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Sauna: Schwitzen für die Gesundheit?

Wer regelmäßig in die Sauna geht, kann damit Körper und Seele etwas Gutes tun. Was dabei jedoch zu beachten ist und wann Sie lieber kein Schwitzbad machen sollten


Entspannend und wohltuend: Saunabesuche

Auf der Suche nach Geschenken hetzen Sie durch die Geschäfte. Die Kinder wollen seit Tagen endlich Plätzchen backen. Und die Weihnachtsdeko schlummert auch noch in der großen Kiste im Keller – die typische Hektik der Vorweihnachtszeit. Entfliehen Sie ihr doch für ein paar Stunden und gehen Sie mal wieder in die Sauna! Das Schwitzbad wirkt herrlich entspannend und kann auch der Gesundheit guttun.


Ist Saunieren wirklich gesund?

Gerade in der kalten Jahreszeit ist unsere Gesundheit vielen Gefahren ausgesetzt. Der Winter verlangt den körpereigenen Abwehrkräften einiges ab: draußen bittere Kälte, drinnen trockene Heizungsluft. Dazu kommen volle U-Bahnen mit schniefenden Menschen und der hustende Kollege im Büro. Viren und Bakterien haben unter diesen Umständen leichtes Spiel.

Der Gang in die Sauna kann vorbeugend wirken. Regelmäßige Besuche in der heißen Holzstube sollen das Immunsystem trainieren. Erkältungen kann durch das regelmäßige Schwitzen und Abkühlen teilweise vorgebeugt werden. Warum das so ist, erklärt Dr. Amin Aschour, Allgemeinmediziner aus Wien: „Das Saunieren funktioniert ähnlich wie ein Fieberschub.“ Das heißt: Durch die trockene Hitze in der Sauna steigt die Körpertemperatur an.

Privatdozent Dr. Rainer Brenke, ehemaliger Chefarzt der Abteilung Naturheilverfahren an der Hufelandklinik Bad Ems, fügt hinzu: „Durch die Sauna ändern sich im Körper langfristig die unspezifischen Abwehrmechanismen. Saunagänger bilden durch den thermischen Reiz mehr Killerzellen und einen erhöhten Interferon-Titer im Blut.“ Interferone sind Botenstoffe, die in der körpereigenen Abwehr von Infektionen eine wichtige Rolle spielen.

„Außerdem kann das Saunieren positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und den Blutdruck haben,“ so Aschour. Denn durch die Erwärmung und die darauf folgende Abkühlung wird der Kreislauf angeregt.

Sauna – gut für Haut und Seele?

Schadet die Hitze in der Sauna nicht der Haut? „Nein, ganz im Gegenteil,“ erklärt Aschour. „Die angeregte Durchblutung, das Schwitzen und die daraus resultierende porentiefe Reinigung sind optimal für die Haut.“ Das belegt auch eine Studie der Dermatologischen Klinik in Jena von 2006: Saunieren „trainiert“ nach den Ergebnissen dieser Untersuchung die Haut und stärkt ihren natürlichen Säureschutzmantel.

Kann die trockene Hitze also tatsächlich therapeutische Wirkung auf die Haut haben? Dr. Brenke meint: "Bei bestimmten Krankheitsbildern auf jeden Fall. Wir haben in der Hufelandklinik ganz konsequent Sauna als eine Therapieform bei Schuppenflechte angewendet." Wer unter Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis (Schuppenflechte) leidet, sollte vor dem Saunabesuch jedoch auf jeden Fall sicherheitshalber Rücksprache mit dem Arzt halten, ob Sauna für ihn geeignet ist.

Laut einer Umfrage des Deutschen Sauna-Bundes e. V. ist es aber nicht nur der gesundheitliche Aspekt, der Sauna-Gänger überzeugt. Körperliche Erholung, seelisches Wohlbefinden und psychische Entspannung werden im gleichen Atemzug mit Krankheitsabhärtung genannt. Die Wärme und Behaglichkeit der Sauna sowie das erfrischende Kaltbad danach sorgen offenbar bei vielen für Entspannung und Wohlgefühl.

Mit Erkältung in die Sauna?

Ist man hingegen bereits krank und zudem noch ansteckend, „dann hat man in der Sauna nichts verloren“, so Dr. Aschour ganz strikt. „Viele Menschen erliegen dem Irrglauben“, meint der Allgemeinmediziner weiter, „dass die Sauna gesund macht, wenn man bereits akut krank ist.“ Genau das Gegenteil ist der Fall: Hat man eine Erkältung oder eine Grippe und setzt sich dem Hitze-Kälte-Wechsel aus, kann das die Erkrankung schlimmer machen. Und andere Saunagänger sind einer enormen Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Man darf nicht vergessen: Das Klima einer Saunalandschaft (warme Ruheräume, feuchte Badebereiche) bietet optimale Lebensbedingungen für viele Viren und Bakterien. „Wenn in der warmen Umgebung einer Saunalandschaft jemand niest, dann halten sich die Krankheitserreger dort richtig lange,“ gibt auch Aschour zu bedenken.

Bei welchen Krankheiten muss man besonders aufpassen?

Grundsätzlich gilt: Wer eine akute Krankheit hat, der sollte auf keinen Fall in die Sauna gehen. Bei chronischen Erkrankungen, sollte man vor dem ersten Saunabesuch mit dem behandelnden Arzt sprechen. Besondere Vorsicht ist unter anderem geboten bei Herz-Kreislauf- oder Gefäßerkrankungen, wie koronarer Herzkrankheit, bereits erlittenem Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion, Asthma, Multipler Sklerose oder Nierenkrankheiten.

Je nach Ausmaß und Stadium einer Erkrankung kann der Saunagang im Einzelfall gut tun oder aber gefährlich sein. Deshalb bei chronischen Leiden immer vorher den Arzt fragen, ob und wie viel Sauna man sich zumuten darf. Auch wer unter Schwindel und Kreislaufproblemen leidet, sollte sich unbedingt mit dem Arzt abstimmen, ob er sich in die Sauna wagen sollte.

Darüber hinaus ist es auch für den gesunden Saunagänger ganz wichtig, auf die Signale seines Körpers zu hören. Das heißt: Im Zweifelsfall lieber nur kurz in den heißen Raum und dafür längere Ruhepausen. Sauna soll wohltuend sein, nicht anstrengend!

Schwanger in die Sauna?

Wer schwanger in die Sauna möchte, sollte auf keinen Fall ein Neueinsteiger sein. "Die saunaerprobten Finninen", erzählt Brenke, "sind ja meist bis unmittelbar vor der Geburt in der Sauna." Prinzipiell müssen die Frauen also gesund und das Saunieren schon gewöhnt sein. Zudem sollten sie nicht unter Schwangerschaftskomplikationen leiden. Aschour empfiehlt werdenden Müttern regelmäßiges Saunieren lediglich zwischen der 12. und 30. Woche. Im ersten und im letzten Drittel rät er vom Saunieren gänzlich ab: „Die Kreislaufbelastung ist in diesen Phasen oft enorm hoch. Wenn da noch ein Saunagang mit Aufguss dazukommt, ist die Kollapsgefahr ziemlich groß.“ Auch Brenke ist der Meinung, dass man in der Frühschwangerschaft nicht saunieren soll.  Am besten fragen Schwangere ihren Frauenarzt, ob in ihrem speziellen Fall etwas gegen Saunabesuche spricht.

Kinder in die Sauna?

Eine einheitliche Regelung, ab wann Kinder in die Sauna gehen dürfen, gibt es nicht. Aber laut den Empfehlungen des Deutschen Sauna-Bundes zur Haus- und Badeordnung öffentlicher Bäder dürfen Kinder erst ab drei Jahren mit in die Sauna genommen werden. Das bedeutet: Die Kleinen sollten sauber sein, die Saunaregeln befolgen können und sich mitzuteilen wissen. Gesund müssen sie natürlich ebenfalls sein.

„Eine weitere Voraussetzung ist,“ so Aschour, „dass die Eltern genau hinschauen, wie ihr Kind die Hitze verträgt und mit ihr umgeht.“ Erwachsene müssen außerdem berücksichtigen, dass Kindern das lange Stillsitzen in der warmen Kammer schnell zu langweilig wird. Mit Kinder sollte man daher langsam anfangen und die Dauer der Saunagänge sowie die Temperatur zu Beginn möglichst niedrig halten.

Ältere Menschen in die Sauna?

„Das Alter per se ist keine Kontraindikation,“ weiß Aschour. Allerdings sollten die Senioren gesund sein. „Ich habe viele Patienten, die älter sind als 70 Jahre und regelmäßig in die Sauna gehen.“ Wer neu mit dem Saunabaden startet, lässt sich aber am besten sicherheitshalber grünes Licht vom Arzt geben.

Zu lange sollten man jedoch nicht in der Hitze verweilen – auch darauf weist der Allgemeinmediziner hin: „Saunieren ist nur dann gesund, wenn die Saunaregeln beachtet werden. Man hat nichts davon, wenn man wettbewerbsmäßig 40 Minuten in der Sauna sitzt.“

Wie sauniere ich richtig? Einige Regeln

  • Vorher ausreichend trinken. Nie ausgetrocknet in die Sauna gehen.
  • Man sollte nicht hungrig und nicht mit vollem Magen in die Sauna.
  • Auf das richtige Hygiene-Equipment achten: Badeschuhe und großes Handtuch.
  • Vor dem Gang in die Sauna duschen.
  • Gründlich abtrocknen. Denn mit trockener Hautoberfläche schwitzt es sich besser. Ein warmes Fußbad vor dem Saunagang fördert das Schwitzen ebenfalls.
  • Man sitzt oder liegt unbekleidet auf den Saunatüchern.
  • Am besten schwitzen Sie kurz, aber intensiv – sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen.
  • Pro Gang genügen etwa acht bis 15 Minuten. Achten Sie dabei auf Ihr Wohlbefinden und verlassen Sie die Sauna lieber frühzeitig.
  • Die letzten Minuten sollten Sie sich in die sitzende Position begeben, um den Kreislauf auf das Aufstehen vorzubereiten.
  • Wichtig nach dem Saunagang: Sauerstoff! Gehen Sie an die frische Luft.
  • Dann erfolgt meist der Kaltwasserguss – entweder durch Dusche, Kneippschlauch oder Tauchbecken. Schonendere Alternativen: lauwarm abduschen oder einfach an der frischen Luft bleiben.
  • Ein warmes Fußbad nach dem Guss wirkt wohltuend.
  • Die Ruhepause im Ruheraum soll mindestens so lange dauern wie der Aufenthalt in der Sauna.

Weitere Tipps:

  • Nicht mehr als drei Gänge durchführen.
  • Um die gewünschten Effekte zu erzielen sollten Sie die Sauna regelmäßig aufsuchen.
  • In bestimmten Abständen werden in öffentlichen Saunaanstalten Aufgüsse (das Begießen der heißen Ofensteine mit Wasser) durchgeführt. Diese führen kurzzeitig zu einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit und einem erhöhten Hitzeempfinden in der Saunakabine. Ungeübte Saunagänger sollten sich bei Aufgüssen unbedingt auf den unteren Bänken aufhalten.
  • Nach dem letzten Gang ausreichend trinken – aber auf keinen Fall Alkohol.
  • Sportliche Aktivitäten nach der Sauna sollten Sie vermeiden.


Sandra Schmid / www.apotheken-umschau.de; 13.11.2009, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

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