Einen kräftigen Händedruck wissen viele zu schätzen. Für Menschen, die an einem Ekzem an den Händen leiden, ist er jedoch mit starken Schmerzen verbunden. Leichte Formen einbezogen, sind bis zu elf Prozent der Bevölkerung von der Hautkrankheit betroffen.
„In Deutschland gehen wir von mindestens sechs Millionen Patienten aus“, sagt Professor Swen Malte John, Facharzt für Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie an der Universität Osnabrück. „Etwa drei bis vier Millionen davon leiden an der oft besonders schweren beruflich ausgelösten Form.“
Zu Beginn äußert sich das Ekzem durch eine trockene und leicht gerötete Haut. Nach einiger Zeit können entzündliche, juckende Bläschen auftreten, und die Haut reißt an verhornten Stellen ein. Diese Schrunden bereiten große Schmerzen und heilen schlecht ab.
„Die eingerissene Haut nässt und blutet“, beschreibt John. „Für Betroffene fühlt es sich an, als hätten sie Klettverschlüsse an den Händen.“ Tätigkeiten im Haushalt oder am Arbeitsplatz können sie kaum oder nur unter Schmerzen ausführen. Das beeinträchtigt die Lebensqualität und führt nicht selten sogar zur Berufsunfähigkeit.
Komplikationen können auftreten, wenn sich wunde Stellen mit Bakterien oder Viren infizieren und es zu chronischen Entzündungen kommt. „Auch Allergien kann die Krankheit Vorschub leisten“, ergänzt John.
Mediziner unterscheiden je nach Auslöser verschiedene Formen des chronischen Handekzems. Das irritative Kontaktekzem geht zurück auf den ständigen Umgang mit reizenden oder feuchten Stoffen wie Reinigungs-, Lösungs- oder Desinfektionsmitteln. „Personen, die in ,Feuchtberufen‘ wie dem Gesundheitswesen, in der Nahrungsmittelbranche, im Kfz-Gewerbe oder als Reinigungskräfte arbeiten, sind besonders gefährdet“, erläutert John.
Die Hautkrankheit kann aber auch allergisch bedingt sein oder auf einer genetischen Ursache beruhen. Von einem chronischen Handekzem sprechen Ärzte, wenn die Krankheit mindestens drei Monate dauert oder in einem Zeitraum von zwölf Monaten mindestens zweimal auftritt.
Risikofaktoren minimieren
Die Behandlung richtet sich nach Art und Schwere des Ekzems und gestaltet sich besonders bei chronischen Fällen schwierig. Kortison wird in Form von Cremes und Salben sowie als Präparat zum Einnehmen eingesetzt. Auch mit einer Lichttherapie oder Vitamin-D-ähnlichen Zubereitungen versuchen Ärzte das Leiden der Betroffenen zu lindern.
Für viele Patienten bedeutet ein Heilungserfolg aber nur eine kurze Verschnaufpause. Sind sie den Auslösern weiter ausgesetzt, tritt das Ekzem bald wieder auf. Um einem erneuten Ausbruch vorzubeugen, sollten Patienten Risikofaktoren minimieren, etwa den Kontakt mit Reizstoffen, die Arbeit in feuchtem Milieu oder ständiges Tragen von Handschuhen.
„Das A und O ist die Hautpflege“, betont Facharzt Swen Malte John. Neben rückfettenden oder feuchtigkeitsspendenden Mitteln empfiehlt er spezielle Hautschutzcremes. „Vor dem Umgang mit Reizstoffen aufgetragen, schützen sie die Haut bei der Arbeit.“
Wenn das Ekzem dennoch wieder auftritt, hilft im Alltag nur etwas Gelassenheit. So muss es nicht immer ein kräftiger Händedruck zur Begrüssung sein. Ein von Herzen kommendes Lächeln beeindruckt oft genauso.
Beruf als Auslöser
Patienten, die an einem berufsbedingten, chronischen Handekzem leiden, haben Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Voraussetzung dafür ist, dass ein Hautarzt die Krankheit bescheinigt.
„Die Kosten für nötige vorbeugende Pflegemittel bekommen die Patienten dann von der gesetzlichen Unfallversicherung erstattet – selbst wenn sie rezeptfrei und normalerweise aus der eigenen Tasche zu zahlen sind. Auch die Praxisgebühr fällt dann nicht an“, informiert der Dermatologe Professor Swen Malte John aus Osnabrück.
Ihre Apotheke berät Sie gerne zu Pflegemitteln, die bei Ihrem Hautproblem am besten helfen.
Nicole Schuster / Apotheken Umschau;
14.12.2010, aktualisiert am 31.03.2011
Bildnachweis: Liquid Library
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