"Wenn man einen Kirschkern verschluckt, dann wächst im Bauch ein Baum", warnt der Volksmund. Stimmt aber nicht. Bloß sagt der Volksmund vieles – was darf man nun glauben? Wir haben ein paar der gängigen Behauptungen im Bereich "Obst und Gemüse" überprüft.
Enthalten Bananen wirklich so viel Zucker?
Der Zuckergehalt der Banane hängt vom Entwicklungsstadium der Frucht ab. Je reifer eine Banane ist, desto höher ist ihr Zuckeranteil. Solange die Frucht an der Staude hängt, ist ihr Stärke:Zucker-Verhältnis 20:1. Erntet man sie und lässt sie nachreifen, dann wandelt es sich kontinuierlich um, bis es bei vollreifen Früchten bei 1:20 liegt. Also 20 Teile Zucker, ein Teil Stärke.
Reift die Banane an der Staude, dann kommt es nicht zu dieser Umwandlung. Die Frucht platzt irgendwann und schmeckt einfach nur mehlig. Eine reife Banane ist tiefgelb und hat vielleicht schon ein paar braune Tüpfelchen. Das Gegenteil zeigt eine grüne Färbung an.
Der tatsächlich relativ hohe Zuckergehalt der Banane von rund 20 Prozent ist nicht unbedingt ungesund, er macht die Banane auch gleichzeitig zu einer sehr wertvollen Frucht. Sie ist ein schneller und kontinuierlicher Energiespender. Außerdem enthalten die krummen Dinger viele unlösliche Ballaststoffe, wichtige Mineralstoffe und eine große Anzahl verschiedener Vitamine.
Wieviel Fett steckt in der Avocado?
Für eine Obstsorte ist die Avocado in der Tat ganz schön fettig. Von 100 Gramm Frucht bestehen rund 23 Gramm aus Fett. Häufig liest man sogar noch höhere Werte. Das liegt dann aber daran, dass der Kern mitberechnet wurde. Allerdings setzt sich das Fett der Avocado größtenteils aus ungesättigten Fettsäuren zusammen. Die sind gesund, lebensnotwendig und helfen uns dabei, den Cholesterinspiegel zu regulieren.
Trotzdem landen leider auch gesunde Fette auf den Hüften. Aber wer den Verzehr nicht übertreibt, darf die Avocado gerne und ohne schlechtes Gewissen genießen. Nebenbei sind die Früchte nämlich auch noch echte Schönmacher – über verschiedene Inhaltsstoffe wie beispielsweise die Vitamine A, C und E freuen sich Haut und Haare. Und der hohe Fettanteil führt dazu, dass auch die fettlöslichen Vitamine D und K wunderbar aufgenommen werden können.
Ist Spinat ein Eisen-Superlieferant??
Der Comic-Seemann Popeye entwickelt nach dem Genuss einer Dose Spinat Superkräfte. Unzählige Kinder quälen sich täglich mit dem verhassten Teller des glitschigen Gemüses, weil die Eltern behaupten "da ist super viel Eisen drin, das macht dich groß und stark!" Bis heute hält sich das Gerücht, Spinat wäre ein wahrer Eisen-Superlieferant. Das stimmt aber gar nicht.
Spinat enthält pro 100 Gramm ungefähr 3,5 Milligramm Eisen. Das ist zwar ein guter Wert, aber nicht herausragend. Und woher kommt der Irrtum? Im Jahre 1890 berechnete der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge den Eisengehalt des Spinates zwar völlig richtig, allerdings bezog sich sein Ergebnis auf das getrocknete Gemüse. Die Werte wurden aber dem frischen Gemüse zugeschrieben, welches zu 90 Prozent aus Wasser besteht. Somit setzte sich das zehnmal zu hohe Ergebnis (von 35 statt 3,5 Milligramm Eisen pro 100 Gramm Spinat) in den Köpfen fest.
Aber trotz dieses Irrtums handelt es sich bei Spinat um ein sehr gesundes Lebensmittel. Es liefert dem Körper viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Wer allerdings seine Eisenspeicher auffüllen möchte, der kann das effektiver mit Hilfe tierischer Produkten tun. Diese enthalten wesentlich mehr von dem Mineralstoff und vor allem auch in einer Variante, die der Körper wesentlich besser verwerten kann.
Wie viel Vitamin C steckt in einer Orange?
Es gibt so viele verschiedene Vitamine, dass der Laie kaum mehr den Überblick behält, welches wofür gut ist. Aber eines, das kennt fast jeder – das Vitamin C. Das ist irgendwie wichtig für unser Immunsystem, soviel ist meistens bekannt. Und weil wir alle gesund bleiben wollen, versorgen wir unsern Körper auch brav mit diesem Vitamin.
Gerne greift man zu diesen Zweck zur Orange oder einer anderen Zitrusfrucht: Da schmeckt man das saure Vitamin ja quasi heraus. Aber ist die Apfelsine wirklich so eine enorme Vitamin C-Bombe? Leider nicht. 100 Gramm der Frucht enthalten rund 50 Milligramm des Vitamins. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen täglichen Verzehr von mindestens 100 Milligramm Vitamin C.
Der Vitamin C-Gehalt einer Orange ist also grundsätzlich nicht gering. Aber wenn man ihn mit dem der Hagebutte vergleicht, die pro 100 Gramm gleich 1250 Milligramm Vitamin C enthält, dann ist es kein überragendes Ergebnis. Sogar die rote Paprika überholt die saure Frucht mit 120 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm Gemüse. Und auch die Erdbeere bringt mit 62 Milligramm Vitamin C in 100 Gramm deutlich mehr auf die Waage, als unser orangefarbenes Obst.
Nichtsdestotrotz ist die Orange eine gesunde Frucht, die neben Vitamin C noch viele weitere wertvolle Inhaltsstoffe liefert. Außerdem schmeckt sie toll und die Duftstoffe, die aus der Schale gewonnen werden, verfeinern viele unserer Pflegeprodukte.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
19.04.2010, aktualisiert am 25.04.2012
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Ablestock, Jupiter Images GmbH/PhotoObjects.net, iStock/Christine Draheim , iStock/narvikk
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