Er soll Entzündungen bekämpfen und die Gefäße schützen. Er erleichtert Frauen angeblich die Wechseljahre und soll sogar bei Prostatakrebs helfen. Klingt nach: Ein Granatapfel am Tag und der Arzt bleibt erspart. Doch so einfach ist es nicht.
Viele der angepriesenen Effekte, die die Gesundheitsgranate bewirken soll, lassen sich wissenschaftlich nicht wirklich belegen. „Es gibt derzeit keine gut angelegten Studien am Menschen, die dem Granatapfel eine Wirkung bei Prostatakrebs bescheinigen“, sagt zum Beispiel Professor Christian Stief, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik an der Universität München. Zwar gibt es Laborversuche und Studien mit wenigen Teilnehmern, die positive Effekte zeigen, aber das reicht für eine generelle Empfehlung nicht aus.
Ähnlich steht es um Herz und Kreislauf. Einige Forscher sagen – aufgrund ihrer Experimente – ein Glas Grantapfelsaft am Tag verbessere die Durchblutung und halte die Gefäße elastisch. Immerhin ist bekannt, dass in der teils tiefroten Frucht Antioxidantien stecken, sogenannte Polyphenole und Flavonoide. „Diese Substanzen sollen an den Herzkranzgefäßen eine schützende Wirkung gegenüber LDL-Cholesterin entfalten, welches zur Gefäßverkalkung führt“, erklärt Professor Wolfram Delius, Kardiologe aus München. Laut einer Studie der Universität von Kalifornien (USA) enthält Granatapfelsaft sogar mehr Polyphenole als Rotwein oder Traubensaft. Allerdings warnt Delius vor voreiligen Schlüssen. Denn der Beweis, ob die Frucht Herz-Kreislauf-Krankheiten entgegenwirken kann, steht ebenfalls noch aus.
Noch dünner gestaltet sich die Datenlage, wenn es um die Wirkung auf die Frau geht. In den Kernen finden sich zwar in der Tat pflanzliche Hormone – genannt Phytoestrogene. Ob sie aber potenziell Wechseljahresbeschwerden lindern, müssen Forscher noch weiter untersuchen. Dasselbe gilt für Granatapfel als fruchtigen Entzündungshemmer.
Auch wenn der Granatapfel als Krankheitsbekämpfer noch nicht überzeugt, ist er dennoch gesund. Er liefert zum Beispiel Mineralstoffe wie Kalium, Spurenelemente wie Eisen und B-Vitamine. Der Gehalt an Vitamin C fällt jedoch niedriger aus als oft behauptet. Im Vergleich zu Rosenkohl mit 110 Milligramm pro 100 Gramm und einem Glas Orangensaft mit 50 Milligramm pro 100 Gramm, kommt der Granatapfel lediglich auf sieben Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm.
Wer sich an die Paradiesfrucht herantraut, sei gewarnt: Die Küche könnte hinterher wüst aussehen. Die ersten Probleme tauchen beim Zerkleinern auf. Um an das Innere zu gelangen, wird der Granatapfel in zwei Hälften geteilt. Daran schließt sich eine zeitraubende Angelegenheit an, das Herauspulen der Kerne. Manche Kenner empfehlen, die geschlossene Frucht hin- und herzurollen, damit die Kerne nach dem Öffnen leichter herausfallen. Andere raten: Erst aufschneiden, dann mit dem Kochlöffel solange auf die Schale klopfen, bis sich die glibberigen Kerne von selbst ergeben. Wichtig: Auch die weißen Fruchthäute gründlich entfernen, denn darin befinden sich Bitterstoffe.
Wer auf die körnigen Samen lieber verzichtet, kann den Granatapfel auch auspressen. Aus einer Frucht lässt sich – nach fleißigem Ausquetschen – etwa ein halbes Glas Saft gewinnen. Beide Varianten bergen dasselbe Risiko: Flecken, die sich nie mehr von der Bluse lösen wollen. Eine Küchenschürze, dazu Einmalhandschuhe aus der Apotheke, und die Gefahr für rote Kleckse verringert sich zumindest.
Liegt das mühsam gewonnene Produkt in der Obstschale, enttäuscht es umso mehr, wenn es nicht mundet. Ist er zuwenig reif, schmeckt Granatapfel ziemlich sauer – vom süß-säuerlichen Aroma keine Spur. Deshalb auf die Reife achten. Eine gelblich-rote bis tiefrot gefärbte Schale weist daraufhin. Angeblich auch ein metallisches Geräusch, wenn man auf die Schale klopft. Da die Frucht nach der Ernte nicht nachreift, bedarf es beim Kauf auch ein wenig Glück.
Granatapfelkörner passen zu Obstsalaten, dekorieren aber auch eine Bayerische Creme oder einen Vanillepudding. Im Orient wird die Frucht oft zu Fleisch gereicht, etwa wie hier Preiselbeeren zu Wildgerichten. Eine Spezialität aus dem Iran: Fesenjan. Das orientalische Rezept besteht aus Ente, verfeinert mit Walnüssen, Granatapfelsaftsoße und arabischen Gewürzen. Als Beilage gibt es meist Basmatireis.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
17.01.2011, aktualisiert am 30.12.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto
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