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So gefährlich ist eine Pilzvergiftung

Warum ruft der Verzehr bestimmter Pilze so schlimme Vergiftungen hervor? Und müssen diese tödlich enden? Der Toxikologe Professor Thomas Zilker erklärt die Problematik


Ein Männlein steht im Walde ... und da sollte es auch lieber bleiben. Fliegenpilze sind sehr giftig und auf keinen Fall für den Verzehr geeignet

Die Pilzsaison hat begonnen und Pilze sammeln ist en vogue, sowohl bei jung und alt. Wer denkt, das Sammlerkörbchen reist ausschließlich mit dem Fahrrad an, der irrt. Es wurden sogar schon fein gelackte Porschefahrer beim emsigen Stöbern nach den kleinen Hütchen beobachtet.

Warum erlebt diese betuliche Beschäftigung zur Zeit einen derartigen Hype? "Das liegt an dem ausnehmend guten Pilzwetter", erklärt Professor Thomas Zilker, Leiter der Toxikologischen Abteilung am Klinikum rechts der Isar in München. Ein warmer Sommer, gefolgt von starkem Regen, das mögen Pilze besonders gerne. Die Kehrseite der Medaille: Je mehr Pilze wachsen, desto mehr Patienten müssen die Vergiftungsexperten dann leider auch behandeln.


Sammeln Sie selber auch gerne Pilze?

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Ja, das ist eine tolle Beschäftigung.
Lust hätte ich ja schon, aber es ist mir einfach zu riskant.
Auf die Idee bin ich noch nie gekommen. Pilze gibt es doch auch im Supermarkt.

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Denn immer wieder schnippeln fleißige Feinschmecker auch giftige Exemplare in ihre selbst ersammelte Pilzpfanne. Zu den gefährlichsten Vertretern gehören in Deutschland der Knollenblätterpilz, der Pantherpilz und der spitzkegeliger Rauhkopf. Ersterer wird gerne versehentlich mit dem Champignon verwechselt. Im Gegensatz zu dem harmlosen Doppelgänger kann eine Knollenblätterpilzmahlzeit den Verspeisenden aber das Leben kosten.

Woran erkennt man eine Knollenblätterpilz-Vergiftung? Das Gift zeigt eine relativ lange Latenzzeit. In der Regel treten erst etwa 10 Stunden nach dem Verzehr massive Durchfälle und starkes Erbrechen auf. "Bei diesen Symptomen muss man sofort eine Klinik aufsuchen", so Zilker. Denn nur wer rechtzeitig kommt, kann noch von einem Gegengift profitieren. Mediziner setzen hier Silibinin ein, welches sie aus der Mariendiestel gewinnen.

Das Serum hat die Tödlichkeit des Knollenblätterpilzes deutlich gesenkt. "In den Siebziger Jahren starb noch ungefähr jeder vierte an der Vergiftung, heute liegt die Letalität nur noch bei rund sechs Prozent", erklärt Zilker. Kommt ein Patient zu spät in die Klinik, dann setzt ein bis zwei Tage nach der Vergiftung der Leberzerfall ein. Hier kann dann nur noch eine Transplantation helfen.

Bei manchen Menschen kommt es auch zu Nieren- oder Kreislaufversagen. "Das Ausmaß der Symptome und die Überlebenschancen hängen natürlich auch immer direkt mit der Menge des konsumierten Giftes zusammen", ergänzt unser Toxikiloge. Tipp: Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal des Knollenblätterpilzes zum Champignon ist die Farbe der Lamellen. Bei dem giftigen Vertreter leuchten sie strahlend weiß, beim harmlosen Pilz sind sie zunächst rosa, später werden sie dann bräunlich.

Im Gegensatz zu dem späten Auftreten von Symptomen gibt es auch Pilze deren giftige Wirkung sich schneller zeigt. Als Beispiele hierfür nennt Zilker den Risspilz. Bereits nach ein bis zwei Stunden leidet der Vergiftete unter starker Übelkeit und extremen Schweißausbrüchen. Diese sind derart signifikant, dass Mediziner sie als Erkennungsmerkmal der Intoxikation nutzen.

Auch die Wirkung von Fliegen- oder Pantherpilzen zeigt sich ziemlich bald nach dem Verzehr. Die Patienten leiden aber unter anderen Symptomen, als bei den bisher genannten Giftpilzen. "Oft wechseln Verwirrtheitszustände mit Tobsuchts- oder gar epileptischen Anfällen", erläutert Zilker. Es gibt Drogenanhängige, die die gefährlichen Hütchenträger missbrauchen um einen Rausch zu erleben. Das vermeintliche Vergnügen kann tödlich enden.


Der dritte Pilz, vor dem unser Experte warnt, ist der spitzkegeliger Rauhkopf. Sein Gift setzt mit einer sehr starken Verzögerung ein, die Latenzzeit kann Tage bis Wochen betragen. Die Folgen sind allerdings besonders schwerwiegend. Die Vergiftung führt zu einem irreversiblen Nierenversagen, welches den Tod oder eine lebenslange Dialyse-Abhängigkeit nach sich zieht.

Gibt es vielleicht einen Trick, giftige Pilze gleich zu erkennen? „Nein, den gibt es nicht. Und alle anderen Behauptungen sind Hokuspokus!“ warnt Zilker. Die Toxikologen weisen das Gift anhand der Sporen unter dem Mikroskop nach. Alle Geschichten von angelaufenen Silberlöffeln im Kochwasser oder andere Ammenmärchen sind schlicht und einfach ausgedacht und schützen in keinem Fall vor einer Vergiftung.

Warum darf man Pilze nicht aufwärmen – hängt das auch mit der Giftigkeit zusammen? „Nein, das ist eine Vorsichtsmaßnahme, da Pilze nicht sehr lange haltbar sind“, erklärt Zilker. Die Lebensmittel kommen aus der Erde, also können sie leicht mit Bakterien kontaminiert sein. Das kann natürlich zu einem schnellen Verderb führen, was wiederum dem Menschen nicht gut bekommt.

Außerdem ist das Pilzprotein an sich schon relativ schlecht verdaulich. „Es gibt Menschen, die bekommen auch beim Genuss essbarer Pilzen nach ein bis zwei Stunden Bauchgrimmen“, weiß Zilker. Also sollte man die kleinen Köstlichkeiten so frisch wie möglich auf den Tisch bringen. Unser Experte rät, sie nicht länger als 24 Stunden zu lagern.

Trotz all der genannten Gefahren sind Pilze auf jeden Fall ein wunderbares Spätsommergericht. Welche schmecken wohl unserem Pilzexperten am besten? „Ich persönlich esse überhaupt keine Pilze mehr. Ich weiß einfach zu viel darüber“, lacht Zilker. Aber früher hat er gelegentlich ganz gerne mal ein paar Steinpilze und Maronen verputzt.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 06.09.2010, aktualisiert am 06.09.2010
Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

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