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Stromschlag: Was tun?

Ein leichtsinniger Umgang mit Elektrizität im ­Haushalt kann gefährlich enden. Vor allem Hobbybastler sind gefährdet. Was Sie in Ihren eigenen vier Wänden beachten sollten


Vorsicht, Lebensgefahr! Wer im Toaster herumstochert, kann schnell einen Stromschlag bekommen

Die Zahl der Menschen, die bei Unfällen mit elektrischem Strom in Deutschland ums Leben kommen, ist glücklicherweise rückläufig. Waren es vor 20 Jahren noch rund 300, meldet der VDE (Verband der Elek­trotechnik Elektronik Informations­­tech­nik) heute rund 60 Todesopfer und 2000 Verletzte jährlich.

80 Prozent dieser Unfälle ereignen sich im Haushalt, und davon wiederum die meisten im Badezimmer. „Der Föhn, der in die Badewanne fällt, gehört leider immer noch zu den Klassikern“, erklärt Dr. Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion Das Siche­re Haus. Ähnliche Gefahren lauern bei Renovierungsarbeiten, etwa wenn bei alten Bohrern, Sägen oder Schleifmaschinen die Isolierung schadhaft ist und leitende Teile frei liegen.


Nicht selten gelangt beim Tapezieren feuchter Kleister in die Steckdose oder den Lichtschalter. Dann könne sogar die ganze Wand unter Strom stehen, warnt Woelk. Auch wenn das Weißbrot im Toaster ­stecken bleibt, kann das fatale Folgen haben: Wer bei dem Versuch, die Scheibe zu befreien – etwa mithilfe eines Messers –, die Heizdrähte berührt, bekommt unweigerlich einen Schlag.

Susanne Woelk kennt einfache Maßnahmen, mit denen sich solche Gefahren vermeiden lassen. „Abgesehen davon, dass Elektrogeräte in der Nähe von Dusche und Badewanne nichts zu suchen haben, bieten RCD – bei vielen besser unter ihrem früheren Namen FI-Schutzschalter bekannt – mehr Sicherheit als normale Sicherungen.“ In Neubauten sind sie für Bäder seit zwei Jahren Pflicht; in vielen älteren Wohnungen fehlen sie dagegen, doch sie lassen sich relativ einfach nachrüsten. Es gibt sie auch als Stecker, ähnlich einer Zeitschaltuhr.

Gefahr droht Hobbybastlern bei Fernsehern, Mikrowellenherden und Computern. Die Geräte bauen in ihrem ­Inneren eine Hochspannung auf, die unter anderem zu schweren Verbrennungen führen kann. Deshalb gilt generell bei Arbeiten an elektrisch betriebenen Geräten: Stecker aus der Dose! Geht es um Strom führende Leitungen, heißt es grundsätzlich: Sicherung raus! Beim Herumschrauben an Lam­pen­fassun­gen genügt es nicht, den Lichtschalter auf „Aus“ zu stellen. „Im Zweifelsfall“, empfiehlt Susanne Woelk, „immer einen Elektriker rufen.“

Und wenn doch einmal etwas passiert? „Dann fließt von dem Punkt, an dem Sie den Stromkreis berühren – meis­t die Hand –, ein elektrischer Strom dorthin, wo er den Körper wieder verlässt – normalerweise über die Füße in den Boden“, erläutert Dr. Christian Wrede, Chefarzt des interdisziplinären Notfallzentrums im Helios-Klinikum Berlin-Buch. „Dabei sucht er sich den Weg des geringsten Widerstands.“

Nerven, Gefäße und das Herz sind gute Leiter; bereits beim haushalts­­üblichen 230-Volt-Wechselstrom können Nerven- und Herzrhythmusstörun­­gen auftreten. Knochen und Fettgewebe leiten schlecht. Deshalb erwärmen sie sich stark, und es kann zu inneren Verbrennungen kommen – in der Regel aber lediglich bei Unfällen mit Hoch­spannung. Wer ein Strom führendes Kabel nur berührt, zuckt in Sekundenbruchteilen zurück.

Schlimmer wird es, wenn man es in der Hand hält. Wrede: „Ab einer bestimmten Stromstärke und längerem Kontakt kann der Betroffene nicht mehr loslassen. Denn unsere Muskulatur wird ebenfalls durch – wenn auch minimale – elektrische Impulse gesteuert.“ Da im Bereich der Hände die Beugemuskeln stärker sind als die Streckmuskeln, überwiegt der Greifreflex, wenn beide Gruppen gleichzeitig aktiviert werden. Woelk: „Ein Ersthelfer muss den Stromkreis sofort unterbrechen, indem er das Gerät ausschaltet, den Stecker zieht oder die Sicherung herausdreht.“

Wrede: „Ist der Betroffene bewusstlos, reagiert er nicht auf laute Ansprache sowie leichtes Rütteln an den Schultern und atmet er nicht, muss der Helfer unter 112 den Notarzt rufen und sofort mit Wieder­belebungs­maß­nah­men beginnen.“ Atmet er zwar, ist aber nicht bei vollem Bewusstsein, muss ebenfalls Hilfe angefordert werden. Hat der Schlag Herz­rhyth­mus­störun­gen oder andere Symptome ausgelöst, soll­te man sich in ärztliche Behandlung begeben, eben­so als Träger eines Schritt­machers.

Meist verlaufen Unfälle mit 230 Volt unproblematisch. Herzgesunde, die nach der Schrecksekunde nichts Ungewöhnliches an sich feststellen, können laut Wrede zu Hause bleiben: „Wenn jeder nach einem Stromschlag zu uns in die Notaufnahme käme, könnten wir den Ansturm vermutlich kaum bewältigen.“



Ullrich Jackus / Apotheken Umschau; 19.09.2011
Bildnachweis: F1 online/beyond fotomedia

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