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Schluckstörung (Dysphagie): Schlucktherapie

Die Schlucktherapie bei Dysphagie beinhaltet Schluckübungen und stützende Techniken, Medikamente sowie chirurgische Verfahren. Wenn es gar nicht anders geht, sind Sondenernährung und Tracheostoma ein Ausweg


Logopädie: Wieder besser sprechen und schlucken lernen

Die Schlucktherapie ist ein Spezialgebiet, auf dem Ärzte, Sprachtherapeuten (Logopäden), Ernährungstherapeuten und Fachpflegepersonal eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, gestörte Schluckfunktionen zu verbessern und Aspirationen möglichst zu unterbinden. Im Idealfall sollte die Therapie dazu verhelfen, dass sich ein Patient wieder vollständig und stabil auf normalem, also oralem Wege, ernährt. Angesichts der komplexen Thematik können hier nur einige Grundzüge erläutert werden. Mehr dazu in den Links ganz unten (Leitlinie neurogene Dysphagie (Erwachsene)).

„Funktionell orientierte“ Schlucktherapie

Wenn bei einem Patienten, beispielsweise nach einem Schlaganfall, zunächst keine normale Ernährung möglich ist und eine Sondenernährung an ihre Stelle tritt (siehe unten), wird frühzeitig auch eine funktionelle Schlucktherapie eingeleitet.


Da insbesondere Dysphagien bei Erkrankungen des Gehirns, der Nerven oder Muskeln (siehe entsprechendes Kapitel) oft noch von anderen komplexen Störungen begleitet werden, zum Beispiel im Bereich des Sprechens, legen Betroffene, ihre Angehörigen und der Arzt gemeinsam fest, welche Therapieziele im Einzelfall zusätzlich wichtig sind. Dabei geht es nicht nur darum, dass es im Alltag wieder besser läuft. Vielmehr wird angestrebt, Leidensdruck von den Betroffenen zu nehmen und ihnen wieder Möglichkeiten zu eröffnen, um am sozialen Leben teilzuhaben.

Bewegungen im Bereich der Lippen, Wangen- und Kaumuskulatur, der Zunge, des Gaumens und Rachens lassen sich gezielt anregen und trainieren. So können Vorgänge wie der Schluckreflex am Gaumenbogen, die Abdichtung des Nasenrachenraums, das Voranbringen der Nahrung (Zungen- und Rachentransport) und vieles mehr wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Da der Mensch beim Sprechen auf dieselben Instrumente zurückgreift, kommt es beiden Leistungen zugute, wenn einzelne Schritte, die gelitten haben, gestärkt werden.

Bei den Übungen haben sich solche wie „Shaker“, das „Mendelsohn-Manöver“ oder „Masako“ bewährt. Shaker beispielsweise verbessert die Öffnungsbewegung des oberen Ring- bzw. Schließmuskels an der Speiseröhre. Sie ist häufig gestört, zum Schlucken aber unerlässlich.
Weitere Maßnahmen erleichtern das Schlucken indirekt oder „technisch“, etwa veränderte Kopf- und Körperhaltungen bei der Nahrungsaufnahme.

Die Diätetik wiederum setzt wichtige Akzente rund um die Ernährung. Entscheidend ist es, die Nahrung an die individuelle Schluckkapazität anzupassen. Dabei spielt die richtige Konsistenz der Speisen eine große Rolle, ebenso die Zusammensetzung, der Nährstoffgehalt, Farbe und Geschmack: Möglichst viele Sinne wollen angesprochen werden, um verloren gegangene Verbindungslinien im Gehirn wieder zu aktivieren.

Neben der Rehabilitation von Patienten mit einem Schlaganfall kommt die Schlucktherapie prinzipiell auch bei allen anderen neurologischen Dysphagien zum Tragen. Falls die Therapie nach einem Jahr keine Besserung bewirkt hat, müssen eventuell andere Wege beschritten werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das zum Beispiel eine operative Spaltung des Ringmuskels an der oberen Speiseröhre sein. Alternativ kann Botulinumtoxin (BTX) in den Schließmuskel injiziert werden. Die Schlucktherapie wird dann jeweils fortgeführt und das Ergebnis zu gegebener Zeit kontrolliert.

Bei der Sondenernährung gibt es je nach Zeithorizont und individuellen Gegebenheiten verschiedene Anwendungsformen. Häufig wird zum Beispiel die sogenannte PEG (Abkürzung für „perkutane endoskopische Gastrostomie“) angelegt. Die Sonde wird dabei im Zuge einer Magenspiegelung durch den Magen und die Bauchwand nach außen geführt.

Ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie)ist praktisch unvermeidlich, wenn nicht nur Nahrung und Flüssigkeit aspiriert werden (siehe auch Kapitel „Diagnose“), sondern in nennenswertem Ausmaß auch Speichel, was die Sonde nicht verhindern kann. Es drohen sonst wiederholte Lungenentzündungen. Daher muss der Schluckweg dann vollständig vom Atemweg getrennt werden.

Bei der Anlage des Tracheostoma (der Öffnung in der Luftröhre) und noch mehr bei der Kanülenversorgung gibt es ebenfalls Varianten. Ausschlaggebend für die Auswahl ist der jeweilige Erkrankungshintergrund. So gibt es einmal Kanülen zur dauerhaften Anwendung für mobile Patienten, bei Bedarf auch als Sprechventilkanülen ausgelegt. Andere Kanülen eignen sich zur Beatmung (auch zu Hause).

Die Handhabung des Kanülenwechsels und der Pflege, etwa das wiederholt notwenige Absaugen von Sekreten, verlangt entsprechende Kenntnisse und optimale Hygiene. Manche Patienten mit endgültigem Tracheostoma lernen, selbst damit umzugehen und es zu pflegen. Das hängt selbstverständlich von der Art der Erkrankung ab. Beispielsweise versorgen sich häufiger Patienten selber, denen der Kehlkopf wegen einer Krebserkrankung entfernt werden musste.

Verschiedene Medikamenten helfen, weitere Probleme zu lösen. Die Möglichkeiten reichen von der Vorbeugung von Lungenentzündungen durch intensive Mundhygiene und den Arzneistoff Amantadin (zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten) über die Therapie eines Rückflusses von Magensäure in die Speiseröhre oder eines Schluckaufs bis zur Behandlung von zu wenig oder zu viel Speichelfluss.



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 19.07.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: Mauritius Images GmbH/Imagebroker/Denis Meyer

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