Bereits Sebastian Kneipp empfahl barfuß laufen als wirksames Kurmittel. Auch Buddhistische Mönche verzichten einen Großteil ihres Lebens auf festes Schuhwerk. Und die Sängerin Shakira steht am liebsten mit nackten Füßen auf der Bühne. Kein Wunder, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen auf den Geschmack kommen. Gerade im Sommer lassen sie die Schuhe im Schrank und begeben sich lieber auf bloßen Sohlen ins Freie.
Training für die Fußmuskulatur
Barfuß gehen ist ein intensives Gefühlserlebnis und außerdem gesund, behaupten die Befürworter. Tatsächlich müssen sich die Füße ohne schützende Schuhsohle beim Gehen ständig an die Unebenheiten im Boden anpassen. Das stärkt und trainiert die Fußmuskulatur. Diese Muskeln sind wichtig, weil sie das Quer- und Längsgewölbe an der Fußunterseite tragen. Verkümmern die Muskeln dagegen, können sich die Gewölbe absenken. Fehlstellungen wie Platt- oder Senkfüße können die Folge sein.
Besonders für Kinder und Jugendliche kann barfuß laufen daher gut sein und zu einer gesunden Entwicklung des Fußes beitragen. Auch bei Erwachsenen soll es bestimmten Fußdeformitäten vorbeugen – wenn auch im geringeren Maß. "Gerade wenn in der Familie einige Fälle mit Fehlstellungen bekannt sind, macht regelmäßiges barfuß laufen als vorbeugende Maßnahme Sinn", sagt Dr. Christian Kinast vom Orthopädie Zentrum Arabellapark München.
Beschränkter Nutzen
Bei bereits bestehenden Fehlstellungen hilft barfuß laufen dagegen allenfalls, wenn diese auf eine unterentwickelte Muskulatur zurückzuführen sind. Sind jedoch falsch gewachsene oder verformte Knochen für den deformierten Fuß verantwortlich, ist der Nutzen relativ gering. Dann trägt barfuß laufen höchstens dazu bei, die Symptome zu lindern. Die trainierten Muskeln machen den Fuß unter Umständen weniger anfällig für Schmerzen.
"Man kann grob unterscheiden, dass barfuß gehen bei Verformungen im Bereich des Vorderfußes eher hilfreich ist, im Bereich des Rückfußes dagegen eher nicht", erklärt Dr. Daniel Frank. Er ist Chefarzt für Orthopädie und Unfallmedizin beim St. Remigius Krankenhaus in Leverkusen.
Die weit verbreitete Meinung, barfuß gehen sei gut für die Wirbelsäule, bestätigt Frank nicht. "Ich kenne keine Studie, die diesen Zusammenhang belegt", sagt er. Derartige Vorstellungen sind wohl eher auf subjektives Empfinden zurückzuführen. Barfuß gehen ist für viele eben auch eine Lebenseinstellung. Wer glaubt, dass es ihm gut tut, fühlt sich dabei auch besser.
Vorsicht ist geboten
Alle Betroffenen sollten beim barfuß laufen genau auf den Untergrund achten. Denn Dornen, Insekten, Metallteile oder ähnliches können Füßen ohne Schutz leicht zur Gefahrenquelle werden. Verletzungen sind nicht nur unangenehm, sondern begünstigen auch Infektionen. Die Temperatur spielt ebenfalls eine Rolle. Ausgekühlte Böden können rasch zu kalten Füßen führen, zu heißer Sand brennt auf der Haut.
Grundsätzlich gilt: Den aktuellen Stand der Tetanus-Impfung prüfen, bevor Sie sich nackten Fußes in freie Wildbahn begeben. Andernfalls können sich harmlose Verletzungen zu einem gefährlichen Wundstarrkrampf entwickeln. Erwachsene sollten sich alle zehn Jahre gegen Tetanus impfen lassen.
Darüber hinaus müssen Menschen mit bestimmten Krankheiten besonders aufpassen oder ganz auf das Laufen ohne Schuhe verzichten: "Dazu gehören alle, die an Diabetes oder Gefäßkrankheiten leiden. Für die kann es sogar richtig gefährlich sein", sagt Kinast. Diabetiker haben beispielsweise oft ein gestörtes Schmerzempfinden. Daher bemerken sie leichte Verletzungen an den Füßen oft nur sehr spät. Das erhöht das Risiko für Infektionen und Komplikationen. Wer an einer Insektengiftallergie leidet, sollte sich gut überlegen, ob er das Risiko eingehen möchte, auf schützende Schuhe zu verzichten. Wer bereits Fußprobleme oder Durchblutungsstörungen hat, fragt vorher besser seinen Arzt.
Barfuß ins Freie
Als Anfänger sollten Sie außerdem darauf achten, Ihren Füßen zu Beginn nicht zu viel zuzumuten. Versuchen Sie sich deshalb lieber erst auf einer Wiese (Vorsicht auf Bienen und andere Tiere) als auf hartem, steinigen Untergrund. Als Alternative bietet sich ein Ausflug in einen Barfußpark an. Diese bieten meist unterschiedliche Stationen und Pfade an, auf denen die Füße verschiedene Untergründe kennen lernen können. Zudem werden sie regelmäßig gewartet, um das Verletzungsrisiko für die Besucher zu verringern.
Für alle, die barfuß wandern ausprobieren möchten, hat Florian Kerscher einen einfachen Tipp parat: "Ziehen Sie beim Wandern einfach spontan die Schuhe aus. Wenn die Füße schmerzen, können Sie die Schuhe jederzeit wieder anziehen." Kerscher ist leidenschaftlicher Barfußgeher, einen Großteil seiner freien Zeit verbringt er auf bloßen Sohlen im Freien.
Unsere Experten:
Christian Kinast
Facharzt für Orthopädie und Unfallmedizin am Orthopädie Zentrum Arabellapark München
Daniel Frank
Chefarzt für Orthopädie und Unfallmedizin am St. Remigius-Krankenhaus in Leverkusen
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
26.04.2011, aktualisiert am 23.03.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, Fotolia/Kathrin39/2011
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