Heiße Dämpfe entweichen dem brodelnden Topf. Wer seinen Kopf darüber hält und sich noch ein Handtuch überstülpt, kommt schnell ins Schwitzen. Dieses alte Hausmittel – das Inhalieren – lindert Husten, befreit eine verstopfte Schnupfennase und befeuchtet gereizte Schleimhäute.
Die Topfvariante birgt allerdings Risiken. Kippt das Gefäß mit der heißen Flüssigkeit um, kann es zu schweren Verbrühungen kommen. Zudem dringen die Dämpfe nicht nur in Mund und Nase ein, sie können die Augen reizen. Besonders ätherisches Öl kann zu tränenden Augen führen.
Besser eignen sich Dampfinhalatoren aus der Apotheke. Durch einen Mund-Nasen-Aufsatz werden gezielt die Schleimhäute im oberen Atemtrakt befeuchtet. In das Innere des Inhalators kommt eine bestimmte Menge Wasser plus Zusatz. Das können Pflanzenextrakte oder ätherisches Öl sein.
Kamille – als Tee oder flüssiger Extrakt – wirkt Entzündungen entgegen, bekämpft Bakterien und lindert Schnupfen. Ätherisches Öl aus Eukalyptus, Latschenkiefer oder Fichtennadeln löst festsitzenden Schleim aus den oberen Atemwegen. Dadurch können die aromatischen Öle auch bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung helfen. „Wer jedoch immer wieder entzündete Nebenhöhlen hat, kann die Beschwerden durch regelmäßige Nasenspülungen mit Kochsalz signifikant bessern“, erklärt Professor Thomas Wagner, Pneumologe an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Der Inhalt aus Dampfinhalatoren erreicht nur die Nasenschleimhaut, nicht aber die Bronchien. „Um festsitzenden, zähen Schleim aus den Bronchien zu lösen, braucht man feine Tröpfchen, die in die Lunge gelangen“, merkt der Frankfurter Pneumologe an. Tröpfchen einer bestimmten Größe lassen sich mit Ultraschall- oder Düsenverneblern erzeugen. Eine Kochsalzlösung, die in das Gerät gefüllt wird, befeuchtet auf diese Weise die Schleimhäute der unteren Atemwege und löst zähen Husten. „Damit unterstützt man die natürliche Reinigungsfunktion der Schleimhaut, die einen wichtigen Teil der Immunabwehr darstellt“, sagt Wagner.
Prinzipiell können Sie eine Kochsalzlösung selbst herstellen: 0,9 Gramm Speisesalz auf 100 Milliliter abgekochtes Wasser (oder neun Gramm auf 1 Liter) geben, fertig. Heben Sie die Lösung jedoch maximal 24 Stunden auf. Einfacher und sicherer ist es, kleinere Mengen abgepackt in der Apotheke zu kaufen.
Vernebler dienen auch dazu, Medikamente – zum Beispiel gegen Asthma – in die Lunge zu befördern. Sind die Geräte mit einem Nasenaufsatz versehen, lässt sich mit ihnen auch bestens die Nasenschleimhaut befeuchten.
Ätherische Öle eignen sich für die sogenannte Tröpfcheninhalation weniger. Für Asthmapatienten sind sie tabu. „Ätherische Öle können die empfindlichen Atemwege irritieren und einen Asthmaanfall auslösen“, warnt Wagner. Ähnliches gilt für Säuglinge und Kinder: Gelangen Bestandteile der Öle – vor allem Menthol oder Kampfer – in den Bereich von Nase, Mund oder Rachen, kann dies beim Kind zu Atemnot führen.
Plagt Sie eine Erkältung, können Sie zwei- bis dreimal täglich fünf bis zehn Minuten inhalieren – unabhängig davon, welches Gerät Sie benutzten. Beschwerden, die nicht von selbst abklingen, zum Beispiel ein zäher Husten oder eine verstopfte Nase, muss ein Arzt abklären.
Atmen Sie beim Inhalieren ruhig und tief ein und atmen Sie genauso entspannt wieder aus. Wer Schwindel verspürt, hat möglicherweise zu schnell oder zu tief eingeatmet. Manche Menschen müssen husten. Geschieht dies beim Inhalieren ätherischer Öle, brechen Sie die Anwendung besser ab. Sonst kann auch einfach die Flüssigkeit zu heiß sein. Ein „Schuss“ kaltes Wasser oder eine kurze Wartezeit schaffen Abhilfe.
Kochsalzlösungen kommen auch für den längeren Gebrauch infrage. Sie halten die Schleimhäute während der Wintersaison feucht und können Infekten vorbeugen. Manche Inhaliergeräte enthalten ein Nasen- und ein Mundstück. Ersteres empfiehlt sich, wenn jemand gezielt die Nasenschleimhaut befeuchten möchte. Letzteres, wenn der Dampf in die Bronchien gelangen soll.
Wichtig ist, dass Sie das Gerät nach dem Inhalieren ausspülen und anschließend trocknen lassen. Denn es gibt Bakterien, die lediglich ein bisschen Feuchtigkeit brauchen, um sich zu vermehren. Die Hersteller der Inhalatoren geben meist Hinweise darauf, ob sich die Mund- oder Nasenstücke in der Spülmaschine reinigen lassen.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
23.02.2010, aktualisiert am 01.12.2011
Bildnachweis: W&B/Bernhard Limberger
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