlen etwa Proteine, kommt es zu Problemen bei der Reparatur der Zellen. Darunter leiden nicht nur Bindegewebe und Nägel, auch das Keratin der Haare ist aus Proteinen aufgebaut. Gute Gründe also, öfter Bohnen und Linsen zu essen, die dem Körper pflanzliches Eiweiß liefern.
Weiteres Beispiel: ungesättigte Fettsäuren. Ohne sie kann unsere Haut ihre Barriereschicht nicht aufrechterhalten, sie wird spröde, schuppt sich und verliert ihre gesunde Farbe. Um genug Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, öfter fetten Seefisch zu essen und statt Sonnenblumen-, Distel- oder Maiskeimöl besser Raps-, Lein- und Walnussöl zu verwenden. Auch Nahrungsergänzungsmittel können helfen.
Dr. Petra Herrmann, Apothekerin in Düsseldorf, rät Menschen, die sich nicht so gesund ernähren, zu einer Vier-Wochen-Kur mit Omega-3-Fettsäuren: „Das stärkt die Widerstandskraft empfindlicher und reifer Haut.“ Zu geeigneten Präparaten und zur Dosierung lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.
Vitamin-Doping für die Haut
Vor allem wer viel arbeitet, oft in Hektik verfällt, wenig schläft oder ausgiebig Sport treibt, sollte sich mit genug Vitaminen versorgen. Der Grund: Der Körper setzt in diesen Fällen vermehrt freie Radikale frei. Diese aggressiven Moleküle schieben Entzündungsprozesse an – und auch die Hautalterung. Die Zellschäden in Grenzen hält unter anderem Vitamin E. Es wirkt entzündungshemmend, hilft der Haut, sich zu regnerieren, und steckt in Weizenkeimen, Mandeln, Haselnüssen und Vollkornbrot.
Vitamin C sorgt dafür, dass neue Kollagenfasern entstehen, und optimiert die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff. Greifen Sie zu Kiwis, Zitrusfrüchten, Paprika und Kohl! B-Vitamine sollen unter anderem vor aufgesprungenen Lippen und Pigmentverschiebungen schützen. Quellen dafür sind Vollkornbrot, Milch, Käse und Schweinefleisch.
Auch die Kosmetikindustrie hat die Wirkung der Vitamine für sich entdeckt. Vitamin A (Retinol) beispielsweise gilt mittlerweile als eines der effektivsten Anti-Falten-Mittel und wird in zahlreichen Pflegeprodukten verarbeitet. Vitamin B5 ist ein beliebter Inhaltsstoff von Shampoos. Mit seiner Hilfe binden unsere Zellen mehr Wasser und werden besser mit Nährstoffen versorgt. Vitamin C reichert als Radikalfänger Gesichts- und Augencremes an. Fragen Sie in Ihrer Apotheke danach!
Helfer aus der Pillenschachtel
Nicht nur mit Obst und Gemüse essen Sie sich schön, auch Nahrungsergänzungsmittel können von innen positiv Ihr Äußeres beeinflussen. Etwa, wenn Sie sich in stressigen Zeiten eher ungesund ernähren oder wenn Sie Haut, Haare und Nägel mit einer besonders intensiven Vitaminkur verwöhnen möchten – zum Beispiel mit Bierhefe. Das bei der Biergärung anfallende Abfallprodukt enthält Mineralstoffe, Spurenelemente, viele B-Vitamine und Biotin.
Auch Biotin selbst gibt es als Kapseln in Ihrer Apotheke. Zwischen 30 und 60 Mikrogramm pro Tag sollte ein Erwachsener zu sich nehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 100 Gramm Haferflocken enthalten 20, 100 Gramm Spinat 6 Mikrogramm Biotin. Fehlt dem Körper der auch Vitamin H oder Vitamin B7 genannte Stoff, können die Talg- und Schweißdrüsen nicht richtig arbeiten, der Teint wird trockener, die Haare verlieren ihren Glanz, und die Nägel brechen leicht. Wer deshalb lieber mit Kapseln nachhelfen will, muss allerdings geduldig sein. Da Haare und Nägel nur langsam wachsen, zeigt sich erst nach einigen Wochen eine Wirkung.
Der Schönheit auf der Spur
Außer Vitaminen braucht unsere Haut auch Spurenelemente und Mineralstoffe, um gesund zu bleiben. Fehlen etwa Eisen, Kupfer, Magnesium oder Selen, verliert unsere Hülle an Geschmeidigkeit, sie wird rau oder rötet sich. Eine Folge können eingerissene Mundwinkel sein, die schlecht heilen.
Auch Zink spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Es hilft bei der Teilung und Erneuerung der Zellen und neutralisiert freie Radikale. Zahlreiche Enzyme
können ohne Zink nicht wirken. „15 beziehungsweise 20 Milligramm Zink, mit den Aufnahmehelfern Histidin oder Orotsäure über vier Wochen täglich eingenommen, steigern bei einem Zinkmangel die Abwehrkräfte und lassen Rötungen verblassen“, weiß Petra Herrmann.
Für die Kollagenbildung im Bindegewebe ist ein anderer Mineralstoff unverzichtbar: Silizium. Knollen- und Wurzelgemüse sowie Vollkornbrot sind gute Lieferanten. „Alternativ können Sie Kieselerdekapseln einnehmen oder eine Kur mit den Schüßler-Salzen eins und elf versuchen“, regt Herrmann an. „Allerdings sollten Sie dann drei Monate dabeibleiben.“ Für Haare und Nägel lösen Sie dazu je zehn Tabletten Silizea (abends) und Calcium chloratum (morgens) in Wasser und trinken die Lösung in kleinen Schlucken.
Wer auf eigene Faust Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollten in jedem Fall maßhalten. „Möglicherweise lassen sonst Vitamine, die das Zellwachstum fördern, auch Krebszellen schneller wachsen“, warnt Bodo Melnik, Hautarzt in Gütersloh und Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück. Gerade bei fettlöslichen Vitaminen wie A, E und D dürfe man auf keinen Fall überdosieren, denn der Körper kann sie speichern. Wann es zu viel ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Experte Melnik: „Das hängt vom Gesamtfettgehalt der Nahrung ab und davon, wie gut jemand im Allgemeinen Fette verstoffwechselt.“ Mit leckerem Obst und Gemüse ist die Gefahr der Überdosierung aber gleich null.
Verursacht Schokolade Pickel?
Während bestimmte Lebensmittel ein positives Hautbild fördern, sind andere dagegen eher schädlich. Zum Beispiel Schokolade. „Aber es ist nicht der Kakao, der Pickel sprießen lässt. Es ist das Überangebot an Zucker im Zusammenspiel mit Milch und Milchprodukten, welches das Hautbild unruhiger macht“, erklärt Bodo Melnik, Dermatologe in Gütersloh und Professor an der Universität Osnabrück. Die Ursache ist der gesteigerte Insulinspiegel.
Die Hälfte aller Lebensmittel, die wir heute zu uns nehmen, rufen im Körper einen zu hohen Insulinspiegel hervor, meint Experte Melnik. Kommt dann noch, wie in der Pubertät, ein Überangebot an Sexualhormonen ins Spiel, läuft die Haut oft aus dem Ruder.
Produkte aus Molke steigern den Insulinspiegel
Besser für die Haut sei Nahrung mit möglichst niedrigem glykämischem Index. Dazu zählen Obst (Ausnahme: reife Bananen), Gemüse, Nudeln aus Hartweizen sowie Erbsen, Bohnen, Linsen und Nüsse. Sie halten den Blutzuckergehalt niedrig. Milch und Milchprodukte fallen zwar auch unter diese Kategorie, nehmen aber eine Sonderstellung ein. Der Grund: „Heute weiß man, dass die Molkeproteine aus Milcherzeugnissen die Bauchspeicheldrüse direkt ansteuern und den Insulinspiegel massiv steigen lassen“, sagt Akne-Experte Melnik. Wer viel Milch trinkt oder Joghurt isst, setzt zudem vermehrt Wachstumsfaktoren frei, die über Umwege die Verzuckerung der Stützfasern im Bindegewebe und damit die Faltenbildung vorantreiben.
Um unreinen Teint nicht noch zu fördern, sollte man den Milchkonsum einschränken und möglichst selten Weißbrot, Süßigkeiten, geschälten Reis und zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen.
Unsere Experten:
Dr. Petra Hermann arbeitet als Apothekerin in Düsseldorf
Professor Bodo Melnik betreibt eine Hautarztpraxis in Gütersloh
Ulrike Kleiner / Apotheken Umschau;
09.05.2011
Bildnachweis: W&B/ Aleksander Perkovic, W&B/ Fritz Stockmeier, Getty Images/ Photographer's Choice
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