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Was hilft gegen Haarausfall?

Der anlagebedingte Haarausfall beim Mann ist ein großes Thema, denn er betrifft sehr viele Menschen. Der Dermatologe Michael Sticherling erklärt, was bei drohender Glatze hilft


Im Glücksfall kann es auch sehr gut aussehen, wenn der Haaransatz zurückwandert

Sie: "Setz doch wenigstens beim Mittagessen das Cap ab!". Er: "Na-hein!". Junge Männer, die unter Haarausfall leiden, verbergen das vermeintliche Manko oft unter einer Kopfbedeckung. Denn viele leiden unter dem zurückwanderden Haaransatz oder den lichter werdenden Stellen am Kopf. Sie befürchten durch die fehlenden Haare älter oder unattraktiver zu wirken.

Die Sorge plagt sie oft zu unrecht. Viele Frauen finden eine Glatze sehr männlich. Und Geheimratsecken verleihen dem (unfreiwilligen) Besitzer oft ein besonders seriöses und gebildetes Aussehen. Trotzdem wünschen sich viele Männer den Wuschelschopf aus Kindertagen oder zumindest ein paar der verlorenen Locken zurück.


"Die häufigste Variante von Haarausfall ist die androgenetische Alopezie", erklärt Professor Michael Sticherling, Leitender Oberarzt der Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Beruhigend an dieser Nachricht ist, dass die Betroffenen unter keinem grundsätzlich hormonellen Problem leiden. "Ihre Testosteron-Konzentrationen im Blut sind völlig normal", beruhigt Sticherling. Lediglich die Haarwurzeln sprechen nicht mehr so gut auf die männlichen Hormone an und wachsen daher schwächer nach.

Der Zusammenhang zwischen Stress und Haarausfall ist immer noch umstritten. Allerdings kann es gut sein, dass psychische Ausnahmesituationen einen anlagebedingten Haarausfall zusätzlich verstärken. Oder dass Betroffene in stressigen Lebensphasen den Verlust besonders deutlich wahrnehmen. In jedem Haaraus-Fall kann ein Gespräch mit einem Hautarzt für Klarheit und Erleichterung der Situation sorgen.

Übrigens: Erst ab dem Verlust von 100 Haaren täglich sprechen Mediziner von Haarausfall. Was kann Mann in diesem Fall tun? Unser Experte nennt zwei wirksame Methoden: Zum einen die äußerliche Behandlung mit einer Minoxidil-Tinktur. "Der Wirkstoff verbessert die Reaktion der Haarwurzeln auf die männlichen Hormone", so Sticherling. Bei der androgenetische Alopezie werden die Haarwurzeln zwar inaktiv, bleiben aber erhalten. So kann die Tinktur sogar verloren geglaubte Haare wieder erneut sprießen lassen.

Als Nebenwirkungen treten gelegentliche Reizungen sowie seltene allergische Reaktionen auf. Die meisten Männer vertragen die Lösung aber gut. Leider ist es nicht möglich, ein Depot aufzubauen, Anwendungs- und Wirkdauer sind deckungsgleich. "Nur in sehr seltenen Fällen reicht eine kurartige Therapie", weiß Sticherling. Die Minoxidil-Tinktur gibt es rezeptfrei in der Apotheke.

Eine zweite Behandlungsmöglichkeit sind Tabletten mit dem Wirkstoff Finasterid. Genau wie das Produkt zur äußerlichen Anwendung, stoppen auch sie den Haarausfall und können lahmgelegte Haarfollikel wieder aktivieren. Für dieses Arzneimittel brauchen Interessierte allerdings ein Rezept vom Arzt.

Als sehr seltene Nebenwirkungen der Tabletten nennt Sticherling Herzstolpern oder ein ungewolltes männliches Brustwachstum. Von seinen Patienten hat bisher allerdings noch niemand über derartige Probleme geklagt. Eine weitere angebliche Nebenwirkung: gesenkte Libido und gestörte Spermienqualität. Sticherling sind bisher keine entsprechende Fälle in Folge der Finasterid-Einnahme begegnet.

Und was bringt eine Hypnose-Therapie? "Das kann schon helfen, aber nur wenn der Haarausfall psychische Ursachen hat", so Sticherling. Bei der androgenetischen Alopezie wird die Behandlung keinen Erfolg zeigen. Dasselbe gilt übrigens auch für Entspannungsübungen und dergleichen.

Haarsprechstunde

Wenn ein Patient mit Haarausfall zu Sticherling kommt, führt er zunächst ein Vorgespräch. Es geht darum auszuschließen, dass das kahle Problem eine spezielle Ursache hat. Zum Beispiel kann die Einnahme verschiedner Medikamente Haarausfall zur Folge haben. Das gleiche gilt für bestimmte Infektionen oder Krebsleiden.

"In diesem Gespräch versuche ich auch, meine Patienten zu beruhigen. Es ist sehr positiv, wenn man schlimmere Auslöser ausschließen kann", so Sticherling. Anschließend entscheidet er zusammen mit dem Betroffenen über die beste Behandlungsvariante. Manche finden sich dann auch mit dem Schwinden der Haarpracht ab. Gerade bei Männern ist eine Glatze gesellschaftlich allgemein sehr gut anerkannt. Frauen haben es da deutlich schwerer.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 08.09.2010, aktualisiert am 20.09.2010
Bildnachweis: Thinkstock/Photodisc

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