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Haben Sie eine Sonnenallergie?

Was im Sommer häufig hinter juckenden Hautpusteln steckt, wie Sie am besten vorbeugen. Ein Interview mit dem Dermatologen Percy Lehmann

Frau cremt sich ein

Das ganze Jahr freut sich die Familie auf den Sommerurlaub. Jetzt ist es endlich so weit. Wenn das Wetter stimmt – egal ob in Spanien oder daheim – stürmen Jung und Alt ins Freie und genießen die Sonne. Doch so mancher bereut bereits am Abend das Sonnenbad. Denn ausgerechnet an exponierten Stellen wie Dekolleté oder Hals tauchen hässliche Pickel auf, die auch noch jucken oder brennen.



Was solche Hautveränderungen bedeuten können, erklärt Professor Percy Lehmann vom Helios-Klinikum Wuppertal. Der Dermatologe leitet zudem den Bereich in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der sich mit den Auswirkungen von UV-Strahlen auf die Haut beschäftigt.


Prof. Dr. med. Percy Lehmann

Unser Experte Professor Percy Lehmann

Herr Lehmann, wer nach dem Sonnenbad rote, juckende Pusteln auf der Haut entdeckt, spricht meist von einer Sonnenallergie. Was ist das?

Den Begriff Sonnenallergie verwendet der Volksmund üblicherweise, wenn er eine solche Hautreaktion mit dem Sonnenlicht in Verbindung bringt. Tatsächlich gibt es aber diverse Formen einer „Sonnenallergie“.

Welche kommt am häufigsten vor?

Bei etwa 20 Prozent aller jüngeren Mitteleuropäer tritt eine sogenannte polymorphe Lichtdermatose auf. Frauen betrifft dies weitaus öfter als Männer. Ein typischer Fall: Der oder die Betroffene fährt – noch eher blass – in den Urlaub nach Mallorca oder Südfrankreich. Plötzlich bekommt Er oder Sie juckende kleine Papeln auf geröteter Haut, ähnlich wie beim Kontakt mit einer Brennnessel. Die Symptome können allerdings, wie der Name „polymorph“ andeutet, bei jedem Menschen anders aussehen.


Haben Sie schon einmal eine Sonnenallergie gehabt?

Liegt wirklich eine Allergie zugrunde?



Ich vermute, dass die polymorphe Lichtdermatose eine allergische Reaktion vom Typ IV darstellt. Das Sonnenlicht, genauer gesagt UV-A-Strahlen, spielen dabei eine Rolle, das ist bekannt. Ob es sich wirklich um eine Allergie handelt und auf was für einen Auslöser die Haut reagiert, konnte wissenschaftlich aber noch nicht nachgewiesen werden.



Was ist mit den anderen Formen?



Bei der sogenannten photoallergischen Dermatose reagiert die Haut – unter Einwirkung von UV-Licht – auf einen bestimmten Stoff allergisch. In Folge treten die Anzeichen eines Kontaktekzems auf, etwa Juckreiz, gerötete Haut oder kleine Bläschen. Zu den auslösenden Substanzen zählen zum Beispiel Arzneimittel und paradoxerweise auch gelegentlich Lichtschutzfilter. Diese Form der Sonnenallergie kommt jedoch nur sehr selten vor.



Des Weiteren bereiten phototoxische Dermatosen zum Teil heftige Hautreaktionen. Die Symptome reichen, je nach verursachendem Stoff, von einer Sonnenbrand-ähnlichen Rötung bis hin zu Quaddeln und Bläschen. Nicht selten sind Pflanzeninhaltsstoffe, etwa aus Riesen-Bärenklau oder Wiesengräsern, an einer solchen Hautreaktion schuld. Doch nicht nur durch direkten Hautkontakt, auch nach Einnahme von Medikamenten kann es zu einer phototoxischen Reaktion kommen. Unter anderem, wenn jemand ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetrazykline einnimmt.



Gehört die Mallorca-Akne auch in die Kategorie Sonnenallergie?



Ja. Hierbei spielt zum einen das Sonnenlicht eine Rolle, zum anderen fetthaltige Sonnenschutzmittel. Die Haut reagiert auf diese „ungünstige“ Kombination mit akneähnlichen Pickelchen und Knötchen. Die Mallorca-Akne kommt übrigens nicht so oft vor, wie Laien vermuten.



Was hilft gegen die unschönen Stellen an Hals, Dekolleté oder Arm?



Auf jeden Fall kühlen. Je nachdem, wie stark die Haut auf das Sonnenlicht reagiert, kommen auch kortisonhaltige Cremes und Antihistaminika infrage. Beide Arzneimittel lindern die Beschwerden. Weitaus sinnvoller ist jedoch, einer Lichtdermatose vorzubeugen.



Und wie beugt man am besten vor?



In Bezug auf die polymorphe Lichtdermatose: indem sich empfindliche Personen ganz langsam an die intensive Sommersonne gewöhnen und nicht blass den ganzen Tag am Strand liegen. Enorm wichtig ist außerdem, ein hautverträgliches Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor zu benutzen – etwa Lichtschutzfaktor 50. Die Lotion sollte auch einen UV-A-Filter enthalten. Denn, wie gesagt, lösen vor allem UV-A-Strahlen eine polymorphe Lichtdermatose aus.



Wer durch Medikamente, Parfüme oder andere Inhaltsstoffe von Kosmetika eine Form der Sonnenallergie bekommt, sollte mit seinem Arzt abklären, wie er diese Substanz meiden kann.



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 26.07.2010, aktualisiert am 30.07.2010
W&B/Privat, iStock/monkeybusinessimages

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