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Kleine Wunden richtig versorgen

Leichte Hautverletzungen können Sie zu Hause schnell selbst behandeln – vorausgesetzt, Sie wissen, wie das geht


Eine Schürfwunde schmerzt zwar, ist aber meist harmlos

Aufgeschlagene Knie, Schürfwunden, Prellungen, Kratzer und Schrammen: Glücklicherweise ist der Schreck meist größer als der Schmerz und die Gefahr. Die meis­ten Bagatellverletzungen können Sie problemlos zu Hause verarzten. Damit die Blessuren schnell verheilen und weder Infektio­nen noch Narben nach sich ziehen, sollten Sie einige einfache Regeln beim Reinigen, Desinfizieren und Abdecken befolgen.

Wunden, bei denen die obersten Hautschichten stark verschmutzt und Blutgefäße verletzt sind, müssen unbedingt gereinigt werden. Dies betrifft vor allem Schürfwunden. Der Apotheker Jörg Brinckmann aus Neuenhagen bei Berlin rät, solche Verletzungen mit lauwarmem Leitungswasser zu spülen. Trinkwasser aus dem Hahn habe in Deutschland erstklassige Qualität und sei fast keimfrei. Stark verschmutzte und verklebte Wunden duschen Sie am besten vorsichtig mit der Handbrause ab. Das löst nicht nur feinen Schmutz, sondern schwemmt auch gröbere Verunreinigungen an der Wundoberfläche aus.


Komplizierter wird es, wenn etwa Steinchen oder Glassplitter tiefer in die Wunde eingedrungen sind. Solche Fremdkörper sollte immer ein Arzt entfernen, damit es beim Herausziehen nicht zu einer heftigen Blutung kommt. In diesen Fällen decken Sie die Verletzung am besten nur behutsam mit einem Verband ab und überlassen alles Weitere dem Mediziner. Grundsätzlich sollte bei jeder Hautverletzung überprüft werden, ob der Impfschutz gegen Tetanus noch ausreicht.

Warum es so wichtig ist, verdreck­te Wunden zuerst einmal gründlich zu reinigen, fasst Dr. Gilbert Heller, Leiter der Präklinischen Notfallmedizin an der Universität Kiel, so zusammen: „Schmutz und Fremdkörper in der Wunde verzögern nicht nur den Heilungsprozess – sie erhöhen auch die Infektionsgefahr.“ Damit nicht noch weitere Keime in die verletzte Hautpartie gelangen, gilt grundsätzlich: Berühren Sie die Wunde beim Verarzten nicht, und tragen Sie als Ersthelfer möglichst Einmalhandschuhe.

Wunddesinfektionsmittel verringern die Zahl der Erreger, die in die verletzte Haut eingedrungen sind. Deshalb sollten Sie diese Mittel – gleich im Anschluss an die Wundreinigung – vor allem bei Stich- und Schürfwunden auftragen. Hierfür gibt es in der Apotheke moderne Antiseptika wie Povidon-(PVP-)Jod und Octenidin, welche die früher übliche alkoholische Jodlösung ersetzen. „Bei Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen oder Säuglingen von unter sechs Monaten darf PVP-Jod allerdings nicht angewendet werden, da sich zu viel Jod in die Schilddrüse einlagern könnte“, warnt Apotheker Jörg Brinckmann. Die verschiedenen Antiseptika gibt es beispielsweise als Puder, Gelspray oder Sprühlösung. Der Vorteil dieser Darreichungsformen: Beim Verarzten müssen Sie die Wunde nicht berühren, wie beispielsweise beim Auftragen von Cremes oder Salben.

Spezielle Wundauflagen schützen die offenen Hautstellen vor weiterer Verschmutzung und Keimbefall. Für kleine Blessuren reichen Pflaster mit Wundauflage aus. „Sie sollten so lange auf der Wunde bleiben, bis der Körper eine erste Schorfschicht gebildet hat“, rät Gilbert Heller. Dies sei nach ungefähr einem Tag der Fall. Großflächigere Hautschürfungen lassen sich gut mit sterilen Kompressen abdecken, die mit elastischen Mullbinden fixiert werden.  

Auch für die Versorgung kleinerer Verletzungen gibt es inzwischen hydroaktives Verbandmaterial. Die Feuchtpflaster und -kompressen besitzen eine gelhaltige Auflage, die das Austrocknen der Wunde verhindert. Enzyme, Hormone und andere körpereigene Substanzen, welche die Wundheilung fördern und die Bildung neuer Zellen anregen, wirken dadurch besonders gut. „So heilt die Wunde schneller ab und hinterlässt keine unschöne Narbe“, erläutert Apotheker Jörg Brinckmann. Ein weiterer Vorteil der Gel-Verbände: Durch das feuchte Milieu bildet sich kein Wundschorf, weshalb die Auflagen beim Verbandwechsel nicht mit der Wunde verkleben.

Selbst bei Bagatellverletzungen können Keime in den Körper eindringen. Behalten Sie deshalb Ihre behandelte Schramme noch einige Tage im Auge. „Sollte das Gebiet um die Verletzung anschwellen, rot werden und sich stark erwärmen, deutet dies auf eine Entzündung der Lymphgefäße hin. Das kann zu einer Blutvergiftung führen“, erklärt Notfall­mediziner Gilbert Heller. Bei diesen Anzeichen sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Kleines Einmaleins der Wundversorgung

Schürfwunden sind oft mit Erde verschmutzt und sollten gut gereinigt sowie desinfiziert werden. Kleinere Abschürfungen können Sie offen heilen lassen. Größere Schrammen decken Sie mit einem Wundschnellverband oder einer sterilen Kompresse ab und lassen sie vom Arzt versorgen.

Schnittwunden sollten Sie zunächst bluten lassen – das trägt zur Reinigung bei. Da die Wundränder relativ glatt sind, lassen sie sich mit einem Schnellverband eng aneinander „kleben“. So heilt die Verletzung schnell und komplikationslos. Tiefere oder lange Schnitte, die sehr stark bluten, sollte ein Arzt behandeln.

Platzwunden haben keine glatten Ränder und klaffen oft auseinander. Sie sind stark infektionsgefährdet. Es ist ratsam, sie mit Wasser zu reinigen und dann zu desinfizieren. Eine sterile Auflage verhindert, dass die Verletzung erneut verunreinigt wird.

Kratz- und Bisswunden sollten Sie immer einem Mediziner zeigen, der die Wunde professionell reinigt. Keime und Verunreinigungen können schwere Infektionen wie Wundstarrkrampf oder Gasbrand hervorrufen. Bei Schürf-, Schnitt- oder Bisswunden generell den Tetanusschutz überprüfen lassen.

Brandwunden niemals mit Hausmitteln behandeln. Bei Blasenbildung zum Arzt gehen. Sind größere Körperpartien betroffen, sofort den Notarzt rufen. Kleinere leichtgradige Verbrennungen unter fließendes, nicht zu kaltes Wasser halten. Anschließend ein Brandgel auftragen.



Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau; 12.01.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: Bildstelle/Action Press

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